Ärzte Zeitung online, 31.10.2013

Sterblichkeits-Vergleich

Lieber Herzinfarkt in Dänemark

Die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt ist in Deutschland dreimal höher als in Dänemark, berichtet ein Gesundheitsökonom. Er behauptet: Im EU-Vergleich hinken die deutschen Kliniken hinterher.

Von Jürgen Stoschek

Lieber Herzinfarkt in Dänemark

Beim Herzinfarkt ist eine schnelle Versorgung wichtig.

© Buchachon Petthanya / iStockphoto / Thinkstock.com

MÜNCHEN. Das deutsche Gesundheitssystem ist längst nicht so gut, wie immer behauptet. Zu diesem Ergebnis kommt der Gesundheitsökonom Professor Reinhard Busse von der TU Berlin.

So liege etwa die risikoadjustierte Sterblichkeit beim Herzinfarkt in Deutschland im europäischen Vergleich dreimal höher als in Dänemark, berichtete Busse beim Europäischen Gesundheitskongress in München.

Und auch in Norwegen sei die Situation deutlich besser. Dort sei die Letalität beim Herzinfarkt innerhalb weniger Jahre von zwölf auf jetzt vier Prozent gesenkt worden, berichtete Busse.

Deutsche Krankenhäuser seien hinsichtlich der Sterblichkeit beim Herzinfarkt fast durchweg schlechter als der europäische Durchschnitt.

Beim Hüft- und Kniegelenkersatz liege Deutschland hingegen weit vorne. So würden hierzulande bezogen auf die Einwohnerzahl doppelt so viele Endoprothesen implantiert wie beispielsweise in den Niederlanden.

Noch auffälliger sei die Situation bei der Koronarangioplastie. Die Zahl der Eingriffe liege in Deutschland etwa das Dreieinhalbfache über den Niederlanden, berichtete Busse unter Verweis auf Statistiken, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im November veröffentlichen will.

"Andere Länder sind besser"

Auch bei den "ganz normalen Operationen" schneide Deutschland im europäischen Vergleich nicht gut ab, erklärte Busse.

Nach aktuellen Zahlen liege die risikoadjustierte Sterblichkeit bei Operationen in Deutschland bei etwa vier Prozent im Vergleich zu zwei Prozent in vielen europäischen Ländern. "Wir müssen uns eingestehen, dass andere besser sind", sagte Busse.

Bei der Zahl der Akutbetten im Krankenhaus stehe Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor an oberster Stelle, obwohl in den vergangenen 20 Jahren hierzulande 21 Prozent der Betten abgebaut wurden.

Andere europäische Länder haben nach Busses Angaben im gleichen Zeitraum jedoch deutlich mehr Betten abgebaut, sodass Deutschland heute bei der Bettenzahl 60 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt, während es vor 20 Jahren nur 50 Prozent waren.

Selbst wenn von heute auf morgen 30 Prozent der Krankenhäuser geschlossen, 20 Prozent der Betten abgebaut und die Zahl der Krankenhausfälle um zehn Prozent gesenkt würde, läge Deutschland immer noch im oberen Bereich, so Busse.

Die Behauptung, dass dafür die Krankenhausversorgung für die Patienten in Deutschland besser erreichbar ist, lasse sich nicht halten.

In den meisten europäischen Ländern sei eine stationäre Behandlung ähnlich gut erreichbar wie in Deutschland, so Busse.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Heute ab 9.00 Uhr live in unserem Twitter-Ticker

Der Masterplan Medizinstudium 2020, die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge und die Novellierung der (Muster-)Weiterbildunsgordnung stehen auf heutigen Tagesordnung. mehr »

Ein kleiner Schritt für die Menschheit mit großem Risiko?

Astronauten sterben häufig an Herzkreislaufkrankheiten. US-Forscher haben dieses Phänomen untersucht. Und wir erklären, was sie herausgefunden haben. mehr »

Kann eine nicht wirksame Heilmethode so erfolgreich sein?

Kürzlich veröffentlichte die "Ärzte Zeitung" einen kritischen Beitrag zur Homöopathie. Wir geben den von ihr überzeugten Ärzten die Gelegenheit zu antworten. mehr »