Ärzte Zeitung, 11.12.2013

Arztbezogene Qualität

Fallzahl ist ein Engpass

Bricht man den Datenpool von Kassen je Arzt und Fachgruppe herunter, bleiben nur geringe Fallzahlen - ein methodisches Problem.

NEU-ISENBURG. Versorgerkrankenkassen verfügen über einen großen, sektorübergreifenden Datenpool, der potenziell für die Versorgungsforschung zur Verfügung steht.

Tatsächlich sind nur einzelne Indikatoren geeignet, mit der sowohl versicherten- als auch arztbezogene Analysen zur Qualitätsmessung möglich sind.

Darauf hat Dirk Horenkamp-Sonntag vom wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse (WINEG) bei der 5. Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundesausschusses hingewiesen.

Bei Hausärzten pro Arzt höhere Versicherten-Fallzahlen

Auch bei mitgliederstarken Kassen wie der TK ergeben sich bei der Qualitätsmessung aber Probleme mit den Fallzahlen. So behandelten beispielsweise 48 Prozent der Allgemeinärzte in Bayern maximal 50 TK-Versicherte.

Tendenziell, so Horenkampf-Sonntag, sei die Zahl der TK-Versicherten pro Arzt einer Fachgruppe in einer KV-Region zu niedrig, um flächendeckend mit Routinedaten die Qualität zu messen.

Bei Hausärzten fänden sich pro Arzt zwar höhere Versicherten-Fallzahlen. Doch das Patientenkollektiv ist auf dieser Versorgungsebene heterogen: In die Daten gehen akut erkrankte Patienten mit unregelmäßigen Arztkontakten genauso ein wie chronisch Kranke mit regelmäßigen Arztbesuchen.

Umgekehrt ist es bei Fachärzten: Dort ist die Versichertenfallzahl aus Sicht der TK eher niedrig, das Patientenkollektiv aber homogen.

Daten aus DMP-Dokumentation miteinbeziehen

Der WINEG-Wissenschaftler hat daher untersucht, welche QS-Indikatoren unter methodischen und arbeitsökonomischen Aspekten besonders geeignet sind, um mit Hilfe von GKV-Routinedaten erste Aussagen zu QS-Aspekten auf individueller Arzt-Ebene treffen zu können.

Als ein prioritäres Projekt hat Horenkamp-Sonntag beispielsweise das Krankheitsbild Asthma-COPD definiert.

Die Hospitalisierungsrate von Asthmatikern oder das Einhalten der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma sind dabei mögliche Schwerpunkte für eine QS-Messung. Problematisch sei, dass viele Indikatoren sich allein auf Basis der Routinedaten nicht anwenden lassen.

Zusätzlich müsse man auf Daten aus der DMP-Dokumentation zurückgreifen. Deren eingeschränkte Validität ist ein weiterer Beleg für die Schwierigkeiten bei der arztbezogenen QS-Messung. (fst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »