Ärzte Zeitung, 24.07.2014

Kommentar zu Gesundheitsberichten

Bitte glaubwürdig bleiben!

Von Denis Nößler

Ob es nun 35 oder 29 Millionen Menschen sind, die weltweit mit dem Aids-Virus infiziert sind - unter dem Strich bleibt die Dimension die Gleiche: Die HIV-Epidemie ist global, gefährlich und tödlich. Zu viele Menschen weltweit infizieren sich jedes Jahr neu mit HIV, zu viele sterben.

Vor allem in Entwicklungsländern kommt Aids noch immer einem Todesurteil gleich. Von dem sechsten Millenniumsziel der Vereinten Nationen ist die Welt weit entfernt: Nach allem, was wir heute wissen, wird die HIV-Ausbreitung im Jahr 2015 alles andere als gestoppt sein.

Deswegen gilt den Wissenschaftlern hinter der "Global Burden of Disease Study 2013" großer Dank, dass sie ein weiteres Zahlenwerk vorgelegt haben, in dem sie auf diese Missstände hinweisen.

Anerkennung gebührt den Studienautoren aber auch deswegen, weil sie auf ein großes Defizit der globalen Gesundheitsberichterstattung hinweisen. Offenbar verhält es sich dort nämlich so wie bei den zehn Anwälten, die nach einer Diskussion zu elf Meinungen kommen.

Juristen mag man das verzeihen, doch von weltweiten Gesundheitsberichten, und gemeinhin der Epidemiologie im Ganzen, muss man im besten Fall höchstmögliche Evidenz verlangen können, mindestens aber Verlässlichkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Andernfalls verlieren all die Gesundheitsreporte ihre Glaubwürdigkeit. Und auf einer solchen Datenbasis wird man von Politikern keine sinnvollen und "richtigen" Entscheidungen erwarten dürfen.

Zu Recht fordert der Harvard-Professor Rifat Atun deswegen neue globale Standards für die Gesundheitsberichterstattung. Denn unterschiedliche Erfassungsmethoden und Referenzdaten vermiesen jedem Epidemiologen den Job. Wird nur ein Indikator in einem großen Land wie etwa China völlig anders ermittelt als im Rest der Welt, verfälscht das jeden Trend, ist jeder Bericht darüber Makulatur.

Doch damit nicht genug: Manche Länder melden schlicht gar nicht oder sorgen dafür, dass ihre Daten nur für spezifische Berichte ausgewertet werden dürfen. Ein Blick in die Datenbank AIDSinfo von UNAIDS etwa zeigt erstaunlich viele graue Datenlücken auf der HIV-Weltkarte.

Der Ruf nach Transparenz und einheitlichen Datenstandards ist daher mehr als nötig. Freilich wird es ein Konsens sein, der die zahlreichen Befindlichkeiten berücksichtigt. Doch wenn am Ende eine saubere und transparente Gesundheitsberichterstattung herauskommt, ist viel erreicht.

Lesen Sie dazu auch:
Neue Analyse: HIV-Epidemie kleiner als gedacht?

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