Ärzte Zeitung App, 30.09.2014

Strukturwandel

Patienten in der Notaufnahme immer älter

Mehr als 30 Prozent der Patienten, die in die Notaufnahme gebracht werden, sind inzwischen älter als 80 Jahre.

HALLE. "Wir befinden uns inmitten eines Paradigmenwechsels in der Versorgung älterer Menschen", wird Dr. Georg Pinter, Chefarzt am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) zitiert.

Allein in seiner Klinik im österreichischen Klagenfurt, seien mehr als 30 Prozent der rund 9000 Notfallpatienten im Jahr älter als 80 Jahre, sagte er beim Jahreskongress der DGG und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Halle.

Die Auswertung seiner mehr als 50.000 Datensätze spricht für sich: Werden Patienten stationär aus der Notaufnahme aufgenommen, sind 53 Prozent älter als 66 Jahre, 13 Prozent sogar zwischen 86 und 95 Jahre alt. "Und dieser Gruppe müssen wir mit unseren Behandlungsmethoden und Strukturen in der Notfallversorgung gerecht werden. Dies erfordert Veränderungen!"

Mehr multimorbide Patienten

Generell rechnen die Experten in den kommenden 10 Jahren mit einer Zunahme der über 80-jährigen Menschen um etwa 25 Prozent. Studien aus Deutschland, den USA und Österreich weisen alle in die gleiche Richtung: Es finden sich mehr und mehr ältere, komplex kranke, immobile, sozial unterversorgte Patienten mit einem hohen Betreuungsbedarf in den Notaufnahmen.

Geschwächte Konstitution bei vielen älteren Menschen

Problematisch ist dies, weil ältere Menschen besonders gefährdet sind, nach der Entlassung aus der Notaufnahme erneut zu erkranken. Bis zu 27 Prozent der älteren aus der Notaufnahme entlassenen Patienten, kämen binnen drei Monaten wieder in die Notaufnahme, werden stationär aufgenommen oder sterben, so Pinter.

Grund sei ihre allgemein geschwächte Konstitution. Die Ersteinlieferung ins Krankenhaus sei oft nur der Auftakt zu Folgeerkrankungen. Noch kritischer sei die Situation bei Pflegeheimpatienten: Aufgrund unzureichender Vor-Ort-Versorgung müssen sie oft von A nach B transportiert werden.

Eine Belastung, die jene meist ohnehin körperlich, seelisch und geistig beeinträchtigen Menschen zusätzlich anstrenge.Er plädiert für eine verstärkte Zusammenarbeit von Kliniken mit Niedergelassenen, stationärer und ambulanter Pflege sowie einem rascheren Informationsfluss zwischen den Verantwortlichen. Dabei setzt er auch auf fachübergreifende Therapien.

"Wir behandeln im Team, um den Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfassen, sei es körperlich, psychologisch, sozial oder spirituell", sagte er. "Der holistische Zugang zur Medizin ist mir wichtig. Man muss den Menschen als Ganzes erfassen, um ihm helfen zu können."

Ärzte müssten zudem hinterfragen, ob sie manchmal nicht lieber weniger Apparatemedizin nutzen, als persönliche Fürsorge am Lebensende walten zu lassen - die Betreuung am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in der richtigen Qualität und Quantität ist eine wichtige Forderung Pinters.

Dies geht einher mit geforderten strukturellen Veränderungen in der Notaufnahme: "Es gilt die Kommunikation, den Komfort und die Orientierung der Patienten zu verbessern und das Sturzrisiko zu mindern", so der Chefarzt. (eb)

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