Ärzte Zeitung, 20.08.2015

Unterversorgung in Berlin

Auch in der Hauptstadt fehlen Hausärzte

Nicht nur in ländlichen Regionen droht zunehmend ein Ärztemangel: Auch in der Hauptstadt Berlin fehlt es in vielen Bezirken an Hausärzten. Die KV schlägt Alarm.

Von Julia Frisch

Auch in der Hauptstadt fehlen Hausärzte

Ein Bild, das sich nicht nur auf dem Land findet: Auch in einigen Bezirken der Hauptstadt gibt es zu wenig niedergelassene Mediziner.

© Arto / fotolia.com

BERLIN. Ärztemangel gibt es nicht nur auf dem Land. Auch in manchen Berliner Bezirken müssen Patienten lange Wartezeiten auf sich nehmen, weil es einfach zu wenig niedergelassene Mediziner gibt.

Die KV hat die Gebiete zwischen Havel und Müggelsee benannt, die "wegen einer zu geringen Arztdichte einen besonderen Versorgungsbedarf aufweisen".

Diese Liste wurde von der KV an den Zulassungsausschuss gesandt. Hintergrund ist, dass nach dem am 23. Juli in Kraft getretenen Versorgungsstärkungsgesetz eine Praxis nicht aufgekauft, sondern nachbesetzt werden muss, wenn sich der Nachfolger bereit erklärt, die Praxis in ein Gebiet zu verlegen, in dem nach Mitteilung der KV ein besonderer Versorgungsbedarf besteht.

Orientierung an "Letter of Intent"

Dafür orientiert sich die KV an dem sogenannten "Letter of Intent" des Gemeinsamen Landesgremiums, in dem mit Hilfe eines Sozialindexes und teilweise (etwa bei Hausärzten) zusätzlich unter Berücksichtigung eines Demografiefaktors die Versorgungsgrade für die jeweiligen Stadtbezirke ermittelt werden.

Liegt nun für eine Arztgruppe dieser "regionalisierte Versorgungsgrad" unter dem durchschnittlichen Versorgungsgrad für ganz Berlin, hat der Bezirk nach Ansicht der KV einen erhöhten Versorgungsbedarf.

Für die Arztgruppe der Hausärzte bedeutet das zum Beispiel, dass immerhin in sechs von zwölf Verwaltungsbezirken noch Bedarf an Ärzten besteht. Der Versorgungsgrad für den gesamten Planungsbereich Berlin liegt nach dem "Letter of Intent (Stand 1. Januar 2014) bei 119,3 Prozent.

Darunter liegen Spandau, Neukölln, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Reinickendorf. Einsam an der Spitze mit einem Versorgungsgrad von 170 Prozent thront dagegen der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Kinderärzte: Auch hier besteht nach Darlegung der KV in sieben Bezirken ein erhöhter Versorgungsbedarf, ebenso bei den Internisten, Hautärzten oder Orthopäden. Bei den Psychotherapeuten liegen sogar neun Bezirke unter dem durchschnittlichen Versorgungsgrad von 194,8 Prozent.

Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain sind damit trotz einer offiziellen Versorgungsdichte von 170 beziehungsweise 175 Prozent Gebiete mit besonderem Versorgungsbedarf. Die KV begründet dies mit den langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz.

Mit der Mitteilung an den Zulassungsausschuss habe sie "ein Zeichen gegen den Aufkauf von Arztpraxen in der Bundeshauptstadt gesetzt", teilte die KV mit. Mit der jetzigen Regelung "können und werden langfristig Praxen aus hochversorgten Bereichen in weniger gut versorgte Bereiche verlegt".

Außenbezirke besonders betroffen

Dies sei ein weiterer Hebel zur Verbesserung der Versorgung in Berlin. Denn wenn alle Bezirke ähnliche Versorgungsgrade aufweisen, dürften keine Versorgungslücken mehr bestehen und damit die Wartezeiten entfallen.

Ohne diese Maßnahme drohe mittelfristig eine deutliche Verschlechterung der Versorgungssituation in Berlin. Vor allem Vertragsarztpraxen in den Außenbezirken seien von der Aufkaufpflicht bedroht, da dort in den nächsten Jahren wegen des hohen Durchschnittsalters der Ärzte einige Praxen zur Nachbesetzung anstehen.

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