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Innovationen

Sind Hausärzte nur zu skeptisch?

Handlungsbedarf ist da, ausreichend Projekte auch - nur die Ärzte sperren sich gegen innovative Versorgungsformen. Diese Kritik wurde nun in Frankfurt laut.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
Neue Ideen und deren schnelle Umsetzung werden für die hausärztliche Versorgung dringend gesucht.

Neue Ideen und deren schnelle Umsetzung werden für die hausärztliche Versorgung dringend gesucht.

© Nivens/Fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Um die allgemeinärztliche Versorgung in Deutschland auf Dauer sichern zu können, müssen weit mehr innovative Versorgungsformen erprobt und in die Regelversorgung überführt werden als dies zur Zeit der Fall ist. Das ist eine der zentralen Botschaften des 50. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in Frankfurt.

Allgemeinärzte seien aber nicht immer bereit, diesen Weg mitzugehen, stellte Professor Markus Herrmann, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin der Uni Magdeburg, beim Workshop "Regionales Gesundheitszentrum auf dem Lande" fest.

So werde derzeit in der nördlich von Magdeburg gelegenen 12.000-Einwohner-Stadt Wolmirstedt auf Initiative der Uni und der Kommune mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung versucht, ein neues "Patientenorientiertes Zentrum zu Primär- und Langzeitversorgung" (PORT) zu errichten.

Wenig Engagement der Hausärzte

Von den in der Region ansässigen acht Fachärzten für Allgemeinmedizin beteilige sich an diesem Prozess aber nur ein einziger in aktiver Weise. Dabei bestehe dringender Handlungsbedarf, da das Durchschnittsalter der Hausärzte bei 65,6 Jahren liege, das nächste Krankenhaus 25 Kilometer entfernt sei und die Zahl chronisch kranker und alter Patienten deutlich zunehme.

Zudem ist es nach Ansicht Herrmanns mit einem solchen Zentrum eher möglich, junge Ärzte mit Angeboten für Teilzeitstellen und der Aussicht auf ein umfassendes Versorgungsangebot, das die Pflege und die psychosoziale Versorgung mit einschließe, nach Wolmirstedt zu locken.

Sehr konkrete Erfahrungen liegen bereits bei der Delegation ärztlicher Tätigkeiten auf nicht ärztliche Praxisassistenten (NäPa) und Versorgungsassistentinnen in der Arztpraxis (VERAH) vor. So habe sich der Einsatz der NäPa in Schleswig-Holstein, der seit 2014 als Folge des Hausarztmangels erprobt wird, bewährt, berichtete Gerrit Kopp vom Institut für Allgemeinmedizin am Campus Lübeck bei der DEGAM-Session "Interprofessionelle Zusammenarbeit in der Hausarztpraxis."

Gestärkte Patientenbindung

Die Vorteile der Delegation seien vielfältig: Hausärzte würden entlastet, die Kommunikation zwischen Arzt und NäPa verbessere sich, die Zugänge zu den Patienten gerade bei Hausbesuchen gestalteten sich einfacher und die Patientenbindung an die Praxis werde gestärkt.

Erfahrungen mit dem Einsatz der VERAH in Praxen der hausarztzentrierten Versorgung aus den Jahren 2013 bis 2016 zeigten zudem, dass die VERAH den Arzt nicht nur bei "banalen Dingen" entlaste. Sie unterstütze auch beim Erstellen von Medikationsplänen, mit der VERAH-Chroniker-Sprechstunde oder bei der telefonischen Überwachung des Krankheitsverlaufes, berichtete Karola Mergenthal vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt.

Aber auch hier seien die Potenziale längst nicht ausgeschöpft, zumal viele Allgemeinärzte auch die "Grauzonen" der Delegation fürchteten. Dennoch empfahl Mergenthal, künftig bei innovativen Versorgungsansätzen nichtärztliche Mitarbeiter von Beginn an fest mit verantwortlichen Aufgaben einzubeziehen und deren Leistungen auch adäquat zu vergüten.

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