Ärzte Zeitung, 06.10.2016

Forscher stellt klar

Patienten profitieren zu wenig von Innovationen

Versorgungsforscher kritisieren, dass Patienten zu selten von Innovationen und neuen Erkenntnissen profitieren.

BERLIN. "Wir müssen die Versorgung vom Patienten her denken und die Strukturen dementsprechend neu ausrichten". Das fordert Professor Edmund Neugebauer, Vorsitzender des deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung.

Zum Auftakt des 15. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung (DKVF) sprach er sich für ein "grundsätzliches Umdenken" aus: "Als Versorgungsforscher müssen wir jene Faktoren herausfinden, die das ganze System verändern können".

Für die Zukunft gelte es, die Barrieren zwischen den Sektoren deutlich abzubauen sowie klare Versorgungsziele zu definieren. Nur dann könnte sich das Gesundheitswesen zu einem "lernendes System" entwickeln.

DKVF-Präsidentin Dr. Monika Klinkhammer-Schalke verwies auf neuere Studien zur Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen, die Lücken in der Versorgung aufzeigten. So berichteten Betroffene beispielsweise von psychischen Beschwerden oder finanziellen Nöten.

"Im ambulanten Bereich muss ein Netz um die medizinische Versorgung herum entstehen, auf das der Arzt verweisen kann", erklärte sie. Darin seien nicht nur andere Professionen wie etwa Psychoonkologen einzubeziehen, sondern auch Hilfsstrukturen wie etwa eine Schuldnerberatung zu nutzen.

Zusammenspiel der verschiedenen Spieler nötig

Nach Ansicht von Dr. Antonius Helou vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) scheiterten innovative Vorhaben oft daran, dass sich die beteiligten Professionen und Organisationen nicht auf ein gemeinsames Verständnis der Problematik einigen können.

Das BMG sei häufig als Koordinator gefragt, der die entsprechenden Verständigungsprozesse "fair und neutral" moderieren könne. Aktuelle Themen seien derzeit, einen barrierefreien Zugang zur Versorgung zu sichern sowie die Arzt-Patienten-Kommunikation zu verbessern.

Auch Erkenntnisse aus den Rehabilitationswissenschaften haben, so Helou, die Versorgungsforschung vorangetrieben und wichtige Impulse eingebracht. (wer)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »