Ärzte Zeitung, 02.06.2012

Hausärzte sollen sich bei Laboraufträgen zügeln

Niedersachsens Hausärzte sollen ihre Laboranforderungen kritisch unter die Lupe nehmen und ausforsten. Hintergrund ist die geplante Budgetierung der Leistungen.

Von Christian Beneker

Hausärzte müssen beim Labor noch nachsitzen

Stein des Anstoßes ist eine Flut von Laboranforderungen der Hausärzte.

© deblik

HANNOVER. Schluss mit Schrotschuss: In Niedersachsen sollen überflüssige Laborleistungen gezielt vermieden werden.

Dazu haben sich die Spitzen unter anderem des Haus- und Laborarztverbandes im Land auf eine gemeinsame Strategie geeinigt.

Auf Fortbildungen, in Artikeln im Niedersächsischen Ärzteblatt und auf Info-Veranstaltungen soll auf das Problem zu breit gestreuter Laborveranlassungen hingewiesen werden.

"Wir wollen, dass der Anteil der medizinisch indizierten Laborleistungen steigt", sagt der Oldenburger Laborarzt und Bundesvorsitzende des Berufsverbandes der Laborärzte, Dr. Michael Müller, zur "Ärzte Zeitung".

Mit anderen Worten: Vor allem die Hausärzte in Niedersachsen sollen ihre Laboranforderungen kritisch sichten und überflüssige Laboranforderungen erkennen und ausforsten.

Budgetierung auf Druck des Gesetzgebers

In der Vergangenheit haben Laborärzte den Hausärzten vorgeworfen, sie veranlassten zu wenige Leistungen. Umgekehrt argwöhnten die Hausärzte, die Kollegen im Labor würden die Leistungen ausweiten.

Hintergrund des Hick-Hacks ist der Umstand, dass die Laborleistungen aus dem Vorwegabzug bezahlt werden. Die Niedersächsische Initiative entstand unter dem Druck des Gesetzgebers, der die Laborleistungen budgetieren will.

Die kommende Quotierung zwingt nun auch Laborärzte dazu, über Leistungsmengen nachzudenken. Zwar wurde die beabsichtigte Quotierung verschoben, aber das Mengen-Problem bei den Laborärzten ist in der Welt. Betroffen sind nicht nur Hausärzte, sondern beispielsweise auch Allergologen oder Gynäkologen.

Dr. Heinz Jarmatz, Vorsitzender des Niedersächsischen Hausärzteverbandes, begrüßt die Initiative. "Zum Beispiel wird bei frischer Hepatitis oft 'Antikörper‘ angekreuzt", erklärt Jarmatz. "Dabei gibt es bei frischer Hepatitis niemals Antikörper", verdeutlicht er.

Auch bei frischem Zeckenstich habe es "keinen Sinn, das Spätlabor zu veranlassen."

Dunkelziffer nicht abzuschätzen

Bei der Überprüfung einer Diagnose bräuchten auch nicht alle Parameter erneut angekreuzt werden, wenn beim ersten Labor nur zwei auffällig waren.

Zu breit gefächerte Laborveranlassungen seien vor allem der Tagesroutine in den Hausarztpraxen geschuldet, betont Jarmatz. Besonders neu niedergelassene Kollegen seien aus der Klinik große Labore gewöhnt und müssten sich erst noch an die Praxis-Bedingungen gewöhnen.

Wie oft Laborleistungen unnötig erbracht werden, sei indessen unklar, wie Müller sagt. "Die Dunkelziffer von Laborleistungen aufgrund nicht untermauerter Diagnosen ist nicht abzuschätzen."

Müller zeigt sich von dem Konzept überzeugt. "Es wird einen viel größeren Austausch und mehr Fortbildungen geben". Wie eventuelle Einsparungen überprüft werden können, sei aber noch offen. Müller: "Wir arbeiten an einer Lösung."

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[04.06.2012, 13:12:08]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Beliebtes Hausarzt-Labor-"Bashing"?
Medizinisch n i c h t indizierter Laboruntersuchungsumfang? Da möchten sich doch bitte die Damen und Herren Fach-, Spezial- und Klinikärzte erst an die eigenen Nasen fassen. "Laborlatten" kenne ich zur Genüge von Fachinternisten, Allergologen, Endokrinologen, Rheumatologen, Onkologen, aber nur von wenigen Allgemeinärzten. Renommierte Klinikabteilungen sparen sich ihr teures Hauslabor, indem der nachsorgende Hausarzt per Arztbrief gebeten wird, das differentialdiagnostisch eigentlich entscheidende Speziallabor in seine Budgetverantwortung zu übernehmen, damit "blutige" Entlassungen überhaupt erst möglich werden. Wir hausärztlichen Kollegen sind allzu oft Ausputzer und Ersatz für unzureichende Untersuchungsspreizung und -tiefe im O I, II und III Labor durch die Fachkollegen.

"Dass der Anteil der m e d i z i n i s c h indizierten Laborleistungen" steigen soll, ist ebenso banal wie selbstverständlich. Der eigentliche "Schrotschuss" ist aber z. B. die Idee von einer "frischen Hepatitis", bei der offenbar n i c h t nach vorbestehender und/oder begleitender Hepatitis A/B/C bzw. Risikofaktoren gefahndet werden soll.

Oder meinen niedersächsische Haus- und Laborarztvertreter etwa die "üppige" Laborausstattung der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung (GESU) mit EBM-Ziffer 01732 und lächerlichen 2 Serumparametern Glucose/Gesamtcholesterin? Vom 35. LJ bis zum Greisenalter wären Kreatinin (Clearance), GGT, TSH und alle 2 Jahre ein Blutbild für die Detektion von Herz- und Kreislaufrisiken zusätzlich zur Krebsvorsorge weitaus zielführender.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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