Ärzte Zeitung, 19.12.2012

Mehr Geld für Ärzte

Honorar-Einigung in Berlin

Berlin ist bundesweit Vorreiter: Die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen haben ihre Honorarverhandlungen für 2013 erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Ergebnis sind beide Seiten zufrieden.

Von Angela Misslbeck

Honorar-Einigung in Berlin

Einen Honorarplus von etwa 3,5 Prozent erwarten niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin für das kommende Jahr.

© Kautz15 / fotolia.com

BERLIN. Rund 33,5 Millionen Euro mehr soll es für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Berlin im kommenden Jahr geben - ein Honorarplus von etwa 3,5 Prozent.

Das teilten Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung in Berlin gemeinsam mit, nachdem sie als erste Region bundesweit die Honorarverhandlungen abgeschlossen haben.

Mit dem Ergebnis zeigten sich die Partner zufrieden. Die Verhandlungen hätten in nur zwei Terminen mit guter Vorbereitung beider Seiten effizient zum Ziel geführt, "einen für beide Seiten vernünftigen und ausgewogenen Kompromiss zu finden", so die Verhandlungsführerin der Berliner Krankenkassenverbände Gabriela Leyh, vdek-Chefin für Berlin und Brandenburg.

Auch der für Honorarangelegenheiten zuständige Berliner KV-Vize Dr. Uwe Kraffel, begrüßte die Einigung.

"Der Erfolg der Verhandlung ist auch ein Erfolg der ärztlichen Selbstverwaltung. Wir haben mit dem Vertrag eine Stabilität der ambulanten Versorgung der gesetzlich versicherten Patienten in Berlin sicherstellen können", so Kraffel.

Die Eckpunkte des Vertrags sehen gemäß den Bundesvorgaben eine Erhöhung des Orientierungspunktwertes auf 3,5363 Cent, die Herausnahme der Psychotherapie aus dem Fachärztetopf und die Stärkung der hausärztlichen und fachärztlichen Grundversorgung vor.

Drei Förderbereiche festgelegt

Die extrabudgetären Wegegebühren für Hausbesuche steigen entsprechend der Grundlohnsumme um 2,03 Prozent - nicht wie gemeldet um 2,3 Prozent. Zudem stellen die Krankenkassen sechs Millionen Euro mehr für besonders förderungswürdige Leistungen bereit.

Nur rund ein Viertel davon ist zweckgebunden. "Wir ermöglichen damit der KV nach eigenen Kriterien zielgerichtet zu fördern", so die vdek-Regionalchefin Leyh.

Festgelegt wurden aber drei Förderbereiche. Unter anderem sind für zahnärztliche Narkosen bei behinderten Kindern und Erwachsenen 35 000 Euro vorgesehen. Damit versuchen die Verhandlungspartner einem offensichtlichen Bedarf Rechnung zu tragen.

Weil die Leistungen der Anästhesisten in der zahnärztlichen Gebührenordnung und die zahnärztlichen Behandlungen in der ärztlichen Gesamtvergütung nicht berücksichtigt werden, wurden zuletzt bereits Versorgungsdefizite und Qualitätsverluste beklagt.

So berichtete das Magazin spiegel-online erst kürzlich von Todesfällen bei solchen Eingriffen infolge fehlender anästhesistischer Überwachung.

"Ein Tropfen auf den heißen Stein"

Die Anästhesistin und Betreiberin eines ambulanten OP-Zentrums in Berlin-Spandau Dr. Christel Stöckel-Heilenz hatte sich in dieser Sache bereits an die KBV gewandt, war aber auf die Regionalpartner zurück verwiesen worden.

"Die nun für Berlin beschlossene Förderung ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte sie der "Ärzte Zeitung".

Die Summe erscheint ihr "bei weitem nicht ausreichend". Allein in ihrem Op-Zentrum würden pro Quartal 50 000 Euro für solche Leistungen nicht bezahlt.

"Dabei geht es wirklich um schwierige und zeitaufwändige Narkosen für die Hilfebedürftigsten in unserer Gesellschaft", so Stöckel-Heilenz.

Um die Qualität und die Versorgung aufrechtzuerhalten, sei eine ausreichende Finanzierung nötig, und das nicht nur in Berlin, sondern bundesweit, fordert Stöckel-Heilenz.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »