Ärzte Zeitung online, 02.08.2013

Ausschluss von der Grundpauschale

Fachinternisten zweifeln an ZiPP-Daten

Sind die Daten aus dem Zi-Praxispanel daran schuld, dass die fachärztlichen Schwerpunkt-Internisten von der neuen Facharzt-Pauschale im EBM ausgeschlossen sind? Zwei Berufsverbände sagen ja. Sie zweifeln die Validität der Daten aus dem Praxispanel an.

Von Rebekka Höhl

Fachinternisten zweifeln an ZiPP-Daten

Ärztin bei der Abrechnung. Wurden die Fachinternisten aufgrund falscher Daten von der Grundpauschale ausgeschlossen?

© Gina Sanders / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Fachinternisten - oder vielmehr zwei ihrer Berufsverbände - schießen derzeit mit schwerem Geschütz gegen das Praxispanel des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI), auch ZiPP genannt.

Der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und der Berufsverband der niedergelassenen Facharztinternisten (BNFI) zweifeln die Validität der erst kürzlich veröffentlichten Daten aus dem ZiPP-Jahresbericht 2011 an.

Und sehen in der ihrer Ansicht nach "mangelhaften Datenbasis" den Grund für den Ausschluss der Schwerpunkt-Internisten von der neuen EBM-Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung.

Pauschale steht Fachärzten ab Oktober zur Abrechnung bereit

Diese wird ab Oktober in die Facharztkapitel des EBM aufgenommen und soll den Fachärzten einen Sockelbetrag pro Behandlungsfall für die Grundversorgung der Patienten bereitstellen - ganz ähnlich der neuen Zusatzpauschale im Hausarzt-EBM.

Nur, die Schwerpunkt-Internisten wurden von der Abrechnung eben ausgeschlossen. Schuld daran sollen laut der beiden Verbände die ZiPP-Daten sein.

Auf Basis der ZiPP-Daten würden Ärzte und Kassen ihre Honorar-Verhandlungen führen, erklären die beiden Verbände. Und dies sei bei der Facharzt-Pauschale auch geschehen: Wie die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, seien die Daten "Grundlage des kürzlich beschlossenen Ausschlusses" der Schwerpunkt-Internisten aus der Pauschale gewesen.

Kritisch hierbei zu bewerten sei vor allem die fehlende Sachgrundlage, was unter fachärztlicher internistischer Grundversorgung zu verstehen ist. Denn für die Verbände steht fest: Der Ausschluss von der Pauschale gefährde die ambulante Patientenversorgung in den verschiedenen Bundesländern.

Vorwurf: Erhebliche Umsatzabweichungen je KV würden einfach hingenommen

Der Vorwurf ans Zi lautet dabei: "Der kürzlich veröffentlichte ZiPP-Jahresbericht 2011 weist erhebliche Unschärfe bei der Datenerfassung und vor allem auch bei deren Auswertung auf", so der Bundesvorsitzende des BNK Dr. Norbert Smetak.

"Eine erhebliche Abweichung beim Umsatz der Praxen je nach Kassenärztlicher Vereinigung von fast 10 Prozent sowie regional sehr unterschiedliche Kosten werden einfach hingenommen", ergänzt Dr. Peter Schmied, Vorstandsvorsitzender des BNFI.

"Erläuterungen zu sehr hohen Fallzahlen fehlen, und die statistische Genauigkeit bezüglich der Standardabweichung im Bericht wird vom Zi selbst in Frage gestellt."

Zi: Praxispanel ist transparenter als jede andere Statitisk

Dem Zi sind die Vorwürfe nicht neu, dennoch sieht man in dem Institut kein falsches Vorgehen. "Das Praxispanel ist transparenter als alle anderen Statistiken, die wir derzeit haben", sagt Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried zur "Ärzte Zeitung".

Das Zi würde viel mehr Informationen zu den Praxisdaten ausweisen als etwa das Statistische Bundesamt in seiner Arzt-Einkommensstatistik. Dass sich das Panel in den Einzelwerten teilweise aus Mittelwerten aus Praxen unterschiedlichster Größe speise, habe nichts mit fehlender Transparenz oder Datenvalidität zu tun.

Ausschlaggebend ist, wie Stillfried erklärt, welche Praxen sich am Panel beteiligen. Wenn das eher die umsatzstarken Praxen innerhalb einer Fachgruppe sind, ergeben sich automatisch Abweichungen zu den KV-Statistiken.

ZiPP hängt zeitlich hinterher

Stillfried: "Das ZiPP hängt zeitlich auch hinterher. Wir haben nicht die gleichen Jahre wie die KBV-Statistik."

Die gerade veröffentlichten Daten im Jahresbericht 2011 stammen aus dem Jahr 2009, auch das ist zu berücksichtigen. Doch auch hier kann selbst das Statistische Bundesamt keine neueren Daten vorlegen.

Das Zi würde die Daten aber immer mit den Umsatzstatistiken der KBV gewichten. Dennoch räumt Stillfried ein, dass man über die Repräsentativität des Panels durchaus diskutieren könne.

Das Zi-Praxispanel schaffe es aber zumindest, die Betriebskosten der Praxen einmal konkret darzustellen. Und dem Panel komme eine nicht unwesentliche Rolle zu, erklärt Stillfried, weil es einige Behauptungen der Kassen zu den Arzteinkommen und der Kostensituation in den Praxen widerlegen könne.

Und das haben die Honorarverhandlungen zu 2013 immerhin gezeigt.

Das Institut wäre gesprächsbereit

Das Zi habe den Internisten auch bereits ein Gesprächsangebot gemacht. "Wir sind sehr daran interessiert, die Differenzen aufzulösen", sagt Stillfried.

Dennoch glaubt er, dass der Unmut der Internisten auf einer ganz anderen Ebene basiere. Die Internisten würden sich darüber ärgern, dass sie an der fachärztlichen Grundpauschale nicht so beteiligt werden, wie gedacht.

Die Forderung von BNK und BNFI steht aber erst einmal im Raum: Es müsse eine nochmalige und vor allem fundierte Prüfung der Daten stattfinden.

"Auf Basis dieser ungenauen Datengrundlage dürfen keine derart fundamentalen Entscheidungen gefällt werden, die auch große Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben", sagt BNK-Chef Smetak.

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