Ärzte Zeitung online, 12.12.2013

Warum die Unteschiede?

Landesbasisfallwerte machen Forscher ratlos

Die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hohen Basisfallwerte sorgen für ratlose Köpfe. Ein Gutachten kommt zu dem Fazit: Ökonomisch lassen sie sich nicht erklären.

Von Dirk Schnack

Landesbasisfallwerte machen Forscher ratlos

Eine Unterschriftenaktion gegen den Landesbasisfallwert in Schleswig-Holstein brachte mehr als 20.000 Unterschriften ein.

© Schnack

KIEL. Die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte in Deutschland sind sachlich kaum noch zu erklären.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die Ursachen für die unterschiedlichen Basisfallwerte in den Ländern im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums untersucht.

Im jetzt vorgelegten Projektbericht wird deutlich, dass die teilweise deutlichen Unterschiede größtenteils historisch bedingt ohne ökonomische Grundlage zustande gekommen sind.

Große Koalition gefordert

Besonders in Schleswig-Holstein, wo Kliniken wegen des bundesweit niedrigsten Basisfallwerts von derzeit 3012 Euro zum Teil in Existenznöten sind, sieht man sich damit bestätigt.

"Jetzt kommt es darauf an, dass die Große Koalition schnell und konkret eine weitere Konvergenz der unterschiedlichen Vergütungen beschließt", forderte die Krankenhausgesellschaft im Norden als Konsequenz aus der Untersuchung.

Darin wird deutlich, dass unterschiedliche Kosten die Differenz bei den Landesbasisfallwerten nur zu rund einem Fünftel erklären können. Einen weiteren leichten - aber negativen - Zusammenhang erkennt das Institut zwischen der Höhe der Investitionskosten und dem Basisfallwert.

Ob Besonderheiten bei den Verhandlungen auf Landesebene vor rund zehn Jahren bei Einführung der Basisfallwerte die Unterschiede erklären können, ist nach Meinung des RWI heute nicht mehr festzustellen.

Medizinische Qualität, Patientenzufriedenheit, Fallzahl, Case-Mix-Index und weitere Faktoren können laut RWI die unterschiedlichen Höhen nicht erklären.

Nur umfassende Reform sinnvoll

Das Institut gibt in seinem Bericht zu bedenken, dass eine Angleichung der Basisfallwerte grundsätzlich auch eine Konvergenz der Fördermittel nahelegen würde: "Dann könnten alle DRG-bezogenen Erlöse im Bereich Betrieb und Investitionen auf ein einheitliches Niveau gebracht werden", heißt es.

Die Investitionsmittel fallen derzeit wie berichtet sehr unterschiedlich aus - arme Länder wie Schleswig-Holstein fördern in geringerem Maße als etwa der Stadtstaat Hamburg.

Gleiche Fördermittel wären auch die Voraussetzung für eine im Projektbericht diskutierte Freigabe der Preise im derzeit stark regulierten System.

Damit könnten regionale Marktbesonderheiten berücksichtigt werden und sich durch Verhandlungen zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern ein "lokal adäquates Preisniveau einpendeln", heißt es. So könnten Preise stärker auf lokale Mengenänderungen reagieren und Qualitätsaspekte berücksichtigen.

Der Bundesbasisfallwert könnte dann als Orientierung für die lokalen Verhandlungen dienen. Durch unterschiedlich hohe Fördermittel würde es bei diesem System aber zu Verzerrungen kommen.

Die Autoren empfehlen deshalb, die Basisfallwerte nicht losgelöst von einer grundsätzlichen Finanzierungsreform und der Zuordnung von Verantwortlichkeiten zu betrachten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Schnelltests - meist ein Fall für die GOÄ

Schnell und medizinisch sinnvoll – aber von gesetzlichen Krankenkassen meist nicht bezahlt: Laborschnelltests liegen im Trend. Für Hausärzte sind sie oft auch eine Selbstzahler-Option. mehr »