Ärzte Zeitung online, 04.03.2014

Arzteinkommen 2010

Real gibt's für Ärzte ein Minus

2010 war ertragsmäßig für Praxisinhaber nicht das beste Jahr. Jeder zweite Arzt verdiente netto nicht einmal 27 Euro die Stunde. Das zeigen die aktuellen Daten aus dem Zi-Praxispanel.

Von Rebekka Höhl

Real gibt's für Ärzte ein Minus

Nach Abzug von Steuern und Abgaben verdienten 50 Prozent der Niedergelassenen in 2010 weniger als 27 Euro pro Stunde.

© George Doyle / Getty Images

BERLIN. Eine Watsche für die Honorarreform? Ganz so negativ fällt das Urteil des Vorstands des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zum aktuellen Jahresbericht des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) nicht aus.

Doch die Daten zeigten, dass die Vertragsärzte 2010, im Jahr nach der Honorarreform, schon wieder Ertragseinbußen hinnehmen mussten.

"Die Honorarreform konnte 2009 nicht vollends umgesetzt werden. Sie muss daher konsequent fortgeführt werden", erläutert Dr. Andreas Köhler, der Ende Februar, als der Jahresbericht zum ZiPP veröffentlicht worden ist, noch Vorsitzender des Zi war, in einer Pressemitteilung.

2009er Plus setzte sich 2010 nicht fort

In der Tat hat sich das Plus bei den Gesamteinnahmen und auch beim Jahresüberschuss der Praxen, das 2009 erzielt wurde, im Jahr 2010 nicht fortgesetzt. Der ZiPP-Jahresbericht, der die Praxisdaten von 2008 bis 2010 umfasst, weist für 2009 noch einen Zuwachs von im Schnitt 4,8 Prozent bei den Praxiseinnahmen aus.

Demnach erwirtschaftete ein Praxisinhaber im Schnitt 260.600 Euro an Einnahmen. Der Überschuss legte von 2008 bis 2009 nominal sogar um 8,1 Prozent auf im Schnitt 137.000 Euro je Praxisinhaber zu.

Real - also nach Berücksichtigung der Inflation - konnten die Ärzte immer noch einen Zuwachs von 7,8 Prozent beim Jahresüberschuss verzeichnen.

Im Jahr 2010 sah die Situation ganz anders aus: Die Gesamteinnahmen je Praxisinhaber stiegen im Schnitt gerade einmal um zwei Prozent auf 265.700 Euro an, der Jahresüberschuss sogar nur um durchschnittlich 0,7 Prozent auf 138.000 Euro.

Nach Berücksichtigung der Inflation mussten die Ärzte sogar einen realen Ertragsrückgang von 0,4 Prozent hinnehmen.

Weniger als 27 Euro die Stunde?

Die Daten der über 6200 Ärzte (aus 4964 Praxen) belegen aber auch, dass die Ertragslage bei den Niedergelassenen sehr unterschiedlich ausfällt.

Die Hälfte der Ärzte erzielte 2010 laut dem Bericht einen Jahresüberschuss von weniger als 122.300 Euro, ein Viertel der Niedergelassenen sogar weniger als 80.800 Euro. Ein Viertel lag dagegen bei einem Jahresüberschuss von mehr als 174.900 Euro.

"Nach Abzug von Steuern und Abgaben verdienen 50 Prozent der Niedergelassenen weniger als 27 Euro pro Stunde", sagt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi.

Das Zi hat hierfür in seinem Bericht eine Beispielrechnung aufgemacht, wobei eine wöchentliche Arbeitszeit von 49 Stunden zugrunde gelegt wurde.

Von dem durchschnittlichen Jahresüberschuss von 138.000 Euro bleiben nach Abzug der ärztlichen Altersvorsorge (die bei einem voll zahlenden Mitglied laut Bericht 2010 bei 18.283 Euro lag), nach Abzug von 7425 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung und nach Abzug der Einkommensteuer von 43.584 Euro noch 68.708 Euro verfügbares Nettoeinkommen übrig. Das macht ein Monatseinkommen von 5726 Euro und einen Nettostundensatz von 30 Euro.

Ärzte arbeiten durchschnittlich 50 Stunden pro Woche

Doch diesen Durchschnittswert erreichen eben viele Praxen nicht. Weshalb das Zi auch die Werte für den Median, also den Mittelwert der gesamten Zahlenwerte aus den Praxen ausweist.

Hier würde der Jahresüberschuss nur bei 122.300 Euro liegen, wodurch sich ein Nettomonatseinkommen von 4997 Euro und eben ein Nettostundensatz von 27 Euro ergibt. Und selbst diesen erreicht die Hälfte der Praxen nicht.

Dabei liegt die tatsächliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Ärzte, die im ZiPP ermittelt wurde, bei 50 Stunden. Die Hausärzte kommen auf eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden.

Die höchsten Arbeitszeiten werden in den spezialisierten internistischen Fachgruppen erzielt: So arbeiten Rheumatologen im Schnitt 54 Stunden, Gastroenterologen 55 Stunden und Kardiologen 56 Stunden pro Woche.

Erfreulich ist, dass rund zwei Drittel (35 Stunden pro Woche) der Arbeitszeit auf den direkten Patientenkontakt entfallen. Auf ganz ähnliche Werte kam bereits der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes: Dort wurden für Niedergelassene für das Jahr 2009 ebenfalls 50 Wochenstunden ausgewiesen.

Personalkosten deutlich gestiegen

Noch etwas drückt zunehmend den Überschuss nach unten: Die Betriebskosten (Gesamtaufwendungen je Praxisinhaber) sind zwischen 2008 und 2010 um 4,7 Prozent gestiegen.

Der Kostenanstieg in den teilnehmenden Praxen übersteige deutlich die Entwicklung der Inflationsrate, die im gleichen Zeitraum im Bundesdurchschnitt 1,4 Prozent betrug, heißt es im ZiPP-Jahresbericht.

Vor allem die Aufwendungen für Personal legten mit 9,4 Prozent deutlich zu, gefolgt von den Aufwendungen für Versicherungen, Beiträge und Gebühren mit einem Zuwachs von 8,6 Prozent sowie den Aufwendungen für Miete und Nebenkosten mit einem Zuwachs von 6,0 Prozent.

Die Aufwendungen für Material und Labor (-4,5 Prozent), Abschreibungen (-2,4 Prozent), Leasing und Mieten für Geräte (-5,7 Prozent) sowie für Fremdkapitalzinsen (-18,3 Prozent) haben sich nach den Daten des Panels hingegen rückläufig entwickelt.

Auch wenn es 2010 für die Praxen bei den Einnahmen nur ein geringes Plus gab: Von 2008 bis 2010 sind die Gesamteinnahmen im Schnitt um 17.100 Euro oder 6,9 Prozent je Praxisinhaber gestiegen. Getragen werde dieser Anstieg vor allem durch die Einnahmen aus kassenärztlicher Tätigkeit, heißt es.

Hier beträgt die Zuwachsrate nach den ZiPP-Daten 8,1 Prozent, der Anstieg bei den Privateinnahmen liegt im selben Zeitraum bei 4,6 Prozent.

Im langjährigen Trend haben sich die Privateinnahmen allerdings sehr viel dynamischer entwickelt als die Einnahmen aus der GKV. Der Privatanteil liegt daher bei manchen Facharztgruppen mittlerweile im Durchschnitt bei mehr als einem Drittel oder sogar nahezu bei 50 Prozent.

Praxen investieren wieder

Positiv zu werten ist, dass die niedergelassenen Ärzte nach der Verbesserung der Ertragslage im Jahr 2009 im Folgejahr 2010 ihre Investitionstätigkeit wieder verstärkt haben: Während für die Jahre 2006 bis 2008 noch ein Rückgang der Investitionstätigkeit verzeichnet wurde, weist die Befragung für das Jahr 2010 erstmals einen Anstieg der Abschreibungen in Höhe von 2,2 Prozent aus.

Die Investitionsvolumina sind in den einzelnen Fachbereichen jedoch sehr heterogen verteilt. Im Schnitt investierten Niedergelassene 2010 rund 13.700 Euro und 2011 rund 10.600 Euro in ihre Praxen, im hausärztlichen Bereich waren es 2010 immerhin auch im Schnitt 10.900 Euro. Der Median - also der Mittelwert aller Investitionswerte - lag hingegen für 2010 und 2011 bei nur 2700 Euro.

Das heißt, knapp 50 Prozent der ZiPP-Praxen wendeten im Jahr 2010 und 2011 weniger als 2700 Euro für Neuinvestitionen auf.

Dass die Werte für das Jahr 2009 im aktuellen Bericht übrigens andere Beträge ausweisen als noch im Jahresbericht 2011 - hier wurde für 2009 ein durchschnittlicher Jahresüberschuss je Praxisinhaber von 140.500 Euro ausgewiesen - liegt laut dem Zi daran, dass die Zusammensetzung der Stichprobe in den beiden Jahresberichten eine andere war.

Außerdem habe das Zi die Größenklassengewichtung verändert. Ein direkter Vergleich der Zahlenreihen aus den Jahresberichten 2011 und 2012 ist daher nicht möglich.

Die Ergebnisse des Praxispanels beruhen übrigens auf Angaben, die von den Steuerberatern der teilnehmenden Ärzte testiert sind.

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