Ärzte Zeitung, 02.04.2014

Abrechnung

Laborärzte lassen die Hosen runter

Viele ihrer Leistungen sind nicht mehr kostendeckend, beklagen die Laborärzte. Um weitere Honorar-Kürzungen zu verhindern, gehen sie in die Offensive - und entblößen ihre wahren Kosten und Erträge.

Laborärzte lassen die Hosen runter

Was kostet der Betrieb der Laborpraxen in Deutschland? Eine Erhebung soll für Klarheit sorgen.

© Alexander Raths/fotolia.com

DÜSSELDORF. Deutschlands Laborärzte wollen anhand echter Wirtschaftszahlen aus dem Jahr 2013 die wahre Kosten- und Ertragssituation der medizinischen Labore in Deutschland transparent machen.

Die Daten werden aus ausgewählten repräsentativen Laborpraxen bereitgestellt, heißt es vom Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL).

Anlass seien die derzeit von der Bundesärztekammer vorbereitete Überarbeitung der privatärztlichen Gebührenordnung Ärzte (GOÄ) sowie die bislang für 2015 angekündigte Anpassung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM).

Viele laborärztliche Leistungen nicht mehr kostendeckend

Während die GOÄ für Laborärzte einen Abrechnungsbetrag pro Untersuchung vorsieht, gibt es in der EBM-Systematik eine Trennung zwischen Honorar für ärztliche Leistung sowie der Erstattung der technischen Kosten.

Immer mehr laborärztliche Leistungen ließen sich nicht mehr kostendeckend erbringen, so Dr. Andreas Bobrowski, Vorsitzender des BDL. Es gelte zu verhindern, dass dem Labor zugunsten anderer Arztgruppen weitere Mittel entzogen werden.

"Wir wollen nun unseren Teil zur Versachlichung der Diskussion beitragen und valide Zahlen vorlegen, um damit Bewertungen in der neuen GOÄ und einem überarbeiteten EBM zu erreichen, die dem Versorgungsauftrag der Fachärzte für Laboratoriumsmedizin gerecht werden."

Ziel sei es, eine dem aktuellen Aufwand entsprechende Honorierung zu erreichen, um so die Nachhaltigkeit in beiden Gebührenordnungen zu stärken.

Nur im Auftrag der behandelnden Ärzte tätig

Die etwa 1000 Laborärzte in Deutschland bilden eine der kleinsten Facharztgruppen. Allerdings sind sie nach den Hausärzten die am häufigsten konsultierte Fachgruppe. Laborärzte werden ausschließlich im Auftrag der behandelnden Ärzte tätig.

Zwei Drittel aller ärztlichen Diagnosen beruhen laut Mitteilung auf Laboruntersuchungen oder werden durch sie untermauert.Diese hohe Inanspruchnahme der Labormedizin spiegele sich jedoch in den Ausgaben der Krankenkassen nicht wider.

Die gesetzlichen Kassen wendeten derzeit für Labormedizin nur 2,9 Prozent ihrer Gesamtausgaben auf. (ger)

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