Ärzte Zeitung online, 02.01.2015

Standardbrief wird teurer

Kostenpauschale hält nicht mit

Auf Standardbriefe gehört ab sofort eine 62-Cent-Briefmarke. Beim Versand von Arztbriefen bekommen Ärzte dennoch vorerst weiterhin nur 55 Cent. Doch es gibt Alternativen zum Postversand.

Kostenpauschale hält nicht mit

Wer einen Brief verschicken will, muss jetzt für die Briefmarke 62 Cent bezahlen.

© Peter Atkins / fotolia.com

BONN/NEU-ISENBURG. Werden da Briefeschreiber geschröpft, höhere Kosten auf die Postkunden abgewälzt oder ist es nur ein Ausgleich für die Mini-Inflation? So oder so - seit dem 1. Januar müssen alle Briefe bis 20 Gramm (Standardbrief) mit einer Marke von 62 Cent frankiert werden.

Nach dem Motto "alle Jahre wieder" erhöht der Branchenprimus Deutsche Post zum Jahreswechsel das Porto für den Standardbrief - zum dritten Mal in Folge: Erst von 55 Cent auf 58, dann auf 60 und nun auf 62 Cent. Damit ist der Preis innerhalb von drei Jahren um 12,7 Prozent gestiegen.

Die Deutsche Post begründet den Anstieg vor allem mit hohen Personalkosten und Investitionen in den Ausbau der Logistik. Den Vorwurf, Briefeschreibern ein überteuertes Porto abzuknöpfen, wie die Wettbewerber des gelben Riesen meinen, weist das Unternehmen zurück.

"Im europäischen Vergleich ist das Briefporto der Post immer noch günstig", betont ein Konzernsprecher. Nach Berechnungen des Unternehmens ist Deutschland innerhalb der EU sogar erst im hinteren Mittelfeld zu finden.

Als "unverhältnismäßig, unnötig und willkürlich" brandmarkt dagegen der Bundesverband Paket und Expressdienstleistungen (BIEK), Sprachrohr der Postkonkurrenten, den erneuten Preisaufschlag beim Standardbrief.

Durch die Anhebung könne die Deutsche Post das Paketgeschäft quersubventionieren und verzerre so den Wettbewerb zu Lasten der Paketdienste und der Verbraucher, heißt es bei dem Verband.

Kompaktbrief wird günstiger

Tatsächlich liegen bei den Konkurrenten der Post die Preise für die Briefzustellung zum Teil deutlich unter dem Porto des Marktführers. Der ist aber anderes als jene bei der Preisgestaltung nicht frei, sondern muss sich Portoanpassungen im Rahmen fester Vorgaben genehmigen lassen.

Ende November hatte die Bundesnetzagentur den Antrag der Post erwartungsgemäß abgesegnet. Was bei der jetzigen Preisrunde oft unter den Tisch fällt: Die Bonner haben nicht nur die Preise erhöht, sie werden sie zum Teil auch absenken: So für den schwereren Kompaktbrief bis 50 Gramm von 90 auf 85 Cent.

Viele Jahre hatte der gelbe Riese, der im Briefbereich nach Angaben der Bundesnetzagentur immer noch ein Marktanteil von 90 Prozent hält, das Porto für den Standardbrief nahezu unverändert gehalten.

Aufgefangen wurden in dieser Zeit höhere Kosten allein durch eine bessere Produktivität. So hat das Unternehmen erheblich rationalisiert. Bis 2012 flossen rund 400 Millionen Euro in moderne Sortieranlagen. Doch die Reserven sind nun offenbar nahezu ausgeschöpft.

Der eigentliche Grund für die Malaise im klassischen Briefgeschäft ist eine andere Entwicklung: Im Zeitalter von Internet, SMS, E-Mail, sozialen Netzwerken und Messengerdiensten wie WhatsApp & Co gehen der Post die Briefeschreiber aus. Das haben die Bonner inzwischen erkannt und sind unter anderem mit der E-Post und dem Messengerdienst SimsMe auf den Zug aufgesprungen.

Geschäftspost stark betroffen

Knapp 7,5 Milliarden klassische Briefe hat das Unternehmen 2013 befördert, zehn Jahre zuvor waren es noch 9,2 Milliarden. Was die Post noch an Briefen befördert ist zudem zu 85 bis 90 Prozent Geschäftspost. Und diese Kundschaft ist von den jetzigen Erhöhungen auch am stärksten betroffen.

"Wir verlieren jedes Jahr zwei bis drei Prozent Briefvolumen", erläutert ein Postsprecher. Auf Papier schreiben, Umschlag und Briefmarke suchen, zukleben und zum Briefkasten tragen - das ist vielen Privatkunden offensichtlich zunehmend lästig, vor allem der jüngeren Generation - und nicht nur den Privatkunden.

Ärzte beispielsweise nutzen zumindest für Arztbriefe nicht mehr nur die Post. Das liegt auch, aber nicht nur daran, dass die Kostenpauschale Nr. 40120 für den Standardbrief trotz dreier Portoerhöhungen weiterhin bei 55 Cent verharrt. Die Kostenpauschale kann aber auch angesetzt werden, wenn der Brief nicht per Post verschickt wird. Die Alternativen:

Mit Hilfe von Textbausteinen in der Praxis-EDV können Arztbriefe heute so schnell geschrieben werden, dass sie den Patienten teilweise gleich mitgegeben werden. Die Portokosten liegen dann bei null, der Patient ist Briefträger für den weiter behandelnden Kollegen oder die Kollegin.

Der Versand des Arztbriefes per Fax ist angesichts der meist bezahlten Flatrates in den Telefongebühren ebenfalls ohne Zusatzkosten zu haben. Allerdings wird Ärzten zunehmend bewusst, dass die Sicherheitsstandards und der Datenschutz beim Faxversand nicht dem aktuell erforderlichen Niveau entsprechen.

Auch E-Mails sind bei Zahlung einer Internet-Flatrate ohne Zusatzkosten versendbar. Allerdings sollten Patientendaten auf keinen Fall ohne Verschlüsselung übers Netz gehen. Der Arztbrief in geschlossenen Netzen mit Verschlüsselung, wie er für die Telematikinfrastruktur geplant ist, genügt den Sicherheitsanforderungen allerdings. Auch andere Dienste bieten eine sichere Verschlüsselung an.

Keine Klagen über Portoerhöhung

Kein Wunder, dass die meisten Kunden die anstehende Portoerhöhung klaglos schlucken. Die Verbraucherzentrale NRW registrierte bis kurz vor Jahresende keine Beschwerden im Briefbereich. Auch die Ärzteverbände haben bislang keine lauten Forderungen nach einer Erhöhung der Kostenpauschale gestellt.

Das dürfte auch daran liegen, dass Portokosten in den Portemonnaies der Haushalte kaum eine Rolle spielen: Die Ausgaben dafür lagen laut Statistischem Bundesamt zuletzt gerade einmal bei 4,17 Euro im Monat.

Und ein Postsprecher beteuert: Die Preiserhöhung mache sich am Ende nur mit 3 Cent beim Verbraucher bemerkbar. Bei Arztpraxen mag dieser Wert höher liegen - aber die Schmerzgrenze wird auch hier längst nicht erreicht. (ger/dpa)

[02.01.2015, 12:39:35]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ganz ehrlich: Das ist fast zum "Totlachen"!
Unsere "kabarettistische Bundesvereinigung" (KBV) ist alternativlos-verpeilt. Fehlende zeitliche, örtliche und personenbezogene Orientierung bzw. Zeitgitterstörung? Ein prägnantes Beispiel:

[Zitat Anfang] (GOP) 40120 Transport von Briefen bis 20 g oder Telefax
Beschreibung
Kostenpauschale für die Versendung bzw. den Transport von Briefen und/oder schriftlichen Unterlagen bis 20 g (z. B. im Postdienst Standardbrief) oder für die Übermittlung eines Telefax
Anmerkung
Kosten für die Versendung, den Transport bzw. die Übermittlung laboratoriumsdiagnostischer, histologischer, zytologischer, zytogenetischer oder molekulargenetischer Untersuchungsergebnisse können für die Fälle nicht berechnet werden, in denen die Kostenpauschale nach der Nr. 40100 abgerechnet worden ist.
Berichtspflicht
Nein
Ausschluss der Berechnungsfähigkeit der Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung
Nein
Bewertung
Gesamt (€) 0,55 [Zitat Ende].

So steht es im elektronischen EBM im HTML-Format seit 1.1.2015! Die erste (60 ct) und auch die zweite Post-Gebühren-Erhöhung (63 ct) ist an der KBV spurlos vorübergegangen und zu Lasten aller Vertragsärzte mit 55 ct u n t e r- finanziert.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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