Ärzte Zeitung, 10.02.2015

Schweiz

Eine Chance auch für deutsche Ärzte

Der Höhenflug des Schweizer Franken macht die Alpenrepublik noch interessanter für Arbeitskräfte. Speziell Ärzte werden gesucht.

Von Thomas Hammer

Eine Chance auch für deutsche Ärzte

Ärzte willkommen – die Schweiz hat Probleme, den Eigenbedarf an Medizinern selbst zu decken.

© niyazz /fotolia.com

NEU-ISENBURG. Seit der Aufhebung des Franken-Mindestkurses von 1,20 Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar dieses Jahres steht der Schweizer Franken hoch im Kurs.

Rund 20 Prozent hat die Währung des Nachbarlandes in der Zwischenzeit aufgewertet. Die Entwicklung erscheint attraktiv auch für deutsche Ärzte, die eine Auswanderung in die Schweiz in Erwägung ziehen - immerhin wäre dann das angebotene Gehalt in der Schweiz umgerechnet in Euro praktisch auf einen Schlag ein Fünftel mehr wert.

In vollem Umfang kommt die Franken-Aufwertung allerdings nur Grenzgängern zugute, die in der Schweiz arbeiten und in grenznahen Regionen in Südbaden leben.

Für diejenigen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, relativiert sich die Rechnung hingegen schnell. Denn: Wird das Geld auch in der Schweiz wieder ausgegeben, hat der Kurssturz des Euro gegenüber dem Franken keine Auswirkung.

Hohe Lebenshaltungskosten

Den hohen Gehältern in der Eidgenossenschaft stehen hohe Lebenshaltungskosten gegenüber - das beginnt bei den Lebensmittelpreisen und endet bei den Mietzahlungen, die im Vergleich zum deutschen Preisniveau um einiges höher liegen.

Immerhin finden sich mit Zürich und Genf gleich zwei Städte aus der Schweiz unter den fünf teuersten Städten der Welt. Was hingegen bleibt, sind die Vorteile durch den günstigen Wechselkurs beim Einkauf in Deutschland oder Urlaubsreisen in Euro-Länder.

Die schon zuvor bedeutende Position der Schweiz als Einwanderungsland für Ärztinnen und Ärzte hat sich durch den Höhenflug des Franken weiter gefestigt.

Laut der aktuellen Statistik des eidgenössischen Ärzteverbands FMH haben 17 Prozent der dort praktizierenden Ärzte ihr Studium in Deutschland absolviert - aus keinem anderen Land zieht es so viele Ärzte in die Schweiz.

Neben den Verdienstperspektiven spielen auch die zumindest in der deutschsprachigen Schweiz nicht vorhandenen Sprachbarrieren sowie die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen eine tragende Rolle bei der Entscheidung für eine Übersiedelung.

Aus ärztlicher Sicht bringt das Gesundheitssystem des Nachbarlandes mit seiner Kombination aus obligatorischer Grundversicherung und privaten Zusatzversicherungen einige Annehmlichkeiten mit sich.

So gibt es zwar auch in der Schweiz staatliche Regularien, doch eine Budgetierung inklusive der beim Überschreiten drohenden Regressforderungen sind dort nicht zu finden.

Wer als Arzt in der Schweiz arbeiten will, hat verschiedene Optionen. So ist vor allem in den ländlichen Regionen ein hoher Altersdurchschnitt bei den niedergelassenen Ärzten zu verzeichnen, sodass ein hoher Bedarf an Ärzten besteht, die im Zuge einer Nachfolgeregelung eine Praxis übernehmen.

Allerdings ist dabei für Ärzte aus Deutschland ein vergleichsweise hoher bürokratischer Aufwand verbunden. Weitaus unkomplizierter ist das Arbeiten im Angestelltenverhältnis als Arzt in einer Gemeinschaftspraxis oder in einem Krankenhaus.

Nicht direkt mit dem deutschen Bruttoverdienst vergleichbar ist das Gehalt in der Schweiz. Günstiger ist die Belastung mit der Einkommensteuer, da diese in der Schweiz niedriger ist als in Deutschland.

Eine Besonderheit bilden hier die regionalen Unterschiede in der Schweiz, da die dort die Höhe der als "Quellensteuer" bezeichneten Einkommensteuer von den einzelnen Kantonen festgesetzt wird.

Grundsicherung verpflichtend

Während in Deutschland die Beiträge für die Krankenversicherung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam bestritten werden, zahlt in der Schweiz allein der Arbeitnehmer. Die Grundversicherung ist verpflichtend für alle Personen, die sich längere Zeit in der Schweiz aufhalten.

Der Beitrag wird einkommensunabhängig festgesetzt. Wegen unterschiedlicher Tarifmodelle, Regionaltarifen und Altersklassen fallen die Beiträge unterschiedlich aus. So zahlt beispielsweise ein 40-jähriger Angestellter im Kanton Luzern je nach Versicherungsträger rund 300 bis 400 Franken für den Standardtarif.

Von der Grundversicherung abgedeckt wird die medizinische Basisversorgung, wobei zahnärztliche Behandlungen nur in Ausnahmefällen übernommen werden. Versicherte müssen Behandlungskosten bis zu einer Höhe von 300 Franken pro Jahr selbst tragen.

Höhere Grenzen können vereinbart werden und führen zu einem Beitragsnachlass. Für darüber hinausgehende Kosten gilt eine Selbstbeteiligung von üblicherweise zehn Prozent, maximal jedoch 700 Franken jährlich. Leistungen, die über die Grundversorgung hinausgehen, werden über private Zusatzversicherungen abgedeckt.

Auch bei der Altersvorsorge gibt es deutliche Unterschiede zwischen dem eidgenössischen und dem deutschen Modell.

Während in Deutschland der Hauptteil der Altersvorsorge über die gesetzliche Rentenversicherung oder bei Ärzten über die berufsständischen Versorgungswerke erfolgt, spielt beim Drei-Säulen-Modell der Schweiz die betriebliche Altersvorsorge eine wichtigere Rolle als in Deutschland.

Zuwanderung willkommen

Auf dem Arbeitsmarkt stehen die Chancen für Ärzte aus Deutschland weiterhin gut. Auch wenn die Zahl der Ärzte in der Schweiz deutlich angestiegen ist, herrscht vor allem in ländlichen Regionen weiterhin Ärztemangel.

So ist nach der Statistik des Ärzteverbands FMH beispielsweise in der Stadt Basel die Ärztedichte mit 9,2 Ärzten pro 1000 Einwohner recht hoch, während in den Kantonen Uri und Appenzell-Innerrhoden weniger als zwei Ärzte pro 1000 Einwohner zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich der eidgenössische Ärzteverband erleichtert, dass Ende November vergangenen Jahres in einer Volksabstimmung eine drastische Reduzierung der Zuwanderung mit großer Mehrheit abgelehnt worden ist:

"Auch wenn wir alles daran setzen, möglichst viel inländisches Personal zu rekrutieren, ist es für die Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Bevölkerung notwendig, künftig ebenfalls ausländische Gesundheitsfachkräfte rekrutieren zu können."

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Schweiz: Die Altersvorsorge ruht auf drei Säulen

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