Ärzte Zeitung, 27.02.2015

Westfalen-Lippe

Mehr Geld für Notdienst?

Die KV Westfalen-Lippe will finanziellen Verwerfungen infolge der neuen Abrechnungssystematik im Notfalldienst gegensteuern. Wie, das steht allerdings noch nicht fest.

DORTMUND. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will ein Konzept erarbeiten, das die Neubewertung von Notfalldienstleistungen im EBM flankieren soll. Ziel ist es, die mit den Änderungen verbundenen Härten für einzelne Notfalldienstpraxen abzumildern.

Das hat die Vertreterversammlung der KVWL mit großer Mehrheit beschlossen. Gleichzeitig hat sie dem Vorstand den Auftrag erteilt, mit den Krankenkassen neues Geld zur Finanzierung des Notdienstes zu verhandeln.

Der Beschluss des Bewertungsausschusses zu einer neuen Abrechnungssystematik im Notfalldienst gelte zwar rückwirkend zum 1. Januar 2008.

Die KVWL werde aber keine Rückberechnungen erstellen und die Honorarbescheide nicht korrigieren, sagte der 2. Vorsitzende Dr. Gerhard Nordmann.

Aber seit dem 1. Januar 2015 sei die KVWL an die neue Regelung gebunden. Nordmann verteidigte die Grundzüge der EBM-Änderung.

Die deutliche Abwertung der Leistungen im Sitzdienst und die starke Aufwertung der Besuche im Notfalldienst seien notwendig geworden, da die Kliniken das Recht erstritten hätten, dass ihre Leistungen im Notfalldienst genauso vergütet werden wie die der niedergelassenen Ärzte.

Keine steigenden Gesamtkosten

Ohne die EBM-Änderung hätten die Kliniken die bis Ende 2014 geltenden Pauschalen von fast 26 Euro erhalten müssen und damit ihre Ansprüche fast verdoppelt, sagte Nordmann. Das hätte allein die KVWL rund 3,5 Millionen Euro pro Quartal gekostet.

Mit den jetzt geltenden Pauschalen von 13 Euro vor 19 Uhr und 20 Euro nach 19 Uhr würden die Kliniken etwas besser dastehen, gleichzeitig würden die Gesamtkosten nicht steigen.

"Die eingesparten Mittel werden zur Aufstockung bei den Besuchen verwandt", betonte er. In Westfalen-Lippe entstehe aber durch die Differenzierung in Sitz- und Fahrdienst ein Problem.

"Zudem haben wir drei fachärztliche Notfalldienste, die ausschließlich praxisgebunden behandeln." Die Notfalldienste beginnen in der Region außerdem früher.

Die eingeteilten Kolleginnen und Kollegen müssten deshalb Honorarminderungen von mindestens 20 Prozent, teilweise von 50 Prozent hinnehmen.

Nordmann hat Verständnis, dass das bei den Betroffenen keine Freude auslöst.

"Eine Verpflichtung unseres Berufes"

"Aber ich möchte auch klar und deutlich sagen, dass der Notfalldienst nun einmal eine Verpflichtung unseres Berufes ist und nicht ausschließlich dafür gedacht ist, zusätzliche Umsätze zu realisieren."

Die VV müsse über die künftige Strategie entscheiden. Der KVWL-Vize skizzierte verschiedene Alternativen:

Möglich wäre eine Anhebung der Pauschalen im Sitzdienst auf das bisherige Niveau. Das würde Mehrkosten von 3,7 Millionen Euro bedeuten, von denen zwei Millionen Euro an die Kliniken fließen würden.

Die KVWL könnte auch vor 19 Uhr eine Pauschale von 20 Euro zahlen. Das würde nur 700.000 Euro kosten. Von dem Geld würden auch die Kliniken profitieren.

Der EBM könnte ohne regionale Anpassung in Westfalen-Lippe umgesetzt werden, was zu einer Halbierung der Notfallpauschale im Sitzdienst vor 19 Uhr führen würde.

Die Diskussion sei offen, so Nordmann. Wenn sich die VV allerdings für die Umsetzung der EBM-Vorgaben entscheidet, werde der Vorstand ein Modell zur Stützung von Notfalldienstpraxen mit geringer Frequentierung und damit geringerem Umsatz nachdenken, kündigte er an. (iss)

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