Ärzte Zeitung, 09.03.2015

EBM

Kassen müssten nachzahlen

Die Anpassung des Facharzt-EBM steht bei der KBV derzeit auf der Agenda. Vertragsärzte aus Baden-Württemberg sehen dabei auch die Kassen in der Pflicht, für zusätzliche Mittel zu sorgen, zum Beispiel für eine bessere Vergütung von MFA.

Kassen müssten nachzahlen

Jede neue Ziffer im Facharzt-EBM müsste bislang durch Umverteilung finanziert werden. Die Frage ist: Wer verliert dabei?

© M. Schuppich / fotolia.com

STUTTGART. Die EBM-Reform ist noch in vollem Gange: Im Facharzt-Kapitel werden derzeit die Berufsverbände auf Bundesebene zu den sogenannten "Strukturkomponenten" befragt. Damit ist die Einführung neuer Leistungen und neuer Versorgungsstrukturen in den einzelnen EBM-Kapiteln gemeint.

Dabei will man insbesondere wieder ein Stück weit von der Pauschalierung wegkommen, wie Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg (KVBW) auf der Vertreterversammlung Ende Februar in Stuttgart erläuterte. Doch die Rechnung geht laut Metke nicht auf.

"In den Augen der KVBW ergibt eine Strukturänderung in den einzelnen Kapiteln des EBM nur dann Sinn, wenn neue Leistungen durch neues Geld finanziert werden und nicht durch Absenkungen bisheriger Leistungen, insbesondere der Grundpauschale", so der KV-Chef.

Werde an der Grundpauschale - nach unten - gedreht, würde man erneut die fundamentalen Fehler der Einführung des Hausarzt-EBM wiederholen. Laut Metke könnte in diesem Fall ein ähnliches Honorardesaster wie 2008/ 2009 drohen, als die Regelleistungsvolumen eingeführt wurden.

Droht neues Honorardesaster?

Die Argumente, die Metke vorbringt, sind nicht von der Hand zu weisen: Eine klare Zusage, dass darauf verzichtet wird, die Grundpauschale zugunsten neuer Leistungen zu senken, gibt es derzeit nicht.

Für Fachärzte würde eine mögliche Absenkung jedoch eine gewisse Planungsunsicherheit ihrer Einnahmen bedeuten. Denn - auch das zeigen alte EBM-Änderungen - längst nicht jeder Facharzt wird von heute auf morgen die Anforderungen neuer Leistungen erfüllen und damit eine entstehende Honorarlücke ausgleichen können.

Ähnlich wie in den Jahren 2008/ 2009 kann aber gerade auch der Umverteilungseffekt zwischen Fachgruppen zum Problem werden: Denn was passiert, wenn das abgerechnete Leistungsspektrum einer Fachgruppe innerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) nach der EBM-Reform weniger Honorar benötigt, als heute in den Fachgruppentöpfen eingestellt ist, fragte Metke.

Dann würde eine Umverteilung einsetzen, die wieder über eine Konvergenzphase aufgefangen werden müsste. Dies aber wiederum würde bei den Gewinnergruppen der neuen EBM-Ziffern nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen. Und letztlich bleibt es nichts weiter als eine Umverteilung des Mangels.

Deswegen fordert Metke nachhaltig, dass rechnerische Umverteilungseffekte durch eine asymmetrische Verteilung der Honorarzuwächse in den nächsten Jahren kompensiert werden, aber nicht durch eine Reduktion des Umfangs der derzeitigen Fachgruppentöpfe. Denn diese war laut KVBW die Ursache des Honorardestasters 2008/ 2009.

Metke: "Wenn sich die Kassenärzteschaft dies noch einmal leistet, wird sie durch innere Zerrissenheit handlungsunfähig. Staatliche Vorgaben werden erneut die Antwort sein und die Selbstverwaltung gibt sich erneut selbst auf."

Die KV Baden-Württemberg schlägt vor, dass auf die strukturelle EBM-Reform so lange verzichtet wird, bis eine Zusage der Kassen vorliegt, dass neue Leistungen auch finanziert werden. Eine Neuberechnung der Gebührenordnungspositionen (GOP) dürfe es derzeit nur "auf dem Boden der heutigen EBM-GOP" geben.

Kliniken greifen MFA ab

Eine andere Baustelle sah die Vertreterversammlung (VV) in der Vergütung der Arbeit der Medizinischen Fachangestellten (MFA) über den EBM. Diese finde derzeit trotz der neuen Leistungen für die nichtärztliche Praxisassistentin (NäPA) kaum statt.

Mit der Folge, dass die Praxen im Konkurrenzkampf um gute Kräfte gegen die Kliniken nur wenige Chancen hätten. "Wir bekommen kaum mehr qualifizierte MFA", sagte Dr. Christoph Kaltenmaier.

Die niedergelassenen Ärzte würden die Fachangestellten zwar auf ihre Kosten ausbilden, die dual finanzierten Krankenhäuser könnten ihnen aber anschließend mit über 2100 Euro ein deutlich höheres Einstiegsgehalt (nach dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst) bieten.

Der Tarifvertrag der MFA in den Praxen hingegen beginnt in Stufe 1 und im ersten Berufsjahr mit 1683,14 Euro. Das könne auch in Zukunft die nun eingeführte NäPA mitsamt ihrer EBM-Ziffern nicht ausgleichen, so Kaltenmaier.

Zumal die neuen Ziffern (03060, 03062, 03063) innerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung laufen. Die KV-VV hat daher beschlossen, sich für eine zusätzliche, nicht budgetierte Honorierung der MFA einzusetzen. (reh)

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