Ärzte Zeitung online, 10.03.2015

Psychotherapie

Wie viel Personal braucht es?

Unter starkem politischen Druck geht im GBA eine Arbeitsgruppe der Frage nach, ob es künftig in der psychotherapeutischen Versorgung Empfehlungen oder Mindeststandards beim Personal geben soll.

Von Rebecca Beerheide

Wie viel Personal braucht es?

Therapiegespräch: Wie kann der Personalaufwand in der Psychiatrie künftig berechnet werden?

© WAvebreak Media / Thinkstock

BERLIN. Der medizinische Fortschritt in der psychotherapeutischen Versorgung wird seit Jahren nicht adäquat in Personalschlüsseln in Kliniken abgebildet.

Anders als in der Somatik werden Therapieoptionen und das dafür nötige Personal oft noch mit Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen von vor 20 Jahren bemessen.

Gleichzeitig enthalten viele Therapie-Leitlinien keine Angaben, wie viel Personal zur Versorgung eines Patienten mit dem entsprechenden Krankheitsbild benötigt wird.

Dies müsse im Zuge der Diskussionen über Mindestanforderungen oder Empfehlungen über die Quantität von Personal in der Psychiatrie umgehend verändert werden, erklärten Experten bei einer Tagung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Berlin.

Dabei setzt sich die BPtK klar für Mindeststandards ein.

Gesetzgeber hat Entscheidung delegiert

"Es ist die große Chance, mit dieser Diskussion den Therapie-Gedanken der Lebensgemeinschaften auf Zeit zu erhalten und sie auch im Personalschlüssel abzubilden", erklärte BPtK-Präsident Professor Rainer Richter bei einem Symposium seiner Kammer in Berlin.

Der Gesetzgeber hat bei der Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen (PEPP) die Entscheidung um die nötige Personalausstattung an den GBA delegiert.

Dort berät seit einigen Wochen die Arbeitsgruppe "Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik", kurz PPP, ob es künftig Mindeststandards, Empfehlungen oder eine Novelle der Psychiatrie-Personalverordnung gibt.

Die Erwartungen an die AG sind hoch, gleichzeitig ist die politische Gemengelage ambivalent.

Nach Auskunft von Dr. Ute Watermann, Vertreterin des GKV-Spitzenverbands in der PPP-AG, sind Mindeststandards von den Chefärzten wie auch der Gewerkschaft Verdi gewünscht.

Aus der SPD gebe es unterschiedliche Meinungen. Auch das Bundesgesundheitsministerium sei eher für Mindeststandards.

Gleichzeitig wird das BMG eine eigene Expertengruppe einsetzen, die, wie im Papier der Bund-Länder-AG zur Klinikreform beschrieben, Pflege-Personalstandards entwickeln soll.

Noch keine Stellungnahme der Kassen

Die Kassen haben sich noch nicht zu einer endgültigen Stellungnahme durchringen können. Die Tendenz gehe aber zu transparenten Mindeststandards, deutete Watermann an.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kann Mindeststandards wenig abgewinnen. Es müsse weiterhin sichergestellt sein, dass Kliniken ihre Flexibilität bei Personalvorgaben erhalten, machte Dr. Sabine Haverkamp, Referentin für Psychiatrie bei der DKG, deutlich.

 Die Kliniken seien aber an der Entwicklung evidenzbasierter Empfehlungen zur stationären Personalausstattung interessiert. Es dürfe aber nicht frei von der finanziellen Ausstattung diskutiert werden, so Haverkamp.

Unter den Experten ist klar, dass ohne es ohne Mindeststandards künftig in der Psychiatrie nicht mehr funktionieren wird. "Wir wollen keine Lidl-Psychiatrie", erklärte Dr. Iris Hauth von der DGPPN.

Selbst die Mindestanforderungen seien wenig, die Überlegungen zu Personalempfehlungen "gehen gar nicht", so Hauth Vor zu großem Lob für Mindestanforderungen warnte Professor Michael Löhr von der FH der Diakonie in Bielefeld.

"Mindestanforderungen werden bei Klinikleitungen schnell zu Maximalanforderungen", sagte er.

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