Ärzte Zeitung, 20.04.2015

Abrechnungstipp

Bei der Wundversorgung reicht eine geforderte Leistung

Die Konjunktion "und/oder" in der einschlägigen EBM-Ziffer zur Versorgung sekundär heilender Wunden kann den Blick für das Wesentliche trüben. Daher lohnt es sich, genau hinzuschauen: Tatsächlich muss nur ein obligater Inhalt erbracht werden.

Von Peter Schlüter

Bei der Wundversorgung  reicht eine geforderte Leistung

Wundversorgung ist vielgestaltig – das spiegelt sich auch in den vielen alternativen Leistungsinhalten der EBM-Ziffer 02310 wider.

© Gina Sanders / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Ein Problem, das im Abrechnungsalltag gar nicht so selten ist: Die Kassenärztliche Vereinigung fordert zur Berechnung der Behandlung einer sekundär heilenden Wunde nach EBM-Ziffer 02310 die im obligaten Inhalt geforderte "Abtragung von Nekrosen" und streicht den Gebührenansatz.

Möglicherweise zu Unrecht. Denn den Leistungsinhalt der EBM-Ziffer 02310 gilt es, ganz genau zu betrachten und insbesondere zwischen der Leistungsbeschreibung und dem obligaten Leistungsinhalt zu unterscheiden.

Die Leistungsbeschreibung lautet: "Behandlung einer/eines/von sekundär heilenden Wunde(n) und/oder Decubitalulcus (-ulcera)" Im obligaten Leistungsinhalt ist danach folgendes gefordert:

  • Abtragung von Nekrosen und/oder
  • Wunddebridement und/oder
  • Anlage und/oder Wechsel eines Kompressionsverbandes
  • und/oderEinbringung und/oder Wechsel einer Wundtamponade,
  • Mindestens 3 persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall.

Das sind ziemlich viele Konjunktionen. Von denen man sich aber nicht schwindelig machen lassen sollte. Denn von den obligaten Leistungsanteilen des ersten bis vierten Spiegelstriches muss ja nur ein einziger erbracht werden, um die Gebühr berechnen zu können.

Der 5. Spiegelstrich, also die drei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte, ist dagegen in jedem Fall zu erfüllen. Konsequenz: Neben den drei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakten im Behandlungsfall reicht alleine schon der Wechsel eines Kompressionsverbandes aus, um die GOP 02310 berechnen zu können.

Drei persönliche Patientenkontakte sind zwingend

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Es würde auch der Wechsel einer Wundtamponade alleine oder auch das Wunddebridement alleine ausreichen, um die Gebühr nach GOP 02310 ordnungsgemäß zu beanspruchen.

Noch mal: Die drei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte sind zwingend. Aber es ist eben nicht zwingend erforderlich, eine Abtragung der Nekrose durchgeführt zu haben.

Was Sie noch beachten sollten: Die Leistungslegende ist im Singular formuliert. Das bedeutet, dass bereits die einmalige Versorgung einer sekundär heilenden Wunde ausreicht, die Gebühr zu berechnen.

Es ist dann jedoch darauf zu achten, dass auch der zweite obligate Leistungsinhalt erfüllt ist - nämlich die drei Arzt-Patienten-Kontakte.

In der Konsequenz können Sie also durchaus am letzten Tag eines Quartals bei einem Patienten für die an diesem Tag erfolgte Behandlung einer sekundär heilenden Wunde die Gebühr nach GOP 02310 abrechnen.

Es müssen eben nur bereits zwei persönliche Kontakte in dem entsprechenden Quartal vorangegangen sein. Mit Wundbehandlung müssen die nichts zu tun gehabt haben.

Dr. Dr. Peter Schlüter, Allgemeinarzt in Hemsbach, hält seit mehr als zwei Jahrzehnten Seminare zu Themen rund um EBM und GOÄ.

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