Ärzte Zeitung online, 27.03.2015

GOÄ-Novelle

Hartmannbund fordert Klarstellung des BMG

Vertreter der Bundesärztekammer und der Kostenträger haben am Freitag ein Treffen zur GOÄ-Novelle im Bundesgesundheitsministerium. Wird die Honorarsteigerung gedeckelt?

BERLIN. Wie hoch wird die Honorarsteigerung durch eine neue GOÄ für Ärzte ausfallen? Im Vorfeld eines Treffens zur GOÄ-Novelle im Bundesgesundheitsministerium am Freitag hat es Spekulationen gegeben, dass die Bundesregierung im Zusammenhang mit der Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) angeblich eine Steigerung von maximal sechs Prozent für akzeptabel erachtet.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, hat sich kritisch zu diesen Spekulationen geäußert: "Es wäre sehr hilfreich, wenn das Gesundheitsministerium solchen Darstellungen entgegentritt, um auf Seiten der Ärzteschaft unnötige Irritationen zu vermeiden", so Reinhardt in einer Mitteilung des Verbandes.

Eine derartige Beschränkung würde angesichts einer letztmalig vor fast 20 Jahren erfolgten Anhebung der GOÄ eine jährliche Steigerung von gerade einmal 0,3 Prozent bedeuten. Dies sei völlig inakzeptabel, so Reinhardt weiter. Eine solche Haltung der Bundesregierung sei zudem ein Schlag ins Gesicht der Ärzteschaft, die nunmehr seit Jahren mit einem Maximum an Geduld, Seriosität und Augenmaß konstruktiv über eine neue GOÄ verhandle. Er habe kein Verständnis dafür, "wenn die Bundesregierung "angesichts einer kurz bevorstehenden Einigung der Verhandlungspartner in derartiger Weise agieren würde".

Das Bundesgesundheitsministerium lehnte eine Stellungnahme zu den Spekulationen über eine mögliche Honorarsteigerung durch die GOÄ-Novelle auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" ab.

An dem Treffen im Ministerium in Berlin nehmen neben Vertretern der Bundesärztekammer und des PKV-Verbands auch Vertreter der Zahnärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Psychotherapeutenkammer teil. Geplant war, dem Ministerium ein Informationspaket zum Stand der Verhandlungen zu übergeben. Wir werden über die Ergebnisse des Treffens in Kürze berichten. (af/ger)

[31.03.2015, 15:13:18]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lieber Herr Kollege Henning Fischer...
Danke für Ihre gedankliche Unterstützung: Wenn Sie selbst schreiben "schließlich war es f r ü h e r überwiegend so,..."
belegt das eigentlich meine These, dass es h e u t e einfach anders ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[27.03.2015, 19:41:59]
Dr. Henning Fischer 
nicht ganz schlüssig
Sehr geehrter Herr Kollege Schätzler,

schließlich war es früher überwiegend so, daß man sich nach der Facharztausbildung im Krankenhaus zügig niederließ. Insofern müßten auch angestellte Ärzte Interesse an guten Bedingungen in den Praxen haben.

Bleiben noch 2 Erklärungen

- unfaßbare Unfähigkeit über Jahrzehnte

oder

- anhaltende Korruption

oder beides (meiner Meinung nach)

Mit kollegialen Grüßen
Henning Fischer
 zum Beitrag »
[27.03.2015, 15:38:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Faktencheck GOÄ!
Wenn sich heute Vertreter der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kostenträger (PKV-Verband und Beihilfestellen) zur GOÄ-Novelle im Berliner Bundesgesundheitsministerium (BGM) wie die 'Blinden zum Sehtest' treffen, bzw. ausgerechnet der Hartmannbund (HB) vom BGM eine Klarstellung fordert, ist es Zeit für einen Faktencheck:

Es war und ist die BÄK selbst, welche die zu ihrer Kernkompetenz gehörende Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) jahrzehntelang verschlafen hat.

• GOÄ-Systematik auf dem Stand vom 16.4.1987 (BGBl. I, S. 1218)
• GOÄ-Punktwert-Anhebung in 32 Jahren (1983-2015) um 14 %
• kalkulatorischer Punktwert 10 (1983), 11 (1988), 11,4 Pfennige (1996)
• jährlicher Punktwertanstieg durchschnittlich plus 0,44% p. a.

Es ist reine Augenwischerei, wenn der Punktwert 1988 um 10 Prozent, 1996 um 4 Prozent und zuletzt seit 19 Jahren um 0 Prozent erhöht wurde. Denn gleichzeitig haben die BÄK und alle anderen Beteiligten in aller Seelenruhe zugeschaut, wie es zu überwiegend Facharzt-, Technik- und Labor-lastigen, völlig unkontrollierten Mengenausweitungen mit immer obskureren Analog-Anwendungen bei den GOÄ-Abrechnungen zu Lasten der privat Krankenversicherten, der PKV und der Beihilfestellen gekommen war.

Die Ursachen für das alljährliche Possenspiel, eine Einigung mit PKV, Beihilfestellen und dem BGM über eine neue GOÄ sei unterschriftsreif, liegen woanders: BÄK und LÄK sind mehrheitlich vom Marburger Bund (mb) dominiert und majorisiert. Der mb vertritt ausschließlich und erfolgreich die Interessen seiner angestellten und beamteten Mitglieder. Damit hat der mb kein substanzielles Interesse, die ökonomischen Bedingungen ausgerechnet bei den freiberuflich niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten verbessern zu wollen. Dies würde nicht nur seine eigenen mb-Tarifabschlüsse mindern, sondern zu einem mb-Mitgliederschwund führen, wenn Arzt-Niederlassungen in freier Praxis wieder attraktiver würden.
Vgl.
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61892/Windhorst-GOAe-Informationspaket-soll-bis-31-Maerz-an-das-Ministerium-gehen

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »