Ärzte Zeitung, 12.05.2015

KBV-Honorarbericht

Das sind die größten Gewinner und Verlierer

Der Honorarbericht der KBV für 2013 hat große Unterschiede in den einzelnen KVen offenbart. Aber auch beim Blick in die Fachgruppen zeigen sich einige interessante Auffälligkeiten.

Von Hauke Gerlof

Das sind die größten Gewinner und Verlierer

Bei den Ärztehonoraren 2013 gab es große Unterschiede in KVen und Fachrichtungen.

© Tobias Hase / dpa

NEU-ISENBURG. Der zeitliche Vorlauf ist erheblich. Für das vierte Quartal 2013 haben die Vertragsärzte ihre Abrechnungen im Januar 2014 eingereicht. Die Honorarbescheide der KVen lagen nach fünf bis sechs Monaten in der Praxispost.

Doch fast zwölf weitere Monate hat es gedauert, bis die Daten der KVen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zusammengeführt worden sind. Nun ist über den aktuellen Honorarbericht der KBV ein KV- und Fachgruppen-übergreifender (Jahres-)Überblick der Entwicklung des Kassenhonorars möglich.

Trotz des langen Vorlaufs lohnt aber der genaue Blick ins Zahlengewirr des kurz vor dem Ärztetag herausgegebenen Honorarberichts. So finden sich ansatzweise Antworten auf Fragen wie: Wie haben die neuen Pauschalen für die Grundversorgung auf das Honorar gewirkt, wie die geriatrischen Leistungen?

Sehr spannend ist auch immer der Fachgruppenvergleich - wobei zu beachten ist, dass es sich zum einen um einen Vergleich der Kassenumsätze handelt, nicht der Überschüsse aus kassenärztlicher Tätigkeit.

Zum anderen gibt es je nach Fachgruppe aufgrund der Honorarverteilungsmaßstäbe in den KVen auch regional erhebliche Abweichungen. Nicht zuletzt: Umsätze aus privatärztlicher Tätigkeit sind nicht enthalten.

Im hausärztlichen Versorgungsbereich stiegen die Honorarumsätze je Arzt 2013 im Jahresvergleich, wie bereits berichtet, um 3,9 Prozent auf 205.180 Euro. Bei Allgemeinmedizinern und hausärztlichen Internisten lag das Honorar in absoluter Höhe etwas niedriger: bei 200.494 Euro.

Die Steigerungsrate betrug hier 4,1 Prozent. Vor allem die überwiegend extrabudgetär angesetzten neuen Leistungen in der Geriatrie und Palliativmedizin dürften hier steigernd gewirkt haben. In der Gruppe Kinder- und Jugendmedizin stiegen die Umsätze etwas langsamer (plus 3,1 Prozent), der Honorarumsatz je Arzt liegt bei den Pädiatern bei 216.278 Euro).

Das Umsatzwachstum je Arzt bei den Fachärzten fiel etwas langsamer aus als im hausärztlichen Versorgungsbereich (plus 1,3 Prozent). Der absolute Wert liegt ebenfalls knapp darunter (198.291 Euro), allerdings gibt es hier je nach Fachgruppe erhebliche Abweichungen vom Durchschnitt nach oben und nach unten.

Einige Beispiele

Anästhesisten: Der Honorarumsatz je Arzt änderte sich von 2012 auf 2013 praktisch nicht. Im Durchschnitt lag er bei 154.072 Euro.

Augenärzte: Der Zuwachs der Augenärzte beträgt wie bei den Hausärzten 3,9 Prozent. Je Arzt erwirtschafteten Ophthalmologen bundesweit 243.227 Euro. Dabei differenziert der Honorarbericht der KBV nicht zwischen operativ und konservativ tätigen Augenärzten.

 Die regionalen Abweichungen sind gerade bei den Augenärzten erheblich: In Schleswig-Holstein lag der Honorarumsatz 2013 bei 180.566 Euro (minus 7,2 Prozent im Jahresvergleich), in Westfalen Lippe bei 328.820 Euro (plus 9,9 Prozent).

Internisten: Sehr heterogen ist auch das Bild bei Internisten. Insgesamt kommen Vertreter dieser Fachgruppe laut Bericht auf einen durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt von 416.967 Euro - das entspricht einem Rückgang um 0,6 Prozent.

Ärzte in Thüringen erreichten hier mit durchschnittlich 542.045 Euro den Spitzenwert, in Rheinland-Pfalz lag der Umsatz je Internist dagegen bei 376.359 Euro.

Beim Blick in die Subdisziplinen ergeben sich ebenfalls große Unterschiede: Fachinternisten ohne Schwerpunkt kamen im Bundesschnitt auf 258.232 Euro (plus 0,3 Prozent), bei einer regionalen Spreizung zwischen 336.231 Euro (Sachsen) und 158.043 Euro (Berlin).

Bei den Internisten mit Schwerpunkten lagen die Nephrologen mit einem durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt von 894.499 Euro (minus 1,3 Prozent) einsam an der Spitze - ihre Kosten sind allerdings auch besonders hoch.

Es folgen beim Umsatz die Hämatologen/Onkologen mit 402.132 Euro Kassenumsatz (plus 3,7 Prozent), die Endokrinologen (367.788 Euro, minus 0,1 Prozent), die Gastroenterologen (340.784 Euro, plus 2,9 Prozent), Pneumologen (338.869 Euro, plus 2,0 Prozent), Kardiologen (269.987 Euro, plus 0,1 Prozent), Rheumatologen (262.877 Euro, minus 1,9 Prozent) und die Angiologen (251.452 Euro, minus 1,1 Prozent).

Gynäkologen legen deutlich zu

Gynäkologen: Wie viele Fachärzte der Grundversorgung haben auch die Frauenärzte im Durchschnitt relativ deutlich zugelegt: Der Honorarumsatz je Arzt wuchs 2013 bundesweit um 4,2 Prozent auf 189.998 Euro.

Die Gynäkologen in Nordrhein schnitten dabei absolut mit 168.065 (plus 7,6 Prozent) am schlechtesten ab, die Sachsen liegen mit 215.450 Euro vorne.

Orthopäden: Bundesweit lagen die Honorarumsätze je Orthopäde im Jahr 2013 bei durchschnittlich 219.527 Euro (plus 2,6 Prozent). Die höchsten Umsätze in dieser Fachgruppe verzeichneten wie im Vorjahr die Ärzte aus Bremen (311.379 Euro, plus 4,2 Prozent), die niedrigsten die Kollegen in Hamburg (189.553 Euro, -1,7 Prozent).

Chirurgen: Nur leichte Zuwächse erwirtschafteten die Chirurgen beim Umsatz je Arzt. Bundesweit legten Kassenärzte dieser Fachgruppe um 2,2 Prozent auf 227.398 Euro zu. Die Spreizung liegt hier zwischen 265.971 Euro in Hessen und 168.989 Euro in Berlin.

Dermatologen: Die Hautärzte legten überproportional zu, auf im Schnitt bundesweit 198.771 Euro (plus 4,9 Prozent). Auffällig sind in dieser Fachgruppe die niedrigen Fallwerte von 33,88 Euro.

Dermatologen in Sachsen kamen dabei auf den höchsten Umsatz je Arzt (217.471 Euro, plus 3,6 Prozent), die Kollegen im Nachbarland Thüringen auf den niedrigsten Umsatz (167.757 Euro, minus 0,4 Prozent).

Hals-Nasen-Ohrenärzte: Die HNO-Ärzte kamen bundesweit auf einen Kassenumsatz von 185.984 Euro je Arzt (plus 4,9 Prozent).

Dabei lagen die Ärzte aus Niedersachsen mit 205.345 Euro (minus 2,3 Prozent) an der Spitze der Einkommenskala, die Kollegen aus Nordrhein mit 154.388 Euro trotz eines starken Umsatzzuwachses von 13,8 Prozent im Vorjahresvergleich am Ende.

Radiologen: Je Arzt erwirtschafteten die Radiologen 368.471 Euro Kassenumsatz, was einem leichten Minus von 0,5 Prozent entspricht. Ärzte in Berlin bildeten in dieser Fachgruppe mit 275.847 Euro das Schlusslicht, ihre Kollegen in Rheinland-Pfalz lagen mit 411.655 Euro ganz vorne (plus 10,3 Prozent).

Neurologen und Psychiater legen kräftig zu

Urologen: Mit einem leichten Zuwachs um genau ein Prozent kamen die Urologen bundesweit durchschnittlich auf 198.925 Euro. Urologen in Hamburg lagen hier mit 155.663 Euro (minus 4,5 Prozent) hinten, in Mecklenburg-Vorpommern gab es mit 253.745 Euro (plus 0,4 Prozent) die höchsten Einnahmen.

Neurologen und Psychiater: Weit unter dem Durchschnitt der Honorarumsätze liegen sowohl die Neurologen als auch die Psychiater - trotz überdurchschnittlicher Zuwächse. Neurologen kamen 2013 auf 169.806 Euro (plus 7,1 Prozent), Psychiater auf 143.116 Euro (plus 9,0 Prozent).

Bei Neurologen lag die Spreizung zwischen 113.168 Euro in Hessen (minus 8,5 Prozent) und 244.343 Euro in Mecklenburg-Vorpommern (plus 8,6 Prozent). Psychiater erwirtschafteten ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Honorarumsatz je Arzt (206.763 Euro, plus 12 Prozent), in Bremen kamen ihre Kollegen dagegen lediglich auf 115.349 Euro (plus 2,3 Prozent).

Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten: Vollkommen abgehängt beim Honorar sind die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten. Sie kamen 2013 auf einen Jahresumsatz von 73.294 Euro (plus 1,4 Prozent).

An der Spitze lagen in dieser Fachgruppe die Thüringer mit 92.970 Euro (plus 10,4 Prozent), am Ende der Skala die Baden-Württemberger mit kaum veränderten 67.050 Euro. Von einem Aufholprozess in Sachen Umsatz kann bei den Psychotherapeuten also nicht die Rede sein.

[25.05.2015, 18:45:24]
Dr. Lubica Schlupkova 
Warum zu wenig Psychiater im Deuitschland gibt?
Es kann man sich von ihrer Honorierung ableiten.Meiner meinung nach kann man nicht Psychoterapeuten und Psychiater vergleichen,weil die Fachärzte für Psychiatrie müssen allgemeine Medizin studieren /in der Tschechischen Republik 6 Jahre und dann 6 Jahre in der psychiatrische Abteilung im Krankenhaus zu arbeiten.Erst dann können sie Fachprüfung vor der Komission
von mehreren Universitätsprofessoren ablegen.Sie müssen die difernzielle dg.
von mehreren somatischen Krankheiten beherschen, somatoforme Störungen beur
teilen infolge dif.dg.Dabei sie sollen lange individuelle Anamnese ausüben,weil sie keine technische möglichkeiten haben bei der dg.Bbeurteilung.In der Psychiatrie ist nötig viel mit den Patienten zu sprechen und die Leistungabrechnungen sind nach EBM so niedrig, dass dafür kann man keine anständige Psychiatrie ausüben. Auch die medikamentose Budgets sind so niedrig,dass den Psychiatern ständig Regresse drohen. Meiner Meinungf nach braucht jede Depression auch Medikamentöse Behandlung,reine psychotherapeutische Behandlung ,was man zur Zeit propagiert ist, ist am Ende mehr teuerer und ungenügend,dafür seheh ich im Deutschland so viele chronifizierte Depressionen,welche viele dann in der Rente beenden.Ich bin tschechische Fachärztin mit der Qualifikation für Oberazt / Fachprüfung zweite Stufe ./Habe dabei lange Praxis im Prag in meiner eigenen Praxis und verstehe ,warum sich so wenig Ärzte hier für die Psychitrie entscheiden.
Meine richtige e-mailadresse ist zur Zeit schlupkova@kabelmail.de.  zum Beitrag »
[12.05.2015, 19:18:20]
Dr. Wilfried Rockenberger 
The biggest Looser
Dass die Psychotherapeuten beim Honorar die rote Laterne tragen hat ja Tradition, aber die Spreizung die in den letzten Jahren erfolgte ist drastisch nicht mehr nachvollziehbar. Wenn es darum geht Honorarforderungen nach aussen gegenüber den Kassen zu vertreten, dann heisst es immer "Ärzte und Psychotherapeuten" - wenn es um die Honorarverteilung innerhalb des Systems geht, dann ist von dem "und" plötzlich nichts mehr vorhanden. Stattdessen wird Geld in irgendwelche Imagekampagnen gesteckt, damit nicht der Eindruck der Raffgier entsteht. Dann plötzlich wird auch wieder das "und" verwendet - ich finde das mittlerweile unerträglich.
Dass es ausserhalb des KV-Systems mit Direktverträgen in Baden-Württemberg und Bayern besser funktioniert sollte einem zu denken geben.  zum Beitrag »

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