Ärzte Zeitung, 26.05.2015

Kommentar zur Arztgespräch-Sondervereinbarung

Fakten auf den Tisch!

Von Dirk Schnack

Die Zeit in den Sprechstunden wird immer knapper. Ärzte reagieren auf den Andrang, indem sie versuchen, den Problemen der Patienten in kürzerer Zeit gerecht zu werden.

Das kann nicht immer gelingen. Folge sind unzufriedene Ärzte und Patienten, die das Gefühl haben, mit ein paar Minuten mehr im Sprechzimmer wäre der nächste Arztbesuch vielleicht gar nicht nötig gewesen.

Ärzte, die sich mehr Zeit für Patienten lassen, sorgen allerdings für Staus in den Wartezimmern und bekommen diese zusätzliche Zeit nicht bezahlt. Hier stößt das Abrechnungssystem an seine Grenzen.

Deshalb ist die Lösung, die KV und AOK in Mecklenburg-Vorpommern derzeit mit dem zusätzlich honorierten sozialmedizinischem Gespräch ausprobieren, naheliegend.

Die Bereitschaft der AOK Nordost, diese Zeit zusätzlich zu vergüten, ist zu begrüßen. Doch allein der Hinweis, dass der Arzt diese Leistung sonst in seiner Freizeit erbringen oder sich auf knappe Worte beschränken muss, reicht für neue Vereinbarungen mit Krankenkassen nicht aus.

Bevor man auf eine bundesweite Ausdehnung oder die Einbeziehung weiterer Kassen hoffen darf, gehören deshalb Fakten auf den Tisch.

Welche Folgeuntersuchungen werden damit vermieden, wie lange dauern die Gespräche, wie oft werden sie benötigt? Solche Fragen müssen beantwortet sein, damit die auf den ersten Blick sinnvolle Regelung ausgerollt werden kann.

Lesen Sie dazu auch:
Mecklenburg-Vorpommern: Arztgespräch auch ohne Erkrankung

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