Ärzte Zeitung, 24.06.2015

Eigene Praxis

Ärztinnen verdienen deutlich weniger

Eine niedergelassene Ärztin erwirtschaftet im Schnitt über 64.000 Euro pro Jahr weniger als dies ein Arzt mit eigener Praxis tut. Diese überraschende Erkenntnis geht aus dem aktuellen Jahresbericht zum Zi-Praxis-Panel vor, der der "Ärzte Zeitung" exklusiv vorliegt.

Von Rebekka Höhl

Ärztinnen verdienen deutlich weniger

Daumen runter: Niedergelassene Ärztinnen verdienen weniger als Ärzte mit eigener Praxis.

© DoraZett / fotolia.com

BERLIN. Dass Frauen - trotz gleicher Qualifikation - in Angestelltenverhältnissen oft weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, ist allgemein bekannt.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat in seinem aktuellen Praxis-Panel nun aber ermittelt, dass auch selbstständig tätige Ärztinnen beim Einkommen ihren männlichen Kollegen hinterherhinken.

Während über alle Fachgruppen hinweg die Praxisinhaber in der Erhebungswelle 2013 (Basis sind die Praxisdaten der Jahre 2009 bis 2011) einen Jahresüberschuss von im Schnitt 168.800 Euro erwirtschafteten, blieben ihren Kolleginnen in eigener Praxis nur 104.600 Euro.

42.700 Euro weniger für Hausärztinnen

Dabei sind die Unterschiede innerhalb der einzelnen Fachgruppen größtenteils zwar geringer, aber auf einen gleich hohen oder gar höheren Jahresüberschuss - und damit einen Betrag der von den Einnahmen nach Abzug der Praxisaufwendungen übrig bleibt - kommen niedergelassene Ärztinnen in keinem Fachgebiet.

Bei den Hausärzten beträgt die Differenz zwischen Praxisinhaber (162.600 Euro) und Praxisinhaberin (119.900 Euro) beim Jahresüberschuss 42.700 Euro.

Allerdings zeigt sich, dass über alle Fachbereiche hinweg Ärztinnen weniger Arbeitszeit als ihre männlichen Kollegen einsetzen. So bringen Ärztinnen eine Jahresarbeitszeit von 2116 Stunden, Ärzte von 2520 Stunden auf - also über 400 Stunden weniger. Bei den Hausärzten sind es 2352 (Ärztinnen) versus 2604 (Ärzte) Stunden pro Jahr.

Da wundert es nicht, dass auch der Jahresüberschuss je Inhaberstunde bei Ärzten über alle Fachgruppen hinweg mit 66,97 Euro höher als der bei Ärztinnen mit 49,47 Euro liegt.

Praxisinhaberinnen behandeln weniger Privatpatienten

Zum Teil mag der Unterschied beim Überschuss daran liegen, dass Ärztinnen über alle Fachgebiete hinweg mehr Zeit für ihre Patienten aufwenden und weniger Patienten behandeln.

Sie kommen über alle Fachgruppen im Schnitt auf 38,3 Minuten je Patient und 763 Patienten, Ärzte nur auf 31,1 Minuten, aber 1138 Patienten.

Zudem hat das Zi ermittelt, dass Praxisinhaberinnen - mit Ausnahme des Fachärztlichen Bereichs I, zu dem Augenheilkunde, Gynäkologie und Dermatologie zählen - weniger Privatpatienten behandeln. Damit sind sie stärker von GKV-Honoraren abhängig.

Doch auch hier liegen ihre Einnahmen je GKV-Patient mit 56,08 Euro unter denen der Praxisinhaber mit 60,58 Euro.

Das Zi vermutet, dass von Praxisinhabern mehr Leistungen je Fall abgerechnet werden. Denn beim Aufwand je GKV-Patient liegen die Ärztinnen mit 29,99 Euro deutlich unter den Ärzten mit 35,66 Euro.

[25.06.2015, 08:03:42]
Lilia Renner 
Stimmt
Ich gehöre zu dieser Gruppe von Ärztinen.
Und ich sehe die Gründe darin , daß wir noch den Haushalt, die Kinder versorgen müßen , dazu kommen die 250 Fortbildungspukte pro 5 Jahre zu den Arbeitszeiten , und wieviel Zeit mir letztes Jahr IT gekostet hat, dann sichere Erneuerung seitens KV und Politik. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »