Ärzte Zeitung, 28.07.2015

Psychotherapie-Leistungen

KV im Ländle will weg von Mindestquote

Psychotherapeuten in Baden-Württemberg müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig nicht mehr 80 Prozent ihrer Leistungen unquotiert vergütet bekommen.

STUTTGART.Weil sie Umverteilungen zwischen den Fachgruppen befürchtet, stellt die KV Baden-Württemberg (KVBW) die Stützung von Psychotherapieleistungen auf neue Beine.

Zum 1. Oktober fällt die bisherige Mindestquote von 80 Prozent weg. Eine entsprechende Änderung des Honorarverteilungsmaßstabes (HVM) hat die Vertreterversammlung kürzlich beschlossen.

Die KV hat einen starken Anstieg der Leistungsanforderungen im psychotherapeutischen Bereich festgestellt - und zwar der Leistungen, die unter die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung und damit ins Honorarbudget fallen, wie KVBW-Geschäftsführerin Susanne Lilie berichtete.

Verbesserte Versorgungssituation

Dabei ist der Grund zum Teil ein erfreulicher: Die Zahl ausschließlich psychotherapeutisch Tätiger mit hälftigem Versorgungsauftrag sei ebenfalls angestiegen, wodurch sich die Versorgungssituation verbessert habe.

Damit geht aber eben auch ein zunehmender Stützungsbedarf für die bislang geltende Mindestquote von 80 Prozent durch alle Facharztgruppen einher.

Denn bislang besagt der Honorarverteilungsmaßstab im Ländle, dass bei den Psychotherapeuten 80 Prozent der abgerechneten und anerkannten Honorarleistungen zum vollen Preis vergütet werden müssen und erst bei Leistungen, die darüber liegen, eine abgestaffelte Vergütung erfolgen darf. Durch den Anstieg der Leistungsanforderungen drohe aber nun eine Umverteilung zwischen den Fachgruppen.

Ganz verzichten auf die Stützung der Psychotherapeuten will die KV aber nicht. Diese soll nur einem anderen Muster folgen: Die KV will künftig den Stützungsbetrag durch die Ermittlung des arztgruppenspezifischen Verteilungsvolumens für die innerhalb der MGV honorierten Psychotherapieleistungen berechnen.

Als Grundlage für die Ermittlung soll das ausbezahlte Honorar im entsprechenden Vorjahresquartal - inklusive des darin enthaltenen Stützungbetrages - dienen. (reh)

[28.07.2015, 12:37:25]
Dipl.-Psych. Roland Hartmann 
Mal wieder zweierlei Maß
Genau, bloß nicht zulassen, dass zur Stützung der psychotherapeutischen Minimalhonorare auch noch von den anderen Fachgruppen etwas abfließen könnte!

Zur Erinnerung: Psychotherapeuten bekommen vom gesamten Honorartopf ca. 5%. Es geht bei der Stützung aber nur um den Teil der Honorare, der überhaupt noch aus dem gemeinsamen "Facharzttopf" stammt und nicht extrabudgetär per Vorwegabzug gezahlt wird, nämlich wiederum höchstens ca. 5%. Somit also 5% von 5% = 0,25%. Selbst wenn die beschriebenen Honorare der Psychotherapeuten komplett gestützt werden müssten (was natürlich Blödsinn ist), würden wir von 0,25% Honorarverlust für die anderen Fachgruppen sprechen. Da es sich aber nur um einen kleinen Teilbetrag handelt, sprechen wir von einem Betrag, der vermutlich weit unterhalb 0,1% Belastung für die nichtpsychotherapeutischen Fachgruppen liegt.

Im Gegenzug ist man sich jedoch nicht zu schade, seit 1999 im Prinzip JEDE Honorarrunde so zu gestalten, dass die Psychotherapeuten bei eh' schon deutlich geringerem Honorar bzw. Ertrag nur etwa 1/3 der Honorarsteigerungen der anderen Fachgruppen erreichen. Dies bedeutet umgerechnet und aufsummiert auf die Jahre seit 1999, dass Psychotherapeuten inzwischen ca. 50% (!) ihres Honorares an die somatischen Fachgruppen abgeben, diese also massiv stützen! Hierzu braucht man sich nur die Honorartabellen der KVen bzw. des Zentralinstitutes der Kassenärztlichen Versorgung anzusehen.

Zusammengefasst: Psychotherapeuten stützen die anderen Fachgruppen mit ca. 50% ihres Honorares. Eine höchstens 0,1%ige Stützung in die Gegenrichtung die KV-Baden-Württemberg hingegen als nicht zumutbar. zum Beitrag »

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