Ärzte Zeitung, 25.09.2015

Schleswig-Holstein

Verdacht auf falsche Abrechnung

Haben ermächtigte Ärzte am Uniklinikum Schleswig-Holstein gegen die Pflicht zur persönlichen Leistungserbringung verstoßen?

KIEL. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug gegen Verantwortliche des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Auslöser ist eine Strafanzeige der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH).

"Bei Abrechnungsprüfungen hat sich für uns der Verdacht auf Abrechnungsbetrug in großem Umfang ergeben", sagte KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen der "Ärzte Zeitung".

Die KVSH habe deshalb Strafanzeige gegen mehrere verantwortliche Personen im UKSH gestellt.

Nach nicht bestätigten Berichten sollen mehrere ermächtigte Ärzte Leistungen für ambulante Leistungen abgerechnet haben, die sie von nachgeordneten Ärzten hätten erbringen lassen.

Die Ermächtigungen seien aber an die persönliche Leistungserbringung gekoppelt und hätten einen klar definierten Leistungsumfang, auch der Erbringungsort sei festgelegt. Auch von überhöhten Abrechnungen ist die Rede.

Die KVSH betonte, dass die Abrechnungsprüfung nicht gezielt gegen das UKSH gerichtet war, sondern im Laufe der normalen Routine erfolgte.

Für das UKSH oder andere Kliniken würden bei der Abrechnungsprüfung keine anderen Maßstäbe gelten als für die KV-Mitglieder, hieß es.

Insgesamt erbringen mehr als 330 Krankenhausärzte in Schleswig-Holstein ambulante Leistungen, berechtigt sind sie dazu aufgrund von Genehmigungen durch den Zulassungsausschuss. Allein am UKSH fallen jährlich rund 400000 ambulante Behandlungen an.

"Fehlerhafte Abrechnungen sind dem UKSH nicht bekannt. Wir gehen davon aus, dass sich die vermeintlichen Verdachtsmomente entkräften lassen", sagte UKSH-Sprecher Oliver Grieve, der zugleich auf das komplexe Abrechnungsverfahren verwies. Nicht bekannt ist derzeit, gegen wie viele Ärzte sich der Verdacht richtet. (di)

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