Ärzte Zeitung, 21.03.2016

Montgomery zur GOÄ-Reform

"Inakzeptable Bewertungsvorschläge"

Dr. Theodor Windhorst ist als Verhandlungsführer der Bundesärztekammer für die neue GOÄ zurückgetreten - jetzt liegt das Reformpaket als Chefsache auf dem Schreibtisch von Montgomery. Der BÄK-Präsident wäscht die Hände in Unschuld.

Von Helmut Laschet

"Inakzeptable Bewertungsvorschläge"

GOÄ-Novelle: Jetzt liegt das Reformprojekt auf dem Schreibtisch von Montgomery.

© Fragezeichen: Diego 1012 / fotolia.com | Gebührenordnung: Illian

BERLIN. Chaos-Tage bei der Bundesärztekammer (BÄK): Nach monatelangem Beschuss durch die freien Ärzteverbände und einem Sonderärztetag Ende Januar kam für die GOÄ-Reform und ihre Verhandlungsführer in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Stunde der Wahrheit.

Erstmals wurde der Gesamtvorstand mit dem Entwurf samt Legendierung und Leistungsbewertung von mehr als 4000 Positionen konfrontiert.

Offenkundig sah sich das Gremium außerstande, angesichts der Fülle von Neubewertungen und teils auch wohl überraschend starken Absenkungen mit unabsehbaren Verteilungswirkungen für manche Arztgruppen ein positives Votum abzugeben.

Die PKV habe nach den Erfahrungen mit der GOZ-Novelle für die Zahnärzte und einem zweistelligen Honorarzuwachs bei der GOÄ-Reform alles unternommen, eine derartige Kostenentwicklung bei den Ärzten zu verhindern, heißt es bei Ärzteverbänden.

Montgomery: "Verhandlungen nicht gestoppt und schon gar nicht gescheitert"

Drei Tage brauchte die Bundesärztekammer, um zur Sprache zurückzufinden: "Die Verhandlungen über die GOÄneu sind nicht gestoppt worden und schon gar nicht gescheitert. Vielmehr gehen sie in eine neue Verhandlungsrunde", ließ BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery am Montagmittag verbreiten.

Montgomery erweckt dabei den Eindruck, dass es sich bei dem vorliegenden Entwurf nicht um eine zwischen BÄK, PKV und Beihilfe verhandelte GOÄ-Neufassung handelt, sondern um einen reinen PKV-Vorschlag: "Analyse und Diskussion der vom PKV-Verband in Auftrag gegebenen Berechnung haben ergeben, dass die Bewertungsvorschläge nicht nachvollziehbar und für uns nicht akzeptabel sind."

Die PKV habe bereits Nachverhandlungen angeboten.

Als konsentiert werden von der Bundesärztekammer nur der allgemeine Teil und die Änderung der Bundesärzteordnung - und dabei auch der bei Ärzteverbänden umstrittene Plan, eine Gemeinsame Kommission zur GOÄ-Weiterentwicklung zu schaffen - angesehen.

Nach dem Rücktritt von Dr. Theodor Windhorst als Verhandlungsführer würden nun die beiden Stellvertreter die weiteren Verhandlungen führen.

Das sind der hessische Kammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach und der Vizepräsident der Kammer Westfalen-Lippe, Dr. Klaus Reinhardt.

Die hessische Delegiertenversammlung hat am Samstag die Ablehnung der GOÄ-Novelle begrüßt und eine "eingehende Analyse der finanziellen Auswirkungen" gefordert.

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[22.03.2016, 08:26:01]
Dr. Henning Fischer 
inakzeptable Verhandlungsführung

der BÄK

träfe es wohl eher zum Beitrag »
[22.03.2016, 07:50:23]
Dr. Karlheinz Bayer 
In Unschuld waschen - das ist geradezu biblisch!

Erhebt sich Herr Montgomery hier gerade auf das Niveau eines Pontius Pilatus? Und soll Windhorst ans Kreutz geschlagen worden sein?
Die Freiberuflichkeit steht und fällt mit der Gebührenordnung.
Der Kotau vor den klammen Kassen der Kommunen (die ürigens so prall gefüllt sind wie seit 23 Jahren nicht mehr) ist kein Naturereignis, sondern schlichtes Versagen auf Chefebene.
Montgomery weiß das.
Wenn Montgomery das nich t weiß, sollte er aus Unterlassung sein Amt niederlegen.
Wenn Montgomery weiß, sollte er es wegen Amtsmißbrauch tun.
Es gibt keine Begründungen dafür, schönzureden.
Vielmehr wäre es an der Zeit, daß das Trio Montgomery-Rochelle-Windhorst die Karten auf den Tisch legt, warum sie dieses üble Spiel mit den Ärztuinnen und Ärzten gespielt haben, von deren Beiträgen sie ihre Gehälter und - hoffentlich bald auch - ihre Ruhegelder beziehen.

Dr.Karlheinz Bayer,
Bad Peterstal
 zum Beitrag »
[21.03.2016, 17:33:17]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Hier gilt die Unschuldsvermutung ...
nicht mehr! Für ein derart zentrales Anliegen wie die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gilt nicht das Delegationsprinzip, Herr Kollege Montgomery. Hier sind Führungskompetenz, Verantwortung, Gradlinigkeit und nicht "Bauernopfer" gefragt.

Die GOÄ ist der Grundpfeiler ärztlicher Existenzberechtigung, denn sie reflektiert, welche professionellen Aufgaben mit welchen Zielen und mit welchen Bewertungen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland verrichten und erfüllen sollen. Wenn das nicht Grundvoraussetzungen für die Legitimation des gesamten BÄK-Vorstands u n d des BÄK-Präsidenten sind, muss der BÄK-Präsident eben zurücktreten.

Von den unseligen personellen Verquickungen im Ärztebeirat der Allianz Deutsche Krankenversicherungs AG will ich gar nicht erst anfangen...

Mf+kG, Dr. med Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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