Ärzte Zeitung, 17.05.2016

Pflege

KKH fordert TÜV für Pflegedienst

HANNOVER. Ingo Kailuweit, der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover, fordert von der Bundesregierung einen "funktionierenden Pflege-TÜV", teilt die KKH mit.

Anlässlich des publik gewordenen Betrugsverdachts durch ambulante Pflegedienste sagte er: "Viele Versicherte sind nach diesem Skandal verunsichert und wissen nicht, wie sie eine Pflegeeinrichtung objektiv beurteilen können. Betroffene und Angehörige erwarten auch zukünftig eine qualitativ hochwertige Pflege."

Einrichtungen hätten ihre oft sehr guten Bewertungen gar nicht verdient, meint Kailuweit. Würden die Qualitätsprüfungen zukünftig ein realistisches Bild der Situation vor Ort aufzeigen, hätten Pflegeheime und Pflegedienste selbst ein Interesse an hohen Qualitätsstandards, hieß es. "Ein verzerrtes Bild darf nicht entstehen."

Kailuweit kritisiert, dass die Bundesregierung bisher keine kritische Prüfung von Pflegediensten und Heimen auf die Beine gestellt habe, die alle kritischen Punkte offenlege: "Über jedes Hotel kann ich mich heute im Internet besser über den Qualitätszustand informieren, als dies bei Pflegeheimen oder Pflegediensten möglich ist", sagte der Kassenchef. (cben)

[22.05.2016, 22:41:23]
Ulrike Messerschmied 
Geht‘s noch, Herr Kailuweit?
Man kann fast die Uhr danach stellen: Der Ruf von Kassenvertretern wie Herrn Kailuweit nach mehr Kontrolle schrillt geradezu reflexartig immer dann auf, wenn die Machenschaften von zurecht abzustrafenden Kriminellen in der Branche entlarvt werden. Der Empörung folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Diskreditierung der gesamten Branche (von wegen: ,,Einrichtungen hätten ihre oft sehr gute Bewertungen nicht verdient‘‘). Kailuweit hat als Mitglied der Selbstverwaltung wohl verdrängt, wer das Scheitern des auf Betreiben von Teilen der jetzigen Bundesregierung künstlich aufrecht erhaltenen Prüfsystems mindestens mit zu verantworten hat! Geheuchelte Entrüstung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die Blockaden der Kassen von vernünftigen Vorschlägen z.B. des VDAB zur Verbesserung des Prüfsystems in der Vergangenheit eine längst überfällige Änderung des fehlgeleiteten Prüfirrsinns verhindert haben.
Was wir brauchen, ist nicht ein Mehr an Kontrolle, sondern – neben einer konsequenten Strafverfolgung der Minderheit an schwarzen Schafen – endlich deutlich verbesserte Rahmenbedingungen für ein Mehr an qualifiziertem und anständig bezahltem Personal. Dann würden sich die schrillen Töne von Kailuweit und co. sehr wahrscheinlich von selbst erledigen. zum Beitrag »
[19.05.2016, 16:20:13]
Kurt-Michael Walter 
TÜV für ambulante Pflegedienste?

Als Technischer Überwachungsverein (abgekürzt TÜV) werden eingetragene Vereine bezeichnet, die als technische Prüforganisation Sicherheitskontrollen durchführen.

Ein absurder Vorschlag, vielmehr sollte Herr Ingo Kailuweit KKH prüfen welche Möglichkeiten die Krankenkasse heute schon per Gesetz an Hand hat um ambulante Pflegedienste zu prüfen und zu bewerten.

Anlässlich des publik gewordenen Betrugsverdachts durch einige wenige ambulante Pflegedienste melden sich immer mehr "Trittbrettfahrer" die genau zu wissen scheinen was zu tun ist um eine funktionierenden Pflegedienst zu gewährleisten.

Die "angeblich Wissenden" scheuen vor nichts zurück um ihre grundlosen Anschuldigungen, Vermutungen und Vorwürfe publik zu machen. Ohne kritische Würdigung von Fakten werden Angehörige, Betreuer, Pflegende und ambulante Dienste unter Generalverdacht des "Pflegebetrugs" gestellt.

Was fehlt ist eine generelle Ursachenanalyse. Das Grundproblem ist die "Sonderstellung" der Gesundheits- und Pflegebranche sowie falsche und veraltete Standards.

Statt einen "Pflege-TÜV" zu fordern sollten die Krankenkassen ihren eigenen Auftrag als "Selbstverwaltungsorgan" konsequenter wahrnehmen. All denjenigen die "die argumentative Rationalisierung" bevorzugen sei angeraten zuerst vor ihrer eigenen "Haustür" zu kehren.













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