Ärzte Zeitung, 19.05.2016

Beratung und Untersuchung:Vorsicht, komplexe Ausschlüsse!

Die Abrechnung von Beratung und Untersuchung neben Sonderleistungen ist limitiert, allerdings nicht immer. Um kein Honorar oder Leistungen zu verschenken, sollten Ärzte den Behandlungsfall im Blick behalten.

Von Peter Schlüter

HEMSBACH. Beratung, Symptombezogene Untersuchung und eine Sonderleistung auf der selben Rechnung für einen Privatpatienten? Das führt nicht selten zu Diskussionen mit den Kostenträgern und bringt Ärzte in Erklärungsnot. Häufig grassiert die Annahme, dass allein schon die Ziffern 1 und 5 nicht gemeinsam abgerechnet werden dürfen.

Grund für Verwirrung ist häufig die Regelung in den Allgemeinen Bestimmungen im Abschnitt B Nr. 2 der GOÄ: "Die Leistungen nach den Nummern 1 und/oder 5 sind neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig."

Ursache für Abrechnungsprobleme sind einerseits die sprachlich nicht ganz einfache Konjunktion "und/oder" und andererseits die "Leistungen nach den Abschnitten C bis O". Semantisch analysiert, bedeutet "und/oder", dass Ärzte, bezogen auf die Gebühren nach den GO-Nrn. 1 beziehungsweise 5 der GOÄ, entweder die Beratung nach GO-Nr. 1 (80 Punkte) oder die symptombezogene Untersuchung nach GO-Nr. 5 (80 Punkte) nur einmal im Behandlungsfall (BHF) (ein Monat, eine Erkrankung) neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O abrechnen können.

GO-Nr. 200 ist die Grenze

Haben Sie in einem BHF also schon die GO-Nr. 5 neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O abgerechnet, so verbietet sich der Ansatz der Beratung nach GO-Nr. 1 neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O in diesem BHF. Anders verhält es sich, wenn Sie in derselben Sitzung eine symptombezogene Untersuchung nach GO-Nr. 5 und eine Beratung nach GO-Nr. 1 neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O durchführen. Hier haben Sie die Möglichkeit beide Gebühren zu berechnen.

Um die eingangs genannte Allgemeine Bestimmung in der GOÄ richtig umzusetzen, müssen Ärzte außerdem genau wissen, was sich hinter der Formulierung "Leistungen nach den Abschnitten C bis O" verbirgt.

Der Abschnitt C beinhaltet "Nichtgebietsbezogene Sonderleistungen", Abschnitt O umfasst die Leistungen der "Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie". Die erste Leistung des Abschnitt C ist der Verband nach GO-Nr. 200. Für alle danach folgenden Leistungspositionen gilt also dieser Ausschluss. Das ist allerdings nicht der Fall für Leistungen, die nach einer Position aus Abschnitt B (GO-Nr. <200) abzurechnen sind.

Ärztliches Konsil nicht vergessen!

Die Folgerung daraus ist beispielsweise, dass die Beratung nach GO-Nr. 1 mehrfach im Behandlungsfall neben Untersuchungsleistungen nach den GO-Nrn. 5, 6, 7 oder 8 berechnet werden kann. Ebenfalls neben der kleinen Bescheinigung (GO-Nr. 70) oder auch dem Brief ärztlichen Inhalts (GO-Nr. 75), kann die Beratung und sogar die symptombezogene Untersuchung nach GO-Nr. 5 mehrfach im Behandlungsfall berechnet werden. Zu guter Letzt sollten Mediziner bei der Abrechnung auch an das ärztliche Konsil nach GO-Nr. 60 denken.

Achten Sie bei der Rechnungsstellung also immer auf den Behandlungsfall und die Abrechnung der Gebühren nach GO-Nr. 1 beziehungsweise 5. Rechnen Sie - soweit dies den erbrachten Leistungen entspricht - immer beide Gebühren im Zusammenhang mit der Erbringung von Leistungen nach den Abschnitten C bis O ab. Damit können in der Regel 80 Punkte hinzugewonnen werden.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

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