Ärzte Zeitung, 28.07.2016

Heimversorgung

Kooperation verspricht Ärzten Potenzial

Ärzte haben gute Chancen, Verträge mit Pflegeheimen zur intensiveren Betreuung von Patienten abzuschließen. Anbieter von Pflegeheimen erhoffen sich durch die neuen Leistungen im EBM einen Schritt nach vorne bei der Versorgungsqualität für ihre Patienten.

Von Hauke Gerlof

Kooperation verspricht Ärzten Potenzial

Wollen Ärzte Heimpatienten auf Kasse betreuen, bedarf es eines Kooperationsvertrages.

© Kacso / fotolia.com

BERLIN. Vertragsärzten stehen bei Pflegeanbietern viele Türen offen, um die Kooperation zu intensivieren, Verträge zu schließen und die Betreuung der Patienten zu verbessern. "Pflegeheime haben ein großes Interesse an einer regelgebundenen Kooperation mit den in der Region niedergelassenen Ärzten", so Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Eine vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen den betreuenden Ärzten und Pflegeheimen ist Voraussetzung dafür, dass Kassenärzte die neuen Leistungen zur Betreuung von Patienten in Pflegeheimen abrechnen (Kapitel 37 im EBM, extrabudgetäre Honorierung). Vorgaben dafür (nach Paragraf 119b SGB V) sind in der Anlage 27 zum Bundesmantelvertrag zu finden.

Über die neuen Positionen im Kapitel 37 EBM soll der erhöhte Aufwand im Kooperationsvertrag honoriert werden: Unter anderem geht es um die Koordination von diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen sowie der pflegerischen Versorgung, die Kooperation mit weiteren Ärzten und einbezogenen Pflegefachkräften, um den Besuch des Patienten und patientenorientierte Fallkonferenzen.

Mauel sieht auch durchaus Potenzial, durch eine bessere Kooperation "Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, sofern es sich nicht um akute Notfälle handelt". Die hausärztliche Versorgung im Pflegeheim sei meist sogar besser als die hausärztliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen in der eigenen Wohnung.

Insbesondere bei der fachärztlichen Versorgung aber gebe es "Verbesserungsmöglichkeiten, welche sich meist durch Hausbesuche der Fachärzte auch realisieren lassen", so Mauel weiter.

Bisher hätten die Vergütungsregeln für Ärzte einer intensiveren Kooperation zwischen Ärzten und Heimen entgegengestanden, meint der Verbandsgeschäftsführer: Die bisherigen Kooperationsverträge hätten "für viele niedergelassene Ärzte vor allem zusätzliche Verpflichtungen gebracht, ohne dass dem entsprechende Anreize gegenüber gestanden" hätten.

Das sehe nun deutlich besser aus: "Wir gehen davon aus, dass wir jetzt einen großen Schritt machen können, wenn die Verbände der Heimbetreiber abgestimmt mit der Kassenärztlichen Vereinigung über die Möglichkeiten der besseren Versorgung informieren."

Der Pflegeexperte glaubt, dass jeweils mehrere Ärzte - Haus- und Fachärzte - Chancen auf solche Kooperationsverträge mit einem Haus haben. "Das Prinzip der freien Arztwahl soll nicht in Frage gestellt werden. Es gibt keinen Grund zum Arztwechsel, wenn der Patient ihm seit 20 Jahren vertraut", sagt Mauel.

Auf der anderen Seite sei vielen pflegebedürftigen Menschen aber die regelmäßige Anwesenheit des Arztes wichtig. Hier helfe daher eine Konzentration auf wenige Ärzte, die für ein Heim zuständig sind. "Während auf dem Land meist nur wenige Ärzte für die Versorgung in Frage kommen, kann in den Städten eine etwas unübersichtlichere Situation entstehen", erläutert der bpa-Geschäftsführer.

Hierüber müsse man mit allen Beteiligten sprechen, um zu optimalen Lösungen zu kommen. Denn auch für die Ärzte lohne es sich eher, auf Hausbesuch zu gehen, wenn im Pflegeheim mehrere Patienten betreut werden.Eine elektronische Vernetzung zwischen Pflegeheimen und kooperierenden Ärzten sieht Mauel bislang noch skeptisch, er sieht zunächst andere Prioritäten: Zunächst gehe es darum, dass Pfleger und Ärzte für alle verlässliche Absprachen treffen. Daraus ließen sich dann schon verbesserte Abläufe entwickeln. Alles Weitere könne dann später folgen.

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