Ärzte Zeitung, 24.08.2016

Hausarztverträge

Noch viel Zukunftspotenzial

Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft sieht sich mit den Verträgen des Deutschen Hausärzteverbands zur hausarztzentrierten Versorgung auf Erfolgskurs. Widerstände beklagen die Hausärzte indes bei Kassen und EDV-Anbietern.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. In diesem Jahr soll es endlich klappen: Die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft Aktiengesellschaft (HÄVG) will die Eine-Milliarde- Euro-Grenze bei dem über die Hausarztverträge des Deutschen Hausärzteverbands generierten Honorarvolumen knacken. 2015 hat die HÄVG das vor Längerem ausgegebene Ziel mit 970 Millionen Euro noch knapp verfehlt.

Im vergangenen Jahr seien die Erwartungen an das Geschäft mit den Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung (HzV) noch nicht erfüllt worden, schreiben Eberhard Mehl und Stephanie Becker-Berke im Vorstandsbericht für 2015.

Sie sehen dafür vor allem zwei Gründe: die "Verweigerung der Krankenkassen zur produktiven Zusammenarbeit" und die Weigerung der Hersteller von Arzt-Informationssystemen, HzV-Module in allen Regionen und für alle bestehenden HzV-Verträge diskriminierungsfrei in der Software zu implementieren.

HzV-Verträge in fast allen Regionen

Die HÄVG setzt nach eigenen Angaben inzwischen in nahezu allen Regionen HzV-Verträge um. "Deutschlandweit und flächendeckend werden aktuell 580 Einzelverträge teilweise auch in großen Kassenverbundverträgen und damit in rund 65 HzV-Verträgen insgesamt umgesetzt", heißt es im Bericht. An den Selektivverträgen nehmen 16.840 Hausärzte teil, die darüber 3,9 Millionen Versicherte versorgen.

2016 soll es weiter aufwärts gehen. "Eine deutliche Zunahme an Ärzten und Versicherten im Rahmen der HzV darf in diesem Jahr bundesweit erwartet werden, da erneut die Anzahl der Verträge und der hieran beteiligten Krankenkassen und damit das Versichertenpotenzial gestiegen ist."

 Auch im Bereich der privaten Krankenversicherer will die HÄVG ihre Aktivitäten ausbauen. Hier kooperiert sie bislang mit der Axa und der Gothaer. "Im Fokus der Geschäftstätigkeit der HÄVG AG ist zudem auch weiterhin der geschlossene Marktauftritt für die Hausärzte zur Schaffung und zum Erhalt der Honorarautonomie auf Selektivvertragsebene", führt der Bericht aus.

Die 2015 über die HzV-Verträge generierten 970 Millionen Euro waren eine Steigerung um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2016 rechnet die HÄVG mit einer weiteren, leicht höheren Steigerung.

Vom Gesamtvolumen kam 2015 mit 472 Millionen Euro fast die Hälfte aus Baden-Württemberg, das war eine Steigerung um 8,6 Prozent. In Bayern erzielten die Hausärzte mit HzV-Verträgen 368 Millionen Euro Honorar, ein Rückgang um 8,2 Prozent. Nordrhein-Westfalen steuerte 95 Millionen Euro bei (plus 42,6 Prozent), Hessen 19,9 Millionen Euro (plus 76,5 Prozent) und Hamburg 6,2 Millionen Euro (plus 60 Prozent). Das Honorarvolumen aus den sonstigen Verträgen nahm um 0,7 Prozent auf 9,0 Millionen Euro ab.

Die HÄVG konnte 2015 ihren Umsatz durch die Verwaltungspauschalen aus den HzV-Verträgen um 7,4 Prozent auf 22,7 Millionen Euro steigern. Die sonstigen betrieblichen Erträge nahmen von 3,6 Millionen Euro auf 6,5 Millionen Euro zu. Gleichzeitig stiegen die Aufwendungen kräftig an. So legten die Personalkosten um 22,1 Prozent auf 6,6 Millionen Euro zu, ins Rechenzentrum flossen mit 6,4 Millionen Euro 8,3 Prozent mehr als 2014.

Deutliches Plus beim Überschuss

Das Unternehmen investiert auch 2016 weiter kräftig. "Durch die flächendeckende Verbreitung der HzV-Verträge ist die Bereitstellung wachsender Kapazitäten und Ressourcen unabdingbare Voraussetzung, um die operative Umsetzung sicherstellen zu können", schreiben Mehl und Becker-Berke. Die HÄVG erzielte 2015 einen Überschuss von 2,7 Millionen Euro, nach 588.000 Euro im Vorjahr.

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