Ärzte Zeitung, 14.09.2016

Privatabrechnung

Nicht nur die richtigen GOÄ-Ziffern zählen

Auch in der Privatabrechnung müssen einige Stellschrauben gedreht werden, damit alles rund läuft und kein Honorar verloren geht. Wie ein gutes Forderungsmanagement aufgebaut ist, erläuterte Rechtsanwältin Ina Mofidi beim Tag der Privatmedizin.

Von Hauke Gerlof

Nicht nur die richtigen GOÄ-Ziffern zählen

Der Behandlungsvertrag ist Beweis dafür, dass der Patient als Privatversicherter behandelt werden will.

© Ralf Dolberg

FRANKFURT/MAIN. Der Deckungsbeitrag durch die Behandlung von Privatpatienten ist in der Regel deutlich höher als bei der Behandlung von gesetzlich Versicherten. Die Begrenzung bei Kassenpatienten ist direkt spürbar: Zusätzliche Leistungen sind aufgrund der Pauschalen häufig gar nicht oder nur mit Einschränkungen abzurechnen.

Doch auch bei der Privatabrechnung gibt es einige Stellschrauben, die wichtig für das Honorar sind, das der Patient am Ende zahlt - und auch für das, was am Ende übrig bleibt.

Auch Faktoren wie die GOÄ-Prüfung tragen zu guten Erträgen bei

"Eine gute Abrechnung bringt einer Praxis im Schnitt zehn Prozent mehr Honorar als eine schlecht organisierte", sagt Ina Mofidi, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Arzt-, Medizin- und Krankenhausrecht und seit 2012 auch stellvertretende Geschäftsführerin der PVS Südwest.

Mofidi denkt dabei gar nicht nur an vergessene Leistungspositionen oder nicht ausgereizte Multiplikatoren. Sie hat vielmehr einen deutlich breiteren Ansatz, beginnend bei der Absicherung gegen Forderungsausfälle, über eine gute Patientenbetreuung auch in der Phase der Abrechnung bis hin zu fundierten statistischen Auswertungen über die Zahlungseingänge.

Aber auch Faktoren wie die Kostenreduktion im Abrechnungsprozess, die Delegation der Abrechnung an geschulte Kräfte, die Rechnungsanalyse und die GOÄ-Prüfung tragen zu guten Erträgen in der Praxis bei, so Mofidi.

Ein altes Ärgerthema für Ärzte

Beim Tag der Privatmedizin in Frankfurt, am 29. Oktober veranstaltet vom Privatärztlichen Bundesverband (PBV), leitet die Rechtsanwältin einen Workshop zum Thema "Praktische Hinweise zur Honorarsteigerung". Eine der wichtigsten Stellschrauben ist für Mofidi das Forderungsmanagement. "Und das fängt nicht erst bei der ersten Mahnung an", betont die Rechtsanwältin im Vorfeld des Kongresses im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Für sie gehören bereits die Vertragsgestaltung mit dem Patienten und die Dokumentation im Vorfeld zur Vorsorge gegen Zahlungsausfälle.

Ein typisches Ärgerthema für Ärzte gehört auch dazu: "Kommt ein Patient ohne Absage nicht zum vereinbarten Termin, hat ein Arzt in der Regel keinen Anspruch auf Verdienstausfall - es sei denn, mit dem Patienten wurde vor Behandlungsbeginn eine Honorarausfallklausel schriftlich vereinbart", erläutert Mofidi.

Gut dran sind Ärzte, die eine Ausfallliste führen

Zum Nachweis müsse der Patient die Vereinbarung unterzeichnen, ein Exemplar ausgehändigt bekommen und die Aushändigung auch schriftlich bestätigen, empfiehlt Mofidi. Ein solches Vorgehen, weiß die Expertin, hängt natürlich auch immer damit zusammen, wie das Verhältnis zum Patienten ist, ob er bekannt ist und ob er beispielsweise frühere Termine eingehalten hat.

"Kommt es dann zum Prozess, muss der Arzt auch noch beweisen, dass er einen Ersatzpatienten gehabt hätte, wenn der Termin rechtzeitig abgesagt worden wäre", so Mofidi weiter. Gut dran seien dann Ärzte, die eine Ausfallliste führen, über die Patienten kurzfristig Termine erhalten können, wenn ein Patient einen Termin absagt.

Patient muss Versichertenstatus offenlegen

Ein weiteres Thema, das sich gleich zu Beginn eines Behandlungsfalls entscheidet, ist der Versichertenstatus. "Ein Patient ist verpflichtet, seinen Versicherungsstatus vor Behandlungsbeginn offen zu legen. Grundsätzlich gilt: Wer sich als Privatpatient vorstellt, erhält eine privatärztliche Abrechnung nach GOÄ", betont Mofidi.

Der schriftliche Behandlungsvertrag, der zu Beginn abzuschließen ist, diene dem Beweis, dass der Patient als Privatversicherter in die Behandlung eingewilligt habe. Nicht zu verwechseln ist der Behandlungsvertrag aber mit einer Honorarvereinbarung.

Eingeschränkte Erstattungspraxis

Auch bei Privatversicherten sei auf den genauen Versicherungsumfang zu achten, erläutert Mofidi. Dies gilt zum einen im Hinblick auf die verschiedenen Tarife und die damit verbundenen Verpflichtungen für den Arzt, aber auch im Hinblick auf das eingeschränkte Erstattungsverhalten einzelner Erstattungsstellen.

Bei der Privatabrechnung sei damit einiges an Formalia zu beachten - für Praxen könne es sich daher lohnen, sich dabei Unterstützung zu holen.

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