Ärzte Zeitung, 30.09.2016

Medikationsplan

Viel Mühe und wenig Geld für Ärzte

Bis zur letzten Minute wurde über den Medikationsplan verhandelt. Das Honorar-Ergebnis ist umstritten. Wie Ärzte, Apotheker und Patienten mit dem neuen Instrument umgehen, wird sich ab kommender Woche zeigen.

Von Christoph Winnat

Viel Mühe und wenig Geld für Ärzte

Eine gute Software ist beim Medikationsplan schon die halbe Miete.

© Stillfx / fotolia.com

BERLIN. Gesetzlich Versicherte, die mindestens drei Medikamente verordnet bekommen, haben ab 1. Oktober dieses Jahres "Anspruch auf Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans in Papierform durch einen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt", wie es in dem einschlägigen Paragrafen 31a Sozialgesetzbuch V heißt.

Laut dieser Gesetzesvorgabe muss der Plan nicht nur alle verordneten Medikamente samt Anwendungshinweise aufführen, sondern auch die Selbstmedikation sowie Medizinprodukte – soweit sie für die Medikation relevant sind. Details zu Form und Inhalt des Medikationsplans hatte die Selbstverwaltung bereits im Frühjahr rahmenvertraglich vereinbart.

163 Millionen Euro sind vorgesehen

Mit der jetzt beschlossenen ärztlichen Vergütung wurde der letzte Baustein zur Einführung des Medikationsplans gesetzt. 163 Millionen Euro sind zunächst über alle Fachgruppen hinweg für die neuen EBM-Ziffern zum Medikationsplan vorgesehen.

Weil diese Ziffern aber extrabudgetär vergütet werden sollen, handele es sich dabei um eine reine Rechengröße, heißt aus der KBV. Wenn das Geld nicht reicht, müsste nachverhandelt werden.

Hausärzte können die Erstellung des Medikationsplans nach der neuen EBM-Position 01630 einmal im Krankheitsfall, also einmal jährlich, mit 39 Punkten berechnen. In Summe sind das nach dem für kommendes Jahr vereinbarten Punktwert von 10,53 Cent knapp 4,11 Euro

Zehn Cent mehr gibt es für Chroniker. So wird künftig quartalsweise der Chronikerpauschale (GOP 03220) einmal im Behandlungsfall von der KV der Zuschlag 03222 (10 Punkte) zugesetzt, – ganz gleich, ob ein Plan erstellt oder aktualisiert wurde oder nicht.

Komplexe Kontaktfrequenz

Die Einzelleistung 01630 und der Zuschlag zur Chronikerpauschale (03222) schließen sich gegenseitig aus. Bei einem Chroniker kann also die Erstellung des Medikationsplans nicht gesondert abgerechnet werden.

Andererseits bringen auch solche Chroniker Geld, die keinen Plan nachfragen – immer vorausgesetzt, die komplexe Kontaktfrequenz, die für den Ansatz der Chronikerpauschale gefordert ist ("4,3,2..."), wurde erfüllt.

Und: Neben dem hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) ist weder die neue Einzelleistung nach GOP 01630 berechnungsfähig noch der auf den Behandlungsfall bezogene Zuschlag 03222.

Lesen Sie dazu auch:
Interview: Einen selbsterklärenden Medikationsplan gibt es nicht

[01.10.2016, 10:36:05]
Carl Scherer 
Noch keine Ziffer 01630 im System
Bei medatixx ist noch keine Ziffer 01630 eingepflegt in der 16.4 .
Die Verhandlungen über die Vergütung kamen ja auch zu spät.
Reguläre Medikationspläne sind ebenfalls noch nicht eingepflegt.
Wohl erst zum März 2017. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

KBV und Psychotherapeuten kritisieren Honorarbeschluss

BERLIN. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am Mittwochnachmittag gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss zur Vergütung der neuen psychotherapeutischen Leistungen gefasst. mehr »