Ärzte Zeitung online, 14.06.2017

POCT

Keine Verpflichtung zu Ringversuchen

Auch beim Point-of-Care-Testing in der Praxis müssen Ärzte die Bestimmungen der Rili-BÄK beachten. Die Teilnahme an Ringversuchen ist allerdings nicht erforderlich.

FRANKFURT/MAIN. Moderne Analytik vergrößert die Möglichkeiten von niedergelassenen Ärzten, Labortests direkt in der Praxis vorzunehmen und auch abzurechnen. Für das sogenannte Point-of-Care-Testing (POCT) sei keine eingehende fachliche Qualifikation erforderlich. Laut Bundesärztekammer sei für die patientennahe Diagnostik keine eingehende medizinisch-technische Qualifikation und Erfahrung auf dem Gebiet der Laboratoriumsmedizin erforderlich, erläuterte Dr. Petra von der Lage vom Diagnostika-Hersteller concile vor Kurzem bei einer Fortbildung nach der Jahreshauptversammlung des Privatärztlichen Bundesverbandes (PBV) in Frankfurt am Main.

Manche Versicherungen lehnten jedoch die Erstattung von patientennah in der Praxis erbrachten Laborleistungen ab. Es könne daher besser sein – je nach den Erfahrungen des Arztes mit Versicherungen –, vorsichtshalber Patienten unterschreiben zu lassen, die Kosten selbst zu übernehmen, falls die Versicherung nicht zahlt, so von der Lage.

Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK) gelte auch für POCT – unabhängig davon, ob über GOÄ oder über EBM abgerechnet werde –, betonte von der Lage.

So sei auch bei sogenannten Unit-Use-Reagenzien, also bei Einzelbestimmungen ohne gesonderte Probenvorbereitung, eine interne Qualitätssicherung durch wöchentliche Messung von Kontrollproben erforderlich. Jedoch gelte die Verpflichtung zur externen Qualitätssicherung über Ringversuche für Untersuchungen mit Unit-Use-Reagenzien im Rahmen der patientennahen Sofortdiagnostik nicht – jedenfalls in Praxen niedergelassener Ärzte sowie bei medizinischen Diensten ohne Zentrallabor.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass im Mittel 57 Prozent der Fehler bei Laboruntersuchungen in der Präanalytik geschehen, etwa durch falsche Mengen oder durch eine ungenügende Kühlung der Proben vor der Analyse. Während der Analyse selbst träten 18 Prozent der Fehler auf, postanalytisch nochmals im Mittel 25 Prozent der Fehler. Das Point-of-Care-Testing habe sich als "eine qualitätsgesicherte und verlässliche Methode für die Praxis" erwiesen, resümierte von der Lage in Frankfurt.

Mit modernen Systemen könnten Ärzte beispielsweise, wenn es erforderlich ist, direkt Laborwerte wie CRP, Neopterin, PSA, fPSA, TSH, Testosteron oder Vitamin D in der Praxis bestimmen und dies auch nach GOÄ abrechnen. Bei neueren Tests müssten GOÄ-Nummern teilweise analog angesetzt werden.

"Bauen Sie Ihre Diagnose aber nicht allein auf einen Wert auf", empfahl die Zellbiologin und Immunologin. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollten immer auch die Anamnese und Ergebnisse anderer Untersuchungen berücksichtigt werden. Im Zweifel sei es manchmal auch sinnvoll, nachzumessen oder doch noch eine Probe ins Labor zu schicken, um dann auf Nummer sicher zu gehen. (ger)

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