Ärzte Zeitung, 26.02.2010

Und so seh‘ ich es

Arbeitsloser Sachverständiger sucht Beschäftigung

Zu Zeiten von Ulla Schmidt gab es im Gesundheitsministerium einen Sachverständigenrat, bestehend aus sieben Mitgliedern, den man deshalb im Ministerium auch augenzwinkernd "Rat der 7 Weisen" nannte. Ab Herbst wurde es still um ihn - nach den Wahlen zum Deutschen Bundestag.

Vor allem einem der Sachverständigen Mitglieder, Professor Gerd Glaeske, schien diese Stille zuletzt jedoch gar nicht gut zu schmecken: Ein arbeitsloser Sachverständiger, das darf doch nicht sein! Zunächst einmal zeigte sich Glaeske überrascht, daraufhin verwundert und letztlich empört - um schlussendlich energisch dagegen zu protestieren, dass Gesundheitsminister Philipp Rösler den Rat immer noch nicht einberufen habe.

Allem Anschein nach hatte er dabei noch gar nicht bemerkt, dass es diesen Rat inzwischen schon längst nicht mehr gibt: Ulla Schmidt und ihr Umfeld sind Vergangenheit, wir haben eine neue Regierung und der frischgebackene Gesundheitsminister hat inzwischen neue Gesichter um sich geschart.

Die sechs anderen Mitglieder des nun ja nicht mehr bestehenden Gremiums waren augenscheinlich nicht so sehr überrascht, dass sie "arbeitslos" wurden - sie haben die Fakten wohl so gesehen, wie sie nun einmal sind - sie sind "Schnee von gestern".

Nicht so Glaeske: Er kann sich offenbar nicht damit abfinden, dass seine Meinung im Gesundheitsministerium möglicherweise nicht mehr so gefragt ist. Philipp Rösler hat ihn nicht nach seinem Wort gefragt, schlimmer noch, er scheint ihn einfach zu ignorieren.

Doch macht nichts! Man kann sich ja auch "einfach so" äußern. Ergo gibt er dem Gesundheitsminister halt ungefragt seine Ratschläge und empfiehlt diesem in der Rhein-Zeitung vom 19. Februar 2010 gleichsam frei Haus: "Wenn Rösler die Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung senken will, muss er sich mit der Pharmaindustrie anlegen", und weiter: Der Minister "müsse die Kassen stärken und die gesetzlichen Privilegien für die Einführung neuer Medikamente kippen". Weisheiten, die weder neu noch umwerfend sind.

Ob Philipp Rösler für dieses Vademecum dankbar ist, sei dahingestellt. Der jetzige Gesundheitsminister wird selbst wissen, wie er zu agieren hat. Wobei sich der gute Ratgeber ja bereits zu Zeiten, als Ulla Schmidt noch Gesundheitsministerin war, stets sehr um das Wohl und Wehe der Krankenkassen besorgt gezeigt hatte, damals, als er als gesundheitspolitischer Ratgeber noch nicht "arbeitslos" war. Damals allerdings wagte keiner, das Wort vom "Lobbyisten" in den Mund zu nehmen - meint

Ihr Ironius

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