Ärzte Zeitung, 01.04.2010

Und so seh‘ ich es

Kein schönes Extra-Osterei für Hochschuldozenten

Welch' vorausschauende Regierung wir doch haben! Sogar die Notwendigkeit, in Bildung zu investieren, ist ihr bewusst. Damit unsere Zukunft gesichert sei ...

Und sage keiner, dass sie nichts tut. Obwohl uns eine Milliarden-Schuldenlast drückt, ist es Bundesbildungsministerin Anette Schavan gelungen, Finanzminister Wolfgang Schäuble zu einem Extragriff ins Bundessparbudget zu bewegen - 1,5 Milliarden Euro sind zusätzlich für die Hochschulen bewilligt worden. Hut ab, Frau Ministerin - gut gemacht!

Doch es scheint so, als sei dieses Extra-Osterei nur für die Exzellenzuniversitäten gedacht. Jedenfalls könnte man auf diesen Gedanken bei einem Stellenangebot des Fachbereichs "Sozialwissenschaften" der Technischen Universität Kaiserslautern kommen (einer Nicht-Exzellenzuniversität).

Dort wird gerade jemand kurzfristig für eine halbe Professur-Vertretung für Sommer 2010 gesucht. Es geht offenbar um die Vorlesung "Einführung in das politische System der Bundesrepublik" sowie ein Hauptseminar "Innenpolitik/Vergleichende Regierungslehre". In beiden Fällen könne man drei Semesterwochenstunden abrechnen, zwei für die Veranstaltung selbst, eine für den Prüfungsaufwand, heißt es.

Honoriert werden sollen diese Aufträge auch. Allerdings zeigen sich die Pfälzer nicht von ihrer großzügigen vorösterlichen Schokoladenseite, sondern geben sich - vielleicht motiviert noch von den harten sieben Wochen der Fastenzeit nach Aschermittwoch - eher asketisch. Denn anders lässt sich ein solches Angebot kaum verstehen: Für die Vorlesung pro Stunde 30 Euro, für das Seminar pro Stunde 21,40 Euro, Fahrtkosten, kaum zu glauben, sogar extra!!! Die Vorbereitung für diese Formen der universitären Lehre - oder sollte man da etwa doch Leere sagen? - lässt sich vielleicht während der Anfahrt erledigen, meinen möglicherweise die Urheber des Stellenangebots.

Von welchen Zwängen die Technische Universität Kaiserslautern getrieben wird, wissen wir nicht, jedenfalls gibt es offenbar keinen Überfluss an Geld. Aber wie dem auch sei: Bei diesem Honorar wird sich der Fachbereich "Sozialwissenschaften" der TU vor dem Ansturm der Bewerber wahrscheinlich kaum retten können, die Dozenten werden Schlange um den Job stehen! Und die Verantwortlichen beweisen mit einem solchen Angebot, wie sehr ihnen die Qualität ihrer Veranstaltungen am Herzen liegt. Wir erfahren möglicherweise aber auch mehr als ihnen lieb sein dürfte über ihre Wertschätzung politischer Themen und der Lehre.

Oder sollte das Ganze nur ein unfreiwilliger vorzeitiger Aprilscherz gewesen sein? Das fragt sich

Ihr Ironius

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