Ärzte Zeitung, 20.04.2011

Hausärzte gefragt - Uni untersucht Alltag in der Praxis

WITTEN (iss). Wissenschaftler des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke wollen herausfinden, ob gezielte Schulungen von Hausärzten und Medizinischen Fachangestellten helfen können, die Versorgung von älteren Patienten mit Medikamenten zu verbessern.

Im Mittelpunkt der Untersuchung wird die so genannte Priscus-Liste stehen, die potenziell inadäquate Arzneimittel für ältere Menschen auflistet. Die Studie ist eine von mehreren randomisierten kontrollierten Studien, für die das Institut Geld vom Bundesforschungsministerium (BMBF)zugesagt bekommen hat.

Das Projekt ist Teil des Forschungsverbunds "Priscus II". "Ziel ist die Entwicklung eines Modells für die gesundheitliche Versorgung von älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen", sagte Institutsleiter Professor Stefan Wilm beim "7. Tag der Forschung in der Hausarztpraxis" in Witten.

In die Untersuchung sollen 140 Hausärzte und 1680 Patienten in Hannover und Witten einbezogen werden. Ein Teil der Praxen wird im Umgang mit der Priscus-Liste geschult. Danach wird erhoben, ob der Anteil unangemessener Medikationen sinkt. "Das pharmakologische Wissen der Hausärzte ist leider immer noch begrenzt", sagte Wilm. Das Institut sucht Hausarztpraxen, die sich beteiligen wollen.

Das gilt auch für ein weiteres Vorhaben des Hauses. Dabei soll mit 15 Hausärzten und 210 Patienten in Witten die Wirkung eines von Sporttherapeuten begleiteten Bewegungsprogramms getestet werden. Im Zentrum steht die Frage, ob das Angebot Kraft und Bewegungsfunktionen von über 70-jährigen eingeschränkt mobilen Patienten verbessert.

Eine weitere Studie an den Universitäten Rostock, Düsseldorf und Witten/Herdecke wird nach Angaben von Wilm der Frage nachgehen, ob in Gesprächsführung geschulte Hausärzte dazu beitragen können, die Stoffwechselsituation von schlecht eingestellten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zu verbessern. An der Untersuchung sollen sich insgesamt 60 Hausärzte und 780 Patienten beteiligen.

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