Donnerstag, 23. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 28.01.2013

Waldfonds

Ökologisch wertvoll und rentabel

Immer mehr nachhaltig orientierte Anleger setzen auf Waldfonds. Doch die grünen Investments sind nicht ohne Risiken. So lassen sich Wälder zum Beispiel nicht gegen Naturkatastrophen versichern.

Von Richard Haimann

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Wertvolle Fracht: Holz gilt als Renditeobjekt, vor allem, wenn es schnell nachwächst. Auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten werden Waldfonds bei den Anlegern daher immer beliebter.

© Guido Thomasi/ Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Waldfonds werden bei den Anlegern immer beliebter, weil sie attraktive Renditen bei gutem Gewissen versprechen.

Allerdings sollte genau darauf geachtet werden, in welchen Regionen die Beteiligungsmodelle Forsten erwerben - denn der Klimawandel hat erheblichen Einfluss auf das langfristige Wachstum der Bäume.

Erst vor wenigen Jahren hatten einige kleine Emissionshäuser begonnen, Waldfonds aufzulegen. Zu den Vorreitern zählt der Freiburger Initiator Querdenker, den der Gründer des Öko-Versandhandels Waschbär, Leo Pröstel, ins Leben gerufen hat.

Inzwischen tummeln sich auch große namhafte Anbieter geschlossener Fonds wie Jamestown und Nordcapital in diesem Segment. Mehr als 100 Millionen Euro haben Initiatoren in den vergangenen beiden Jahren für diese Beteiligungsmodelle eingesammelt.

Das Geschäftsmodell scheint simpel: Die Bäume werden sukzessive gefällt, das Holz verkauft, die gerodeten Waldflächen wieder aufgeforstet, um irgendwann erneut Ernte zu halten.

Ausschüttungen von über sechs Prozent wollen die Anbieter so im Schnitt pro Jahr für ihre Kunden erzielen. 6,6 Prozent pro Jahr stellt Querdenker in Aussicht. "Die Renditeprognose ist vorsichtig kalkuliert", sagt Geschäftsführer Leo Pröstler.

"Wenn die Holzpreise wie in Fachkreisen erwartet überproportional steigen, kann sie auch deutlich höher ausfallen."

Gute Renditeaussichten

In jedem Fall können sich Zeichner eines guten Gewissens erfreuen. Bäume wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff. Forsten sind Refugien für zahlreiche Tierarten.

"Anleger, die nicht nur Renditen erzielen, sondern auch einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten wollen, fühlen sich von solchen Fonds angesprochen", sagt Markus Lentz, Analyst der Ratingagentur Scope.

Zudem seien die Renditeaussichten gut. "Während andere Sachwerte wie Immobilien, Schiffe und Flugzeuge mit der Zeit an Wert verlieren, können Forstgrundstücke durch die steigende Nachfrage nach Holz an Wert gewinnen", so Lentz weiter.

Allerdings sollten Anleger darauf achten, wo die Emissionshäuser Forstgrundstücke erwerben. Dies gilt insbesondere für Europa. Denn nach einer Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) wird der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten bei mitteleuropäischen Forsten zu Verlusten von 680 Milliarden Euro führen.

Hingegen sollen skandinavische Wälder Wertsteigerungen von mehr als 150 Milliarden Euro erfahren. Der Studie zufolge wird der Klimawandel die Wachstumsbedingungen für Wälder in Mitteleuropa durch steigende Temperaturen und geringere Niederschläge massiv verschlechtern.

Bedrohung auch durch Holzdiebstahl

"An Kälte und mäßige Feuchte angepasste Baumarten wie die Fichte, die heute einen großen Teil des wirtschaftlichen Werts der Wälder in Europa ausmachen, werden ihre großflächige Verbreitung langfristig verkleinern", schreiben die Forscher.

Dafür würden diese schnell wachsenden, besonders ertragreichen Baumarten in Skandinavien künftig immer besser gedeihen. Hingegen würden die an Trockenheit gewöhnten mediterranen Arten wie die Kork- und Steineiche immer weiter nach Mitteleuropa vordringen.

Weil diese Bäume nur sehr langsam wachsen, würden die erzielbaren Erträge aus diesen Forsten kontinuierlich schrumpfen - und damit auch der Wert der Flächen.

Das ist nicht das einzige Risiko, das Anleger eingehen. Forsten lassen sich nicht gegen Naturkatastrophen versichern.

"Extreme Witterungseinflüsse wie Wirbelstürme, Überschwemmungen Erdbeben oder erheblicher Schädlingsbefall" könnten die Forstflächen vernichten, auch Waldbrände oder Holzdiebstahl den Anlegeerfolg gefährden, schreibt Pröstler im Querdenker-Emissionsprospekt.

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Richard Haimann (236)
[15.02.2013, 09:24:49]
Steffen Glasser 
Erwerbbare Waldfonds mit Kerndaten
Die Waldfonds der erwähnten Nordcapital und Jamestown sind leider seit Sommer 2012 platziert und geschlossen.
Noch erwerbbar sind der erwähnte Querdenker-Fonds sowie der Pure Forest-
und Kiri-Waldfonds. Die Mindestinvestmentsumme der drei Waldfonds beträgt 5.000 Euro, zuzüglich 5 Prozent Agio bzw. 6 Prozent „Mehrwertausgleich“ beim Querdenker-Fonds. Dessen Laufzeit ist mit 25 Jahren rund doppelt so lange, wie beim Kiri- und Pure Forest-Waldfonds.
Beim Querdenker-Waldfonds erhalten Anleger laut Prognose zudem über 95% der Ausschüttungen erst ab dem Jahr 23. Wie der Kirifonds ist er ein Blindpool-Fonds, d.h. die Flächen sind noch nicht erworben oder gepachtet. Beim Pure Forest –Fonds wurden die älteren Teakplantagen bereits erworben, zudem entfällt das Platzierungsrisiko, da der Mindestbetrag überschritten wurde.
Der Kirifonds investiert in eine neuartige Baumsorte in Deutschland,der Pure Forest-Waldfonds in bestehende altersgemischte Teakplantagenbestände in Panama.

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