Ärzte Zeitung, 17.06.2016

Tierversuche

Noch geht es in der Forschung nicht ohne

Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren hat Genomdaten von Mensch und Mausmodellen mit einer neuen Methode verglichen.

BERLIN. Sind Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragbar? Diese Frage wird immer wieder, mitunter auch kontrovers, diskutiert. Wissenschaftler am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben nun mit einem neuartigen Ansatz Datensätze zu Inflammationsprozessen beim Menschen und bei Mäusen ausgewertet und systematisch miteinander verglichen.

Bestimmte Mausmodelle korrelieren dabei laut BfR sehr gut mit den meisten Studien am Menschen, andere hingegen nicht. "Die Ergebnisse zeigen, dass gezielte Forschung erforderlich ist, um das optimale Tiermodell für die jeweilige Fragestellung zu identifizieren", verdeutlicht BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. "Allerdings gilt nach wie vor: Wo immer es zuverlässige Alternativmethoden gibt, müssen diese anstelle der Tierversuche angewendet werden", ergänzt er. Mit dem Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) fördere das BfR die Entwicklung, Validierung und den Einsatz alternativer Tierversuchsmethoden.

Ein internationales Forschungskonsortium folgerte laut BfR 2013 auf Basis umfangreicher Genomdaten, dass Entzündungsreaktionen von Mensch und Maus nicht vergleichbar seien. Die Forscher untersuchten Folgen unterschiedlicher Auslöser von Entzündungen auf die Genaktivität und verglichen die Informationen der Ribonukleinsäure von weißen Blutkörperchen bei Mensch und Maus aus mehreren wissenschaftlichen Studien. Erstmals sei auf Basis umfangreicher Genomdaten die Aussage getroffen worden, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht unbedingt auf Menschen übertragbar seien.

Am Bf3R seien diese Genomdaten nochmals unter Verwendung der Gene Set Enrichment Analysis-Methode untersucht worden. Die Analysen zeigten, dass im Falle von Entzündungen die Reaktionen bei einigen Mausmodellen sehr gut mit den Daten übereinstimmten, die beim Menschen ermittelt wurden, bei anderen Mausmodellen hingegen nicht. Eine derartige Datenanalyse ist somit geeignet, das geeignetste Tiermodell für die jeweils zu untersuchende Fragestellung auszuwählen, so das BfR. (maw)

[27.06.2016, 13:20:25]
Cornelia Dölling 
Frau Eva Sieg aus Köln schrieb uns folgenden Leserkommentar
Guten Tag und Hallo,
ich las den Artikel, vom 17.06. „Noch geht es in der Forschung nicht ohne“. Der Satz:“ Bestimmte Mausmodelle korrelieren dabei laut BfR sehr gut mit den meisten Studien am Menschen, andere hingegen nicht.“,sagt eigentlich alles. …das andere hingegen nicht steht auch für 58.000 Tote allein in Deutschland jährlich, die an Medikamentennebenwirkungen sterben, obwohl tierversuchsgetestet und für „gut“ befunden. Übrigens hat eine USA-Studie (Frühjahr 2013) bewiesen, dass gerade das Mausmodell nicht auf den Menschen übertragbar ist! Komisch, dass Ärzte und Wissenschaftler das nicht mitbekommen haben.

Lieben Gruß
Eva Sieg aus Köln
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »