Ärzte Zeitung, 26.01.2016

Berlin und Brandenburg

Weniger Verdachtsfälle auf Pfusch

Die Techniker Krankenkasse erhielt 2015 weniger Meldungen über vermeintliche Behandlungsfehler von Patienten.

BERLIN / POTSDAM.Im vergangenen Jahr meldeten sich 326 Berliner und 94 Brandenburger bei der Techniker Krankenkasse (TK), weil sie vermuteten, von ihrem Arzt nicht fachgerecht behandelt worden zu sein.

Nach Angaben der TK ging damit die Zahl der Verdachtsfälle im Vergleich zum Jahr 2014 zurück: in Brandenburg um acht Prozent (2014: 102 Fälle) und in Berlin um 22 Prozent (rund 420 Fälle).

Anlässlich der Veröffentlichung dieser Zahlen fordert die TK eine raschere Aufklärung und Bearbeitung vermeintlicher ärztlicher Fehler.

"Leider dauert das Verfahren zur Feststellung eines möglichen Behandlungsfehlers viel zu lange", sagt Christian Soltau, Medizinrechtsexperte bei der TK.

Eine stichprobenhafte Erhebung unter 100 Fällen habe ergeben, dass jeder fünfte Patient länger als zehn Jahre warten musste, bis der Schaden reguliert wurde. Bei jedem dritten Vorgang wurden drei oder mehr Gutachten erstellt.

Nicht jeder Verdachtsfall entpuppt sich als Fehler

"Die Menschen brauchen schneller Hilfe, denn bei schweren Fällen können sie nach einem Behandlungsfehler häufig nicht mehr arbeiten und sind in ihrer Existenz bedroht", so Soltau.

Ärzten müsse von der Haftpflichtversicherung die Möglichkeit gegeben werden, einen Fehler zugeben zu dürfen, ohne gleich ihre Deckungsansprüche zu verlieren.

Notwendig sei, Verzögerungstaktiken seitens der Haftpflichtversicherungen zu verhindern.

Generell rät die TK Patienten, den Arzt direkt auf mögliche Fehler in der Behandlung anzusprechen. "Längst nicht jeder Verdachtsfall entpuppt sich tatsächlich als Fehler", sagt Soltau.

Oft handele es sich um einen schicksalhaften Verlauf der Krankheit, der für Patienten aber nur schwer erkennbar sei.

Die TK geht davon aus, dass nicht alle vermeintlichen Behandlungsfehler gemeldet werden und somit noch eine Dunkelziffer existiert.

Ein Grund dafür könne sein, dass Patienten nicht wissen, an wen sie sich in diesen Fällen wenden können. (juk)

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