Ärzte Zeitung, 22.05.2013

Hausbesuche

Assistentinnen nicht nach EBM bezahlt

Praxisassistentinnen sollen Ärzte entlasten. In Niedersachsen wird über die Vergütung diskutiert.

HANNOVER. Erstmals wurden in Niedersachsen 20 Arzthelferinnen zu nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen (NÄPA) ausgebildet. Jetzt sollen sie im ländlichen Landkreis Emsland ihre Chefs entlasten.

"In diesem Umfang ist das Projekt einmalig in Deutschland", sagt Dr. Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen. Er kann sich vorstellen, dass viele NÄPA den künftigen Mangel an Hausärzten abfedern könnten.

"Wir könnten locker sofort einen neuen Kurs im Emsland füllen", erklärt er. Gerade in ländlichen Gebieten wäre das in Zukunft dringend nötig. In Niedersachsen seien derzeit gut 400 Hausarztstellen unbesetzt, so Voigt. Aber - wer zahlt?

Das Modell NÄPA stamme von der Bundesärztekammer und werde in Niedersachsen nun erstmals in größerem Umfang eingesetzt. Der Aufwand ist erheblich. Die Fortbildung zur NÄPA umfasst 270 Stunden und kostet 1500 Euro.

Die Kosten werden in Niedersachsen zum Teil aus EU-Mitteln vom Land bezahlt ("IWiN - Individuelle Weiterbildung in Niedersachsen") und zu einem Drittel vom Praxischef, erklärt Voigt. "Es geht hier klar um Delegation von ärztlichen Leistungen wie die Betreuung geriatrischer Patienten, um Wundversorgung oder auch palliativmedizinische Anteile", betont er, "nicht aber um die Substitution ärztlicher Kompetenzen."

Bezirk muss unterversorgt sein

Aber einen Haken hat der Plan: "Wenn Praxismitarbeiterinnen auf Hausbesuch fahren, werden sie nicht nach EBM bezahlt, solange der Bezirk bei Hausärzten nicht als unterversorgt gilt", kritisiert Voigt.

Als hausärztlich unterversorgt gilt ein Bezirk, wenn der Versorgungsgrad mehr als 25 Prozent unter der Planungsziffer liegt. Dies erfüllt in Niedersachsen derzeit kein einziger Bezirk. Insgesamt liegen acht von 44 Kreisen unter 90 Prozent Versorgungsgrad bei der hausärztlichen Versorgung.

Für Hausbesuche von NÄPA würden rund fünf Euro gezahlt, so Voigt. Mit dem EBM wären es 17 Euro pro Besuch.

Die AOK Niedersachsen wäre wohl zu einem Modellprojekt bereit, hieß es, aber grundsätzlich seien die Kassen sehr zurückhaltend, sagt Voigt: "Wir wollen auch schon nach EBM abrechnen können, wenn Untersorgung zwar noch nicht eingetreten ist, aber droht einzutreten."

"Unter 90 Prozent wird es kritisch", sagt Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen. Am schlechtesten ist der Heidekreis mit Hausärzten versorgt (Versorgungsgrad 81 Prozent). Einige andere Kreise gelten nominell als deutlich überversorgt wie Northeim mit 130 Prozent. (cben)

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