Ärzte Zeitung, 15.07.2013

Ärzte, Pflegekräfte, MFA

Die Zeichen stehen auf Kooperation

Ärzte werden sich auf ihre Kernkompetenz fokussieren, MFA und Pflegekräfte sollen weitere Aufgaben übernehmen. Ist das wirklich die Versorgung der Zukunft?

Von Dirk Schnack

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Sieht so die Zukunft aus? Schon heute entlasten qualifizierte Medizinische Fachangestellte Ärzte bei Hausbesuchen. In der Zusammenarbeit der Berufsgruppen sehen Experten noch mehr Potenzial.

© Geller / fotolia.com

KIEL. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen streben alle an - über den Weg dorthin wird aber gestritten. Bei einer Diskussionsrunde der Kieler Hermann-Ehlers-Stiftung wurde deutlich, dass Experten massive Veränderungen erwarten.

"Wir werden in einigen Jahren Gesundheitsberufe kennen, von denen wir heute noch keine Ahnung haben", sagte Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann.

Entsprechend stark wird sich nach seiner Prognose auch die Kooperation zwischen Ärzten und anderen Gesundheitsberufen verändern. Zu Nachteilen für Ärzte wird dies nicht führen.

"Unser Beruf wird aufgewertet, weil Ärzte sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können", erwartet Bartmann. Er verwies auf Erfahrungen in der Schweiz, wo Anrufer mit medizinischen Problemen durch ein Call-Center gefiltert werden und viele keinen Arzt als Ansprechpartner benötigen.

Potenzial gilt es auch beim Einsatz der Medizinischen Fachangestellten (MFA) zu heben, meint Schleswig-Holsteins KV-Vorsitzende Dr. Monika Schliffke. Diese Berufsgruppe könnte nach ihrer Einschätzung beim Patientenkontakt auch außerhalb der Praxis intensiver eingesetzt werden.

"Das jahrelange Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und MFA ist eine gute Basis dafür", sagte Schliffke. Fest steht für sie, dass aufgrund der steigenden Nachfrage nach medizinischen Leistungen neue Ideen gefordert sind: "Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren."

Über neue Rollen nachdenken

Welche Rolle die Pflegeberufe zwischen Kooperation, Delegation und Substitution einnehmen werden, wird unterschiedlich gesehen. Sabine Schmidt, Pflegeleiterin im Städtischen Krankenhaus Kiel, hält zunächst eine Grundausbildung mit anschließender Spezialisierung für sinnvoll.

Sie warnte vor "Gleichmacherei" in der Pflege: "Es gibt Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Ausbildungen."

Dazu gehören auch Pflegeangestellte, die eine akademische Ausbildung anstreben. Das können sich rund 20 Prozent der Beschäftigten in der Pflege vorstellen, gab Professor Sascha Köpke, Leiter der Sektion Forschung und Lehre in der Pflege an der Uni Lübeck, an.

Er forderte wie Schmidt, unterschiedliche Aufgabenbereiche in der Pflege zu definieren. Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sieht in der Akademisierung der Pflege keinen Vorteil für den Patienten.

Er warnte in diesem Zusammenhang vor Pflegeberufen erster und zweiter Klasse und vor einer Spaltung der Berufsgruppe.

Einig waren sich die beiden Kammerpräsidenten Bartmann und Windhorst in der Herangehensweise an die Aufgabenteilung zwischen den Berufen: "Die Aufgabenverteilung muss immer von Patientenseite her gesehen werden."

Für die Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium, Anette Langner (SPD), resultierte aus der Diskussion die Erkenntnis: "Alle müssen aufeinander zugehen und über neue Rollen nachdenken."

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