Ärzte Zeitung, 29.10.2013

Viele Chroniker finden es gut

Von Agnes verarzten lassen

Überraschend hoher Anteil der Befragten kann sich die Versorgung durch eine nicht-ärztliche Fachkraft vorstellen, zeigt eine Umfrage.

Von Angela Mißlbeck

Von Agnes verarzten lassen

Chronisch kranke Patienten schätzen die Betreuung durch eine qualifizierte nicht-ärztliche Fachkraft, zeigt eine Umfrage.

© Alexander Raths / fotolia.com

BERLIN. Die arztentlastenden Fachkräfte Agnes, VERAH und Co. genießen das Vertrauen ihrer Patienten. Das zeigt eine Umfrage des Gesundheitsmonitors von Barmer GEK und Bertelsmann-Stiftung.

Chronisch kranke Patienten in den östlichen Bundesländern zeigen sich aufgeschlossen für eine Behandlung durch nicht-ärztliche Praxisassistentinnen wie "Agnes Zwei" oder VERAH.

Das hat die Umfrage unter 834 Versicherten der Barmer GEK aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit Diagnosen zu Diabetes, Hypertonie oder chronischen Wunden gezeigt.

Diese Patientengruppen wurden ausgewählt, weil für sie delegationsfähige Leistungen im Rahmen von Modellvorhaben erbracht werden dürfen.

Mit Vorerfahrung aufgeschlossener

Die Umfrage zeigte in Teilen signifikante Unterschiede zwischen Patienten mit Vorerfahrungen und solchen, die noch nicht von einer "Agnes Zwei" oder VERAH behandelt worden sind.

"Wenn man Erfahrung hat, dann vertraut man auch den Gesundheitsfachkräften", sagte Barmer GEK-Vize Dr. Rolf-Ulrich Schlenker bei einem Kongress in Berlin.

So bekundeten 79 Prozent der Befragten mit Vorerfahrungen - aber nur 57 Prozent ohne Vorerfahrung -, dass sie generell bereit sind, sich von Angehörigen anderer Gesundheitsberufe anstelle eines Arztes versorgen zu lassen.

Ähnlich deutlich waren die Unterschiede der Patientengruppen in ihren politischen Voten: Überzeugt, dass die Übertragung von ärztlichen Tätigkeiten auf speziell ausgebildete Gesundheitsfachberufe Wartezeiten verkürzen kann, zeigten sich 72 Prozent der Patienten mit Vorerfahrung und 58 Prozent ohne.

Delegationsregelungen sollten ausgeweitet werden

Für eine Ausweitung der Voraussetzungen zur Übertragung der Heilkunde sprachen sich 62 Prozent der erfahrenen Patienten aus. Unter den Patienten ohne Vorerfahrung waren es nur 49 Prozent.

Insgesamt vertraten jedoch rund zwei Drittel die Auffassung, dass die speziell ausgebildeten Fachkräfte weitere Aufgaben übernehmen könnten, darunter die Information und Beratung über zuvor gestellte ärztliche Diagnosen (68 Prozent), die Veranlassung von Überweisungen (69 Prozent), die Ausstellung von bestimmten Rezepten (66 Prozent) und die Erstellung eines Therapieplans (64 Prozent).

Angesichts dieser Ergebnisse forderte Schlenker, dass die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe aufgewertet und die Delegationsregelungen ausgeweitet werden sollten. "Arzt und Agnes, wir brauchen beide", sagte er.

Auch die Qualität der einzelnen Aspekte einer Behandlung durch "Agnes Zwei" oder VERAH schätzten die Patienten insgesamt überwiegend positiv ein.

Gespräch geschätzt

Selbst beim medizinischen Fachwissen attestierte mehr als die Hälfte der Befragten den Assistentinnen eine mindestens gleich gute Qualität wie Ärzten. "Besonders geschätzt wurde das Gespräch. Das überrascht nicht", sagte Schlenker.

Die Ausführlichkeit der Beratung bewerteten 49 Prozent als gleich gut und 43 Prozent als besser als beim Arzt.

Beim Eingehen auf Fragen und der Verständlichkeit der Information attestierten 57 Prozent den Gesundheitsfachkräften gleich gute und 31 Prozent sogar bessere Leistungen als Ärzten.

Von Agnes verarzten lassen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Massive Technik-Pannen behindern Ärztetag

Nicht einsehbare Anträge, verschobene Abstimmungen: Technische Probleme machen Delegierten und Journalisten gestern unmd heute auf dem Ärztetag arg zu schaffen. mehr »