Ärzte Zeitung online, 12.12.2013

Brandenburg

Eine App für "Agnes Zwei"

In Brandenburg sollen AgnesZwei-Kräfte mit Tablet auf Hausbesuch fahren. Die passende App steht kurz vorm Rollout.

BERLIN / TELTOW. "Agnes Zwei" soll in Brandenburg ab 2014 mit einem Tablet-PC zu ihren Hausbesuchen nach dem Delegationsprinzip fahren.

Der Rollout von Version 1.0 einer extra dafür entwickelten App ist nach Angaben der Technischen Universität Berlin (TU) für das erste Halbjahr 2014 geplant.

Die Software wurde im Rahmen der Kooperation "Kompetenzzentrum digitale Präventionsassistenz" (KoPrA) zwischen AOK-Bundesverband, AOK Nordost und TU entwickelt. Bis Mitte November haben sechs "Agnes Zwei"-Kräfte die App in einem Feldtest erprobt.

"Die Rückmeldungen sind überraschend gut", so Dr. Andreas Rieger von der TU. Eine der Fallmanagerinnen hatte nach seinen Angaben keine Vorerfahrung mit der Nutzung von Smartphones oder Tablets, doch auch sie sei gut damit zurecht gekommen.

Auch die AOK gibt an, dass die Fachkräfte durchgehend positive Rückmeldungen gegeben hätten, unter anderem zum Einsatz der App als Arbeitsmittel. Sie lobten laut Kasse vor allem die leichte Handhabbarkeit.

In die Entwicklung der App wurden auch "Agnes Zwei"-Kräfte einbezogen

Das Konzept für die App hat die TU auf der Basis von Workshops mit der AOK, Ärzten, "Agnes Zwei"-Kräften und auf Basis der Begleitung und Befragung der Nutzerinnen entwickelt.

Dabei sei die Entscheidung für ein Android-Tablet gefallen, weil es günstiger und unabhängiger sei als iPads - ohne funktionelle Nachteile, so Rieger.

Die App enthält rund um die Patientenverwaltung einen Kalender, Kontakte, elektronisch hinterlegte Formulare und Extras wie eine Druckeranbindung oder die Synchronisierung mit der Praxissoftware.

Hier liegt allerdings der Knackpunkt: Die Anbindung an die Arztsoftware "funktioniert noch nicht immer", wie Rieger Ende Oktober mitteilte. Eine Nutzung der herkömmlichen Abrechnungsschnittstelle erwies sich laut TU als zu teuer und nicht praktikabel.

Eine Gevko-S3C-Schnittstelle soll das Problem perspektivisch lösen und einen automatischen Datenaustausch mit Arztinformationssystemen ermöglichen.

Auch Wunddokukmentation kann über die App stattfinden

Die Patientendatenverwaltung der App erlaubt, dass ein Bild des Patienten hinterlegt wird - vorausgesetzt der Patient stimmt zu. Dabei enthält die Patientenakte die zuletzt erfassten Daten.

Zentrale Funktionen sind Auftragsbogen, Anmerkungen, Sozialanamnese, Besuchsdoku und eine Foto-Galerie, in der zum Beispiel auch eine Wunddokumentation erfolgen kann. Für die Diagnoseeingabe sind die ICD-10-Codes hinterlegt sowie ein Bogen zur Sturzanamnese.

Funktionen für das Hilfsmittel- und Medikamentenmanagement sind ebenfalls vorgesehen. Wurden mit einem Patienten bestimmte Vereinbarungen getroffen, kann außerdem eine Erinnerungsfunktion genutzt werden.

Die gesamten Inhalte der App sind passwortgeschützt. "Wenn AgnesZwei ihr Passwort vergisst, sind die Daten nicht mehr herstellbar", sagte Rieger.

Eine Internetanbindung ist zwar möglich, aber nicht als Standard vorgesehen. Das begründete Rieger damit, dass in den strukturschwachen Einsatzregionen der App ohnehin teilweise kein mobiler Internetzugang möglich ist.

Die Hardwarekosten für den Feldtest wurden im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft IGiB (Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg) von AOK Nordost, BarmerGEK und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Brandenburg finanziert. Welche Kosten künftig von wem übernommen werden, stimmen die IGiB-Partner laut AOK noch ab. (ami)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »