Ärzte Zeitung online, 10.01.2014

Azubi-Gehälter

MFA holen langsam auf

Trotz der Tariferhöhung im September: Die Azubi-Gehälter für MFA liegen im Vergleich mit anderen Branchen weiterhin im unteren Mittelfeld.

Von Rebekka Höhl

MFA holen langsam auf

Nachgerechnet: Mit ihren im Schnitt 683 Euro Azubi-Vergütung liegen MFA rund 150 Euro unter den Azubi-Gehältern, die Industrie und Handel im Durchschnitt zahlen.

© Robert Kneschke / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Bei durchschnittlich 761 Euro lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen in 2013 in Deutschland. Das waren 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr (730 Euro).

Die Auszubildenden zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) haben sich insbesondere mit dem neuen Tarifvertrag zwar diesem Durchschnittswert ein gutes Stück angenähert, dennoch erreichten die Tarifgehälter der Azubis in den Praxen auch im vergangenen Jahr mit im Schnitt 683 Euro im Vergleich mit anderen Branchen wieder nur das untere Mittelfeld.

Spitzenreiter erreichen über 900 Euro

Denn die Spitzenreiter bei der Ausbildungsvergütung kommen auf Gehälter von über 900 Euro im Monat. Das zeigt die aktuelle Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Die Grundlage der Ausbildung bilden jeweils rund 500 Vergütungsvereinbarungen aus den gemessen an den Beschäftigtenzahlen größten Tarifbereichen Deutschlands. Die Angaben werden dem BiBB jeweils vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Verfügung gestellt.

Und danach kamen Maurer - zumindest in Westdeutschland - auf eine Ausbildungsvergütung von 999 Euro. In den neuen Bundesländern erhielten sie hingegen nur 803 Euro.

Wobei es sich hier um die Durchschnittswerte durch alle Ausbildungsjahre hinweg handelt. Auf Platz zwei in Westdeutschland befinden sich die Mechatroniker mit 938 Euro pro Monat.

Platz drei teilen sich die Kaufleute für Versicherungen und Finanzen sowie die Industriemechaniker mit 935 Euro im Monat.

In den neuen Bundesländern sieht das Bild ein wenig anders aus - denn nach wie vor gibt es in einigen Berufen deutliche Unterschiede bei der Vergütung zwischen Ost und West.

Hier liegen die Kaufleute für Versicherungen und Finanzen mit einer Ausbildungsvergütung von 935 Euro vorne, gefolgt von den Mechatronikern mit 921 Euro und den Medientechnologen in Druck mit 905 Euro.

Immerhin: Praxen zahlen 5 Prozent mehr

Die Tarifparteien der MFA sind vielen Branchen hier einen Schritt voraus: Die Unterschiede bei den Gehältern zwischen alten und neuen Bundesländern wurden bereits 2007 aufgehoben.

Zwar nicht bei den Azubis, aber je nach Tätigkeitsgruppe mussten die Praxischefs damals durch die Anpassung im Osten zum Teil Erhöhungen von 20 Prozent und mehr hinnehmen.

Dass sich der neue Gehaltstarifvertrag, der zwar rückwirkend zum 1. April 2013 in Kraft getreten ist, und den Azubis je nach Ausbildungsjahr ein Gehaltsplus von 4,2 bis 5 Prozent bringt, bei der aktuellen BiBB-Auswertung noch nicht voll auswirken kann, liegt daran, dass die Gehaltserhöhung tatsächlich erst zum September kam.

Seither bekommen die Azubis zur MFA in allen drei Lehrjahren 30 Euro je Monat mehr, im zweiten Lehrjahr erhalten sie damit 680 und im dritten 730 Euro. Trotzdem: Von den Spitzengehältern der Azubis sind sie noch ein gutes Stück entfernt.

Ihre Gehaltserhöhung erreicht aber den höheren Schnitt in Ostdeutschland. Denn dort erhöhten sich über alle Branchen die Vergütungen um 5,0 Prozent auf durchschnittlich 708 Euro im Monat. In den alten Bundesländern nahmen sie gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent auf durchschnittlich 767 Euro im Monat zu.

Gehaltserhöhung im April

Für die Azubis in den Praxen steht außerdem bereits fest, dass sie im April dieses Jahres noch einmal eine Gehaltserhöhung von 30 Euro je Monat erhalten.

Die Azubi-Gehälter der MFA steigen im ersten Ausbildungsjahr dann auf 670 Euro im Monat, im zweiten auf 710 Euro und im dritten auf 760 Euro.

Dass die MFA trotzdem auch weiter eher im Mittelfeld der Ausbildungsvergütungen liegen, zeigt die Verteilung der Azubis auf die unterschiedlichen Gehaltsgruppen: Insgesamt kamen laut BiBB 26 Prozent der Auszubildenden in Westdeutschland auf hohe monatliche Beträge von 900 Euro und mehr. Für 61 Prozent bewegten sich die Vergütungen zwischen 600 und unter 900 Euro.

Relativ gering seien die Beträge für 13 Prozent der Auszubildenden mit weniger als 600 Euro gewesen. In den neuen Bundesländern gab es hingegen nur für 16 Prozent der Azubis hohe Vergütungen von 900 Euro und mehr.

Für 52 Prozent hat das BiBB eine Vergütung zwischen 600 und unter 900 Euro ermittelt. 32 Prozent der Auszubildenden erhielten eher niedrige Vergütungen von unter 600 Euro.

Praxen bei Freiberuflern an der Spitze

Unter den freien Berufen stehen die Praxen mit ihrer Ausbildungsvergütung jedoch gar nicht so schlecht da: Dort liegt der Durchschnittswert bei 656 Euro in den alten und bei 668 Euro in den neuen Bundesländern. Die MFA liegen mit ihren im Schnitt 683 Euro über beiden Werten.

Nicht weiter verwunderlich ist auch, dass die Industrie bei den Ausbildungsvergütungen und im Konkurrenzkampf um die besten Fachkräfte ganz vorne liegt: Hier erreichen die tariflichen Azubi-Gehälter im Schnitt 839 Euro in den alten und 764 Euro in den neuen Bundesländern.

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