Ärzte Zeitung, 18.03.2015

Gesundheitsberufe

Strategien für eine bessere Kommunikation

Getrennte Ausbildungen, uneinheitliche EDV-Lösungen und zu viel Bürokratie erschweren häufig die Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegekräften.

Von Anke Nolte

DRESDEN. Behandlungsfehler sind häufig auf eine schlechte Kommunikation zwischen den Berufsgruppen zurückzuführen, wie Studien zeigen.

"Wenn Ärzte und Pflegefachkräfte aneinander vorbei agieren, führt das oft zu Fehlentscheidungen", betont Renate Tewes, Professorin für Pflegewissenschaft und Pflegemanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden. "Eine gute Zusammenarbeit sorgt dagegen für bessere Patientenergebnisse, für eine höhere Berufszufriedenheit und senkt die Gesundheitskosten."

Interprofessionellen Gesundheitskongress am 17./18. April in Dresden

Wie eine Kooperation zwischen den Professionen gelingen kann, ist Schwerpunkt-Thema auf dem Interprofessionellen Gesundheitskongress, der am 17. und 18. April im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden stattfindet.

Medizinische Unterlagen sind nicht verfügbar, Patienten erhalten widersprüchliche Informationen von Ärzten und Pflegekräften, Besprechungen und Übergaben verlaufen ineffizient und unstrukturiert - solche Mängel zeigt der Picker Report 2014 auf, für den 140.000 Patienten, 11.000 Pflegekräfte und fast 5.000 Ärzte aus 160 Krankenhäusern befragt wurden. Einen Grund für die schlechte Zusammenarbeit sieht Tewes in der getrennten Ausbildung der Gesundheitsberufe.

"Wenn Pflegekräfte, Ärzte, Logopäden, Physiotherapeuten, Hebammen und Ergotherapeuten gemeinsam lernen, lernen sie nicht nur miteinander, sondern auch voneinander und übereinander, was die Zusammenarbeit sehr erleichtert", sagt die Pflegewissenschaftlerin.

Interprofessionelle Kommunikation müsse systematisch geübt werden. Gesprächstechniken, wie etwa das in den USA entwickelte SBAR (Situation beschreiben, Background/Kontext erklären, Assessment/Einschätzung mitteilen und Recommendation/Empfehlung abgeben), könne die oft beklagte Fehlkommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften nachweislich reduzieren.

Unterschiedliche technische Ausstattung bereitet Probleme

Bei der Pflege von Patienten im Krankenhaus kann es durchaus von Vorteil sein, wenn Ärzte Aufgaben an Pflegekräfte abtreten. Das ist beim im vergangenen Jahr vorgestellten Abschlussbericht über das rheinland-pfälzische Modellprojekt "Pflege im Krankenhaus" deutlich geworden.

Aber auch im ambulanten Bereich ist die Kooperation zwischen Hausärzten und Pflegediensten oft holprig.

"Die unterschiedliche technische Ausstattung erschwert die Kommunikation", berichtet Thomas Meißner, Mitglied des Präsidiums des Deutschen Pflegerates und Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes in Berlin.

"Es ist nicht selbstverständlich, dass Arztpraxis und Pflegedienst sich per Mail austauschen, oft läuft das noch per Fax oder telefonisch", sagt er. Auch die Software sei selten kompatibel. Moderne Informationstechnik und eine elektronische Patientenakte würden die Zusammenarbeit deutlich erleichtern.

Auch das Verordnungsverfahren sei nicht mehr zeitgemäß: "Jeder einzelne Vorgang in der Häuslichen Krankenpflege muss mit einem Extra-Formular vom Arzt angeordnet und begründet, vom Pflegedienst und Versicherten bestätigt und bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht werden", beklagt Meißner.

Dieser bürokratische Aufwand werde im Arbeitsalltag weder dem Arzt noch dem Pflegedienst noch dem Patienten gerecht.

Mehr Modellversuche, in denen die Übertragung ärztlicher Tätigkeit auf nicht-ärztliche Gesundheitsberufe erprobt wird, hat auch kürzlich der ehemalige GBA-Chef Dr. Rainer Hess gefordert.

Weitere Informationen zum Kongress: Andrea Tauchert, Tel. 030/82787-5510, andrea.tauchert@springer.com, www.gesundheitskongresse.de

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