Ärzte Zeitung, 09.01.2015

Sprachbarriere adé

Chefarzt macht ausländische Ärzte fit

Für viele Ärzte aus dem Ausland ist die Sprache das größte Hindernis. Aber es gibt auch kulturelle Unterschiede, die zu Problemen führen können. Der Bremer Chefarzt Letterio Barbera hat ein Integrationsprogramm entwickelt.

Von Christian Beneker

Dr. Barbera macht ausländische Ärzte fit

Engagiert sich bei der Integration ausländischer Ärzte: Dr. Letterio Barbera.

© Bahlo

BREMEN. Irgendwann war Dr. Letterio Barbera es leid. Der Chefarzt der Gefäßchirurgie im Bremer Klinikum Mitte (KBM) wollte mit seinen jungen ausländischen Kollegen ebenso gut kommunizieren wie mit jedem anderen.

"Aber auch wenn die jungen Assistenz-Ärzte mit dem geforderten B2- oder C1-Sprachzertifikat für die Fachsprache des Goethe-Institutes zu uns kommen, können sie bei der Frühbesprechung der Ärzte oft trotzdem nicht folgen", sagt Barbera zur "Ärzte Zeitung".

Denn als Problem entpuppe sich nicht allein die Sprache, sondern auch die Kultur der ärztlichen Arbeit in Deutschland.

Deshalb hat Barbera ein sechsmonatiges Praktikum für ausländische Bewerber zur Vorbereitung auf die Assistenzzeit in einem deutschen Krankenhaus entwickelt.

Eben hat die erste junge Kollegin, eine Assistentin aus dem Sudan, das rund sechsmonatige Programm erfolgreich durchlaufen: Rahman Abdelrahman. Nun kann die 28-Jährige ihre Assistenzzeit im Bremer Klinikum Mitte antreten.

In den großen Kliniken sei das Problem noch überschaubar, sagt Barbera. Er schätzt den Anteil ausländischer Ärzte etwa am KBM auf zehn bis 20 Prozent.

80 Prozent sprechen eine andere Sprache

"Aber in den Häusern der Peripherie arbeiten manchmal zu 80 Prozent Kollegen mit einer anderen Muttersprache als deutsch. Natürlich müssen sie trotzdem gut und flüssig mit niedergelassenen Kollegen oder Angehörigen telefonieren können, einen Patienten vorstellen können oder einen Arztbrief verfassen", sagt Barbera. "Leider können sie das nicht immer."

Zudem haben sich die Arbeitsbedingungen sehr geändert. "Früher hatte man noch mehr Zeit, den Nachwuchs nach und nach anzulernen", berichtet der Chefarzt, "aber heute wird man als Neuling einfach in die große Waschmaschine geworfen und muss funktionieren."

 Um so besser muss die Kommunikation sein.

Es gehe nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Kultur der ärztlichen Arbeit in einem deutschen Krankenhaus, die dem allermeisten ausländischen Nachwuchs fremd ist.

"Viele Kollegen, die aus dem Ausland zu uns kommen, sind zum Beispiel stark auf Autoritäten fixiert", berichtet Barbera, "wenn sie etwas nicht verstanden haben, fragen sie aus übergroßem Respekt vor dem Vorgesetzten nicht nach und gehen einfach ihrer Arbeit nach. Das geht so natürlich nicht!"

Oft sei nicht einmal klar, ob der ausländische Nachwuchs, wenn er ein Problem hat, ein sprachliches oder ein fachliches hat, so unklar sei die Kommunikation. Deshalb also das Programm.

Regelmäßiges Feedback

In den sechs oder mehr Monaten dürfen die Praktikanten zwar nicht allein am Patienten arbeiten. Aber sie sollen das Telefonieren üben, einen Patienten vorstellen, Operationen besuchen.

Dazu erhalten sie regelmäßiges Feedback. Das Ziel: "Wir wollen die jungen Leute in die Lage versetzen, eine Assistenzstelle so gut zu füllen, wie ein deutscher Medizinstudent mit Staatsexamen."

In Deutschland arbeiteten nach den jüngsten Angaben der Bundesärztekammer (BÄK) für das Jahr 2013 genau 35 893 ausländische Ärztinnen und Ärzte. Das bedeutet einen Anstieg im Vergleich zu 2012 um zehn Prozent.

Die meisten kommen "aus Rumänien (3454), Griechenland (2847) und Österreich (2611), gefolgt von Polen (1830)", so die BÄK.

Allein im Land Bremen zählt die Ärztekammer für das Jahr 2013 genau 359 ausländische Ärzte, davon 224 aus der Europäischen Union. 238 von ihnen arbeiten in den Krankenhäusern des kleinsten Bundeslandes.

Tendenz: steigend. Barbera berichtet, dass die Chefärzte des KBM wöchentlich zwei bis drei Bewerbungen ausländischer Kollegen auf den Tisch bekommen.

Seit Sommer 2014 müssen Ärzte aus dem Ausland Sprachkenntnisse auf dem Niveau "B2" und ein Fachsprachenniveau der Stufe "C1" nach dem Gemeinsamen europäische Referenzrahmen für Sprachen nachweisen.

Das hat die Gesundheitsministerkonferenz der Länder beschlossen. Die Kammern sollen vor Ort entsprechende Prüfungen abhalten. So weit ist es aber in Bremen noch nicht. Also geht das KBM voran.

Formal erhalten die Praktikanten für das halbe Jahr einen Vertrag als Gastarzt. Im besten Falle werden sie danach als Assistenzärzte angestellt. Zunächst wird das Programm in der Gefäßchirurgie erprobt, bei gutem Gelingen eventuell auf andere Abteilungen ausgedehnt.

 Bei Chefarzt Dr. Barbera beginnt demnächst ein junger Ägypter das Programm.

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