Ärzte Zeitung online, 20.02.2015

MB

Zehn Prozent mehr Medizinstudienplätze gefordert

Der Marburger Bund warnt vor einer Reform des Medizinstudiums mit der Brechstange: Die Ärztegewerkschaft will erst abwarten, wie sich erste Reformmaßnahmen auswirken.

BERLIN. Der Marburger Bund (MB) warnt vor Schnellschüssen bei der Reform des Medizinstudiums.

Zuerst sollten die Auswirkungen bereits angeschobener Maßnahmen wie der Novelle der ärztlichen Approbationsordnung oder neuer Modellstudiengänge evaluiert werden, sagten Verbandsvertreter bei der Vorstellung eines Positionspapiers zum "Masterplan Medizinstudium 2020", den die Regierung in Aussicht gestellt hatte.

"Man muss sich jetzt erst einmal anschauen, ob die Veränderungen aus der Vergangenheit zu Verbesserungen geführt haben", sagte der stellvertretende MB-Vorsitzende, Dr. Andreas Botzlar, am Freitag in Berlin.

Sofortigen Handlungsbedarf sieht der Marburger Bund dagegen bei der Anzahl der bundesweit verfügbaren Studienplätze für Studienanfänger von derzeit 10.600 im Jahr. "Wir fordern eine Erhöhung der Studienplätze um zehn Prozent", sagte Botzlar. Derzeit gebe es fünfmal so viele Bewerber wie Plätze.

Neben dem demografischen Wandel brauche man auch deshalb mehr Ärzte, weil sie nicht mehr bereit seien, die Familie dem Beruf zu opfern. "Vor 25 Jahren hatten wir in der kleinen Bundesrepublik genauso viele Studienplätze wie heute im wiedervereinigten Deutschland", sagte Botzlar.

Nachbesserungen beim PJ gefordert

Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag unter dem Stichwort "Masterplan Medizinstudium 2020" drei Reformziele formuliert. So sollen Studienplatzbewerber gezielter ausgewählt werden, die Praxisnähe gefördert werden und die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin gestärkt werden.

Die Auswahl von Medizinstudierenden sei derzeit zu einseitig auf den Notendurchschnitt von Bewerbern fokussiert, sagte Jan Bauer, Vertreter der Medizinstudierenden im Marburger Bund.

So sollten aus seiner Sicht auch soziale Kompetenzen von Bewerbern eine größere Rolle spielen.

Weil 60 Prozent der Studenten von den Universitäten ausgewählt werden, brauche man dafür nicht unbedingt eine Reform. "Hier haben die Hochschulen schon heute einigen Spielraum", sagte er.

In Sachen Praxisnähe forderte Bauer Nachbesserungen beim Praktischen Jahr. Wichtig sei, dass Studierenden Zeit eingeräumt werde, in der sie über die Erfahrungen reflektieren könnten.

"Studierende wünschen sich einen Selbstlerntag", so Bauer. Er forderte, dass Studierende im Praktischen Jahr grundsätzlich eine Aufwandsentschädigung in Höhe des Bafög-Höchstsatzes erhalten.

Zur angestrebten Stärkung der Allgemeinmedizin bekenne sich der Marburger Bund generell. Auch hier sollten allerdings erst Maßnahmen aus der Vergangenheit wie eine Verlängerung des Blockpraktikums von einer auf zwei Wochen evaluiert werden, so Bauer. Die Einführung eines Pflichtabschnitts Allgemeinmedizin lehne man ab.

Die Allgemeinmedizin als Fachrichtung ist in der Gunst der Medizinstudenten aber gestiegen. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Hartmannbundes, an dem 7500 Studenten teilgenommen haben. (tau)

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