Ärzte Zeitung, 26.02.2015

Nachwuchs-Mediziner

So viel Spaß macht Landarzt

Vier Ärzte aus Niederbayern zeigen Medizinstudenten, wie viel Spaß sie am Arztleben jenseits der Großstadt haben können. Sie hoffen, dass dadurch der ein oder andere Jung-Arzt den Weg in die Niederlassung auf dem Land findet.

Von Julia Frisch

So viel Spaß macht Landarzt

Reale Behandlungssituation: Dr. Jana Riedl (Mitte) unterstützt die Studenten bei der Sonografie.

© Privat

REGEN. Am Fuße des Großen Arbers, dem höchsten Berg im Bayerischen Wald, arbeiten und leben die vier engagierten Ärzte, die vor eineinhalb Jahren das Projekt "Exzellent" ins Leben riefen. Die "LandArztMacher", wie sie sich selbst nennen, sind ein gemischtes Team aus zwei Niedergelassenen und zwei Klinikern.

Sie leben die enge Verzahnung zwischen ambulant und stationär vor, die sie auch ihren jungen Kollegen vermitteln möchten: Dr. Jana Riedl, Internistin und leitende Oberärztin am Kreiskrankenhaus Viechtach, Dr. Martin Kammerl, Hausarzt und Nephrologe in Zwiesel, Dr. Wolfgang Blank, Hausarzt in Kirchberg im Wald, sowie der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Martin Müller, Oberarzt am Kreiskrankenhaus in Zwiesel.

Praxiserfahrung und Land(er)leben

Die Idee des Quartetts: Sie bieten Medizinstudenten ein vierwöchiges Praktikum im Landkreis Regen an. Dabei sollen die angehenden Mediziner sich fortbilden und sowohl in Praxen als auch in Kliniken Erfahrungen sammeln, "sich ausprobieren", wie Dr. Wolfgang Blank sagt.

Daneben lernen die Studenten, die dank Unterstützung durch den Landkreis, durch Firmen und Krankenkassen freie Kost und Logis genießen, bei Ausflügen und verschiedenen Unternehmungen auch die Arberregion kennen.

"Im ersten Schritt zeigen wir, wie toll das Arztsein in der Niederlassung ist. Im zweiten Schritt lernen die Studenten, dass die Region hier eine Option fürs spätere Berufsleben sein könnte", sagt Blank. Er selbst findet, dass es "rattenscharf" ist, auf dem Land zu arbeiten.

Ein "exzellenter Sommer"

Unter dem Namen "exzellenter Sommer" fand im vergangenen August das erste Praktikum statt. 16 Studenten aus ganz Deutschland durften in den zwei Kreiskrankenhäusern in Viechtach und Zwiesel und in Hausarztpraxen Ärzten nicht nur über die Schulter schauen, sondern auch selbst untersuchen und behandeln.

Parallel dazu bekamen sie beispielsweise EKG- und Ultraschall-Kurse und Fortbildungen in HNO-ärztlicher Untersuchung. Die Universität Erlangen evaluiert das Projekt.

"Wir wollen den Studenten helfen, gute Ärzte zu werden, indem sie sich erproben können", sagt Blank. Das soll auch dazu führen, dass die angehenden Mediziner Freude an der Arbeit, am Arztsein haben.

"Während des Studiums verlieren Studenten oft den Spaß am Medizinersein. Das liegt daran, dass die Unis sehr spezialisiert sind. Die Studenten lernen nur einen Bruchteil dessen kennen, was das Arztsein ausmacht", so der Hausarzt aus Kirchberg im Wald.

Die Nachfrage ist groß

Im Frühjahr bieten die "LandArztMacher" wieder ein vierwöchiges Praktikum an, die Plätze für den "exzellenten Winter" waren sofort weg. "Das hat sich unter den Studenten schnell herumgesprochen", so Blank.

Dass die vier Ärzte in Niederbayern gute Arbeit leisten, wird auch in München inzwischen gesehen. In der Kategorie "Ambulante Versorgung" bekamen die Mediziner Ende vergangenen Jahres den Bayerischen Gesundheitspreis der KV Bayerns.

Das Preisgeld von 4000 Euro fließt natürlich in die "Exzellent"-Projekte.

Acht Studenten finden es nach den vier Wochen Sommer-Praktikum in der Arberregion vorstellbar, später auf dem Land zu arbeiten.

Für Dr. Wolfgang Blank kommt nichts anderes infrage, als Hausarzt zu sein: "Das heißt, Verantwortung zu übernehmen und Arztsein auszuleben."

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Interview: Hausärzte sind keine Mediziner "zweiter Klasse"
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