Ärzte Zeitung, 13.04.2016

Chances

Studium in England hat Vorteile

Simon Melderis studierte in Cambridge und London und absolvierte dort Teile seiner Ausbildung. Im Forum "Chances" beschrieb er die Vorteile - und ging offen auch auf Schwierigkeiten ein.

MANNHEIM. Essays, Zeit zum Selbststudium und schnelle Rotationszeiträume in Kliniken und Praxen: Im Forum "Chances" berichtete Simon Melderis auf dem DGIM-Kongress vom Medizinstudium in England und zog den Schluss, dass die Ausbildung auf der Insel insgesamt besser strukturiert sei als in Deutschland .

Der 32-Jährige, seit 2012 in der Facharztausbildung zum Nephrologen am Uniklinikum HamburgEppendorf, gab zunächst einen Überblick über die Inhalte seiner Studienjahre in Cambridge und London.

Im Unterschied zum Studium in Deutschland habe es "viel selbst gesteuertes Lernen gegeben", sagte Melderis und verwies darauf, dass er im dritten Jahr lediglich acht Vorlesungen pro Woche gehabt habe und den Rest in Selbststudium investieren konnte.

Nach dem BA-Abschluss bewarb Melderis sich beim englandweiten Foundation-Programm, einem praxisbasierten Angebot zwischen Studium und Weiterbildung. "In diesem Programm bewirbt man sich für eine allgemeine örtliche Tätigkeit in einer sogenannten Deanery, also einem fest zugeteilten Gebiet", beschreibt er das Konzept.

13 Deanerys stehen in England zur Auswahl, außerdem je eine in Schottland, Irland und Wales. Melderis bewarb sich in einem der Londoner Bezirke und wurde angenommen.

"Man wird ein sehr flexibler Arzt"

Mehr vom DGIM-Kongress

Weitere Berichte vom Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim finden Sie hier: aerztezeitung.de/dgim2016

Die zwei Jahre des Foundation Programms seien geprägt von zahlreichen festgelegten und engmaschigen Rotationen alle vier Monate. "Assistenzärzte müssen sehr flexibel sein, was Städte, Kliniken, Urlaub und Dienste betrifft", erklärte Melderis. "Sie können nur schwer feste Bindungen aufbauen."

Das System biete allerdings auch Vorteile: "Man lernt ein breites Spektrum kennen und wird ein sehr flexibler Arzt. Außerdem ist man weniger abhängig vom Chef als hier in Deutschland."

Durch die kurzgetakteten Rotationen würden sich allerdings für die Chefs und Klinikleiter gewisse Probleme ergeben, da sie mit einem ständig wechselnden Team arbeiten müssten.

Positiv heraus hob Melderis, dass er einen Educational Supervisor gehabt habe, der ihn durch die Weiterbildung begleitet habe. Und auch Fortbildungen seien während der Arbeitszeit problemlos möglich gewesen. Nach dem Programm folgte eine zweijährige internistische Ausbildung (Core Medical Training).

Für ihn habe das Medizinstudium in England einige Vorteile, sagte er in Mannheim: "Jungen Ärzten begegnet dort ein breites Spektrum und ein strukturiertes Training. Außerdem muss man sich dank des Foundation Programmes erst später auf eine Fachrichtung festlegen."

Allerdings gebe es gerade in der engmaschigen Phase nach dem Studium kaum Freiheit. Die schnelle Rotation sei nicht einfach zu bewerkstelligen. Generell empfahl Melderis, wenn es lediglich ein vorübergehender Auslandsaufenthalt sein soll, ein PJ-Tertial in England. (aze)

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