Ärzte Zeitung, 05.01.2016

Klinik

Jeder dritte Arzt verschickt Patientendaten via Apps

Einfache Handhabung und schnelle Kommunikation: Weil Ärzte auf diese Vorteile von Smartphone und Co. auch im Klinikalltag nicht verzichten wollen, gefährden viele mitunter sogar ihre Schweigepflicht. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Von Rebekka Höhl

Jeder Dritte verschickt Patientendaten via Apps

Mal kurz mit dem Kollegen via App-Messenger gechattet? Dabei werden von britischen Klinikärzten oft auch sensiblePatientendaten ausgetauscht.

© Jupiterimages / Thinkstock

NEU-ISENBURG. Der mobile Trend macht vor den Krankenhaustüren nicht Halt. Britische Forscher haben daher eine Umfrage unter Ärzten und Krankenschwestern in fünf Kliniken des National Health Service (NHS) gestartet, um herauszufinden, wie die Mediziner und das Pflegepersonal mobile Geräte in ihrer täglichen Arbeit einsetzen (Dr. Mohammad H Mobasheri, et al. ,BMJ Innov 2015;1:174-181).

Was wenig verwundert: Fast 99 Prozent der 287 Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligt haben, besitzen ein Smartphone, rund drei Viertel verfügen zusätzlich über einen Tablet-PC.

Von den 564 Krankenschwestern, die bei der Online-Umfrage mitgemacht haben, besitzen 95 Prozent ein Smartphone und rund 65 Prozent einen Tablet-PC.

WhatsApp als Draht zum Kollegen?

Spannend ist dabei, dass knapp 93 Prozent der Ärzte und über die Hälfte der Krankenschwestern den Einsatz dieser privaten mobilen Geräte bei der Erfüllung ihrer täglichen Aufgaben in der Klinik als sehr hilfreich bzw. hilfreich empfinden.

Ärzte sind jedoch wesentlich aktiver in der mobilen Welt: 92 Prozent nutzen das Smartphone auch in der Klinik zum Surfen im Internet (bei den Krankenschwestern sind es nur 48,5 Prozent), 88 Prozent für das Lesen und Senden von E-Mails (Krankenschwestern: 34 Prozent), 85 Prozent für das Empfangen und Senden von SMS (Krankenschwestern: 29 Prozent), 50 Prozent für Bild-Messaging-Systeme (Krankenschwestern: 12,7 Prozent) und 43 Prozent auch für App-basierte Nachrichtensysteme wie WhatsApp (Krankenschwestern: 13 Prozent).

Leider werden hierbei auch oft patientenbezogene Informationen über die ungesicherten Smartphones und Tablets ausgetauscht. So haben rund zwei Drittel der Ärzte schon einmal Patientendaten via SMS und ein Drittel sogar über App-basierte Nachrichtensysteme verschickt.

46 Prozent gaben zudem an, auch mit ihrer Smartphone-Kamera Fotos von Wunden gemacht zu haben und diese oder auch Röntgenbilder über ein Bild-Message-System via Handy an Kollegen gesendet zu haben. Rund 28 Prozent der Ärzte glaubten, noch immer patientenbezogene klinische Informationen auf ihrem Smartphone zu haben.

Wunsch nach sicherem Datenkanal

Wie die Studienautoren angeben, fehlt dem NHS noch eine sichere Kommunikationsplattform für solch einen mobilen Datenaustausch. Aber immerhin äußerte die Mehrzahl der befragten Ärzte (71,6 Prozent) und auch ein Drittel der befragten Krankenschwestern den Wunsch nach einer sicheren Kommunikations-App, die auch einen sicheren Austausch von Patientendaten unter Kollegen erlaubt.

Denn gerade bei den Medizinern sind Apps sehr gefragt. Über drei Viertel der befragten Ärzte nutzen bereits medizinische Apps. Fast 90 Prozent der App-nutzenden Ärzte setzen diese während ihrer Arbeit in der Klinik ein - ein Drittel sogar täglich.

Zum Einsatz kommen etwa medizinische Rechner, Arzneiinfo-Apps, Apps, die helfen, Krankheiten zu managen, Diagnose-Tools, Lern-Tools und administrative bzw- Dokumentations-Apps.Von den Krankenschwestern nutzen hingen nur 67 Prozent medizinische Apps für die Arbeit.

Weiterempfehlen würden die befragten Ärzte Gesundheits-Apps allerdings nur selten. Nur knapp 10 Prozent haben dies schon einmal getan. Dabei ist der Hauptgrund für die mangelnde Empfehlungsbereitschaft recht simpel: 69 Prozent sind bislang schlich nicht auf die Idee gekommen, dies zu tun.

Doch es gibt noch weitere Gründe: Weder Evidenz noch Effektivität der Apps seien bislang belegt, so die befragten Ärzte. Außerdem sei es schwierig, aus der großen Anzahl an Apps die besten herauszusuchen. Und auch die Datensicherheit sei nicht ausreichend garantiert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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